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Mogelpackung Work-Life-Blending


Nach der Work-Life-Balance kommt das Work-Life-Blending. Das bedeutet, dass Arbeit und Freizeit fließend ineinander übergehen. Eine berufliche E-Mail in der Nacht? Ein privater Termin am Vormittag? Davon können Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen profitieren. Doch es kann auch passieren, dass sich die schöne, neue und agile Welt als Mogelpackung entpuppt, in der die Arbeit sich erbarmungslos ins Private einschleicht und Mitarbeiter von Technik und Vorgesetzten über Gebühr belastet werden. Davor warnt Buchautor Professor Christian Scholz in seinem neuen Buch.




In manchen Unternehmen werden Mitarbeiter als Kostenfaktor gesehen. Diesen optimal zu nutzen und ihn immer dann einzusetzen, wenn man ihn besonders dringend braucht, ist damit Pflicht des betriebswirtschaftlich optimierenden Managements. Doch das hat seinen Preis. Wenn moderne Technik eine immer weitergehende Erreichbarkeit und Transparenz ermöglicht, wenn der Verzicht auf eigene Büros den Mitarbeiter zu einem Nomaden im eigenen Unternehmen macht, dann besteht die Gefahr, dass viele Mitarbeiter nicht aus Überzeugung mitgehen, sondern sich gezwungen fühlen, beim Change dabei zu sein. Das befürchtet der Autor, der in einem Positionspapier von Unternehmensvertretern den Versuch sieht, den Mitarbeitern eine faktisch nicht bestehende Notwendigkeit zum Work-Life-Blending unterzujubeln ohne Rücksicht auf Stresslevel und Zufriedenheit. Anhand von Beispielen aus verschiedenen Unternehmen erfahren die Leser, was die Digitalisierung mit sich bringen kann und werden immer wieder daran erinnert, dass nicht jede Neuheit automatisch vorteilhaft ist. So ist der Autor zwar durchaus positiv einem Homeofficetag in der Woche gegenüber eingestellt, warnt aber davor, dass aus fest Angestellten zwangsweise selbständige Unternehmer werden, die um jeden Arbeitsauftrag neu kämpfen und dabei auf die soziale Sicherheit verzichten müssten. Auf diesen Weg begäbe man sich, wenn man immer mehr feste Büros abschaffe und die Teamstruktur in einem Unternehmen aufbreche.

 

 

Problematisch findet der Autor, dass nicht nur Technologieunternehmen mit eigenem Vertriebsinteresse den angeblichen Siegeszug des Work-Life-Blendings propagieren würden, sondern auch staatliche Stellen und Mainstream-Medien. Das erhöhe den Druck und verhindere die Suche nach besseren Alternativen. Auch am Beispiel der üblichen Arbeitsbedingungen in skandinavischen Ländern erklärt Prof. Christian Scholz, dass eine klare Trennung zwischen den beiden Sphären – außer in Notfällen – besser sei und helfe Zufriedenheit, Kreativität und Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten. Die Deutungshoheit über die Frage sei jedoch aktuell entglitten – es gäbe eine konstruierte Alternativlosigkeit. Selbst im oft als Beispiel herangezogenen Silicon Valley gäbe es nur vereinzelt ein umfassendes Work-Live-Blending – und das aus gutem Grund. Das Buch schließt nach vielen mahnenden Worten und Beispielen mit Gedanken für eine lebenswerte Arbeitswelt. Erschienen ist der kritische Zwischenruf in die Diskussion über „New Work“ (ISBN 978-3-5275-0928-7) zum Preis von 19,99 Euro im Wiley-Verlag.-


Links:

www.wiley-vch.de/de/








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