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Eine Frage der Gerechtigkeit: Playing God


Wenn große Schäden entstehen, steht oft die Frage nach der Entschädigung der Betroffenen im Raum. Der amerikanische Anwalt und Entschädigungsspezialist hat sich mit seinem Einsatz in Fällen wie dem Anschlag auf das World Trade Center, der Aufbereitung der Folgen des Agent Orange-Einsatzes und auch bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko einen Namen gemacht. Regisseurin Karin Jurschick hat einen Film über den Mann gemacht, dessen Rolle je nach Betrachtungswinkel als Unterstützer oder Feind gesehen wird. In 95 Minuten zeigt sie Kenneth Feinberg von den unterschiedlichsten Seiten. Zu Wort kommen Politiker, Geschädigte in den verschiedenen Fällen und auch seine Familie.




Wenn über die gerechte Verteilung einer Entschädigung oder den Plan die Auszahlungen einer Rentenversicherung kurzfristig an das noch vorhandene Kapital anzupassen, verhandelt wird, dann muss das nicht immer vor Gericht geschehen. Manchmal ist eine schnelle und faire Lösung außerhalb des Instanzenwegs für alle Beteiligten die bessere Wahl. Während die einen schnell entschädigt werden, bekommen die Anderen Rechtssicherheit und Schutz vor vielleicht noch teureren Gerichtsurteilen. Doch hinter jedem „Fall“ stecken immer auch Menschen, die Eigentum, Gesundheit oder geliebte Familienmitglieder verloren haben. Bei seinen Gesprächen zeigt sich Kenneth Feinstein durchaus mitfühlend. Er fragt nach, lässt alle Beteiligten zur Wort kommen und wägt ab.

 

Doch zugleich ist bei seiner Arbeit kein Raum für große Gefühle und emotionale Entscheidungen. Alleinige Richtschnur ist das Gesetz. So hängt die Entschädigung für ein ums Leben gekommenes Familienmitglied weniger davon ab, wie dringend die Familie eine Unterstützung braucht, als von der Frage, was der Verstorbene im Laufe seines Lebens noch erwirtschaftet hätte. So kann es sein, dass das Leben eines beim Einsturz des World Trade Centers gestorbenen Feuerwehrmanns auf dem Papier weniger wert ist als das eines Börsenspekulanten. Doch das ficht Kenneth Feinstein nicht an. Er sieht sich nicht als legislative Kraft, sondern als gerechter Umsetzer der bestehenden Regelungen. Dazu gehört auch, dass ohne Beweise keine Zahlung erfolgen kann. Das verhindert den Missbrauch von Entschädigungsfonds, sorgt aber auch für Unzufriedenheit. So führen manche Fischer ihren schlechten Gesundheitszustand auf die Folgen der Ölpest zurück und wünschen dafür von BP eine Entschädigung. Doch ist die Kausalität in der Regel nicht beweisbar, sodass Kenneth Feinstein ihnen keinen Cent zubilligen kann. Auch bei der Frage, ob Bedürftige mit zu geringen Summen abgespeist und zu einem Klageverzicht gezwungen werden, hat der Anwalt eine klare Meinung. Er betont die Vorteile und das Risiko eines teuren und langwierigen Prozesses.

 

Der Film „Playing God“ ist nicht nur eine Dokumentation über die Arbeit von Kenneth Feinstein, sondern auch ein Anstoß zum Nachdenken über das Wertesystem. Je nach Betrachtungswinkel werden auch die Zuschauer ganz unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen. Der englischsprachige Film mit deutschen Untertiteln aus dem Real Fiction Filmverleih kommt am 8. Februar in die deutschen Kinos.









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