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Alles dreht sich um Wasser


Augsburg war schon immer die Stadt des Wassers. Günstig gelegen zwischen den Flüssen Lech und Wertach wurde das Gebiet der heutigen Stadt vor mehr als 2.000 Jahren zum Standort eines römischen Heereslagers. Über die Jahrhunderte hat das Wasser der Flüsse die Stadt geprägt. Es brachte Schutz und Energie und ermöglichte die Entwicklung der Stadt zu einem Zentrum der Künste, der Kultur und des Handels. Im Zeichen des Wassers steht die aktuell laufende Bewerbung der Stadt Augsburg als Weltkulturerbe. Das historische Wassermanagement-System der Reichstadt ist Kern dieser Bewerbung. Was das Wasser für die Stadt bedeutet erleben interessierte Touristen – nicht nur bei der „Langen Nacht des Wassers“ im Juni oder der bis zum Herbst 2018 laufenden Wasser-Ausstellung im Maximilian-Museum.






















Jakob Fugger der Reiche gehört zu den Menschen, die die Stadt Augsburg bis heute geprägt haben. Mit seinem durch den Handel erwirtschafteten Reichtum und seinen Verbindungen in Politik und Kirche hat der Geschäftsmann den Kontinent mitgeprägt. In seiner Heimatstadt Augsburg ließ er eine der ersten Sozialsiedlungen der Welt erbauen. In der Fuggerei war Platz für 140 Wohnungen, die bis heute für einen symbolischen Preis an Bedürftige vermietet werden. Zu Fuggers Lebzeiten waren die Bedingungen klar: In eine der 140 Wohnungen einziehen durften nur katholische, gebürtige Augsburger, die unverschuldet in Not geraden waren und versprachen, dreimal am Tag für das Seelenheil ihres Gönners zu beten. Der historische Preis von einem Rheinischen Gulden wurde umgerechnet in eine Jahresmiete von 88 Cent zuzüglich Nebenkosten – und das in bester, ruhiger Lage mitten im Zentrum der Universitätsstadt.

 

Die Fuggerei ist Teil nahezu jeder Stadtführung von Regina Thieme. Man merkt der Stadtführerin die Begeisterung an, wenn sie im Augsburger Dom auf einige der ältesten Glasgemälde der Welt verweist, die fünf Prophetenfenster erklärt und auf Holbein-Gemälde verweist. Auch das Fugger und Welser Erlebnismuseum füllt sie bei einem Besuch mit Leben. Sie kennt die interessantesten Exponate und lädt Besucher der Stadt ein das multimedial gestaltete Museum aktiv zu erleben. Kleine Geldsäckchen mit eingenähten Transpondern helfen Videos zu starten und Animationen zum Laufen zu bringen. Wo es sich besonders lohnt genau hinzuschauen, weiß Regina Thieme, bei deren Führungen die Stunden und Kilometer wie im Fluge vergehen. Literaturfans können sich das Brechthaus anschauen, in dem die Familie von Berthold Brecht einst zusammen mit drei anderen Familien lebte. Der für seine epischen Stücke bekannte Autor verbrachte hier seine Jugend.

 

Die teils kleinen Kanäle durchziehen die Stadt an verschiedenen Stellen. Was einst Kraft für den Antrieb von Wasserrädern gab, sorgt heute für ein besonderes Flair und auch für Abkühlung, auch wenn das Bad in den schnellen Gewässern nicht ratsam ist. Wer auf das Wasser möchte, ist an der "Kahnfahrt" genau richtig. Hier kann man Ruderboote mieten und einige Runden auf dem kühlen Nass drehen. Wer das Wasser nur sehen möchte, findet im Zentrum der Stadt Brunnen von Hubert Gerhard und Adriaen de Vries. Diese Kunstwerke sind sehenswert und Grund für manche Besucher nach Augsburg zu kommen. Verbinden kann man das mit einem Besuch in einem der zahlreichen Cafés und Restaurants in der belebten Innenstadt der schwäbischen Metropole.

 

Die lange Nacht des Wassers bot die Gelegenheit in einer Nacht viel zu erleben. Vom Eröffnungskonzert der Augsburger Philharmoniker im Goldenen Saal im Rathaus über Konzerte, Führungen und Theaterstücke gab es von 18 Uhr bis weit nach Mitternacht sehr viel zu entdecken. Rund 200 Programmpunkte begeisterten das Publikum, das an besonders beliebten Attraktionen vor verschlossenen Türen stand. „Ausgebucht“ hieß es nicht nur an der "Kahnfahrt", sondern auch an vielen anderen Orten. Doch auch so blieb eine Menge zu erleben. Auf dem Elias-Holl-Platz unterhalb des Rathauses ließen sechs holländische Schauspielerinnen bei der Performance „Die Waschfrauen“ das Wasser spritzen. In der Synagoge gab es jüdische Musik. Und im Schaetzlerpalais und in der Staatsgalerie in der Katharinenkirche hörenswerte Konzerte. Bei 200 Programmpunkten in kurzer Zeit bekam das auch von den Fuggern geschätzte Motto „Nütze die Zeit“ eine ganz neue Bedeutung.

 

Ein Tag ist nicht genug, um Augsburg auch nur annähernd zu entdecken. Regina Thieme hat nicht nur den Überblick, sondern kennt auch die Details. Auf dem Rathaus zeigt sie eine vier Meter hohe Zirbelnuss. In der evangelischen Annakirche erklärt sie die Grablege der Fugger. In einer Seitenkapelle aus dem 14. Jahrhundert sind alte Fresken zu sehen – darunter die Heiligen Drei Könige als Pilger. Auch im Goldenen Saal lohnt sich ein genauerer Blick. Grotesken an den Wänden lassen staunen genau wie die Deckengemälde. Hier ziehen die Tugenden den Wagen der Weisheit und das Männeken Pis ist in Aktion.

 

Ein ganz anderer Weg die Stadt zu erkunden ist eine Stadtführung mit dem Segway. Seg Tour Augsburg bietet dreistündige Touren an – auch zum Thema „Wasser“. Segway-Guide Caro empfängt ihre Gäste mit einer Sicherheitseinweisung. Das „superspaßige Gerät“ sei „total sicher“ erklärt die gebürtige Dortmunderin danach – und schon geht es los. Neben einem Stopp vor den Toren der Fuggerei und an der "Kahnfahrt" gehört der moderne Eiskanal zu den Highlights der Tour. Wo einst überschüssiges Eis abgeleitet wurde, sind heute Kajakfahrer unterwegs und trainieren ihren Sport. Die Tour mit dem Segway führt sowohl durch die belebte Innenstadt als auch durch Parks, Wälder und am Wasser entlang. Bei verschiedenen Zwischenstopps erklärt Caro die Stadt – von der Gründung durch die Römer bis in die Gegenwart. Augsburg ist die deutsche Stadt mit den meisten Feiertagen. Wassertürme, Wasserräder und ein kühles Wasser in der Bauchtasche machen die Fahrt mit dem Segway zu einem Erlebnis, das auch ohne besondere Balance und Vorkenntnisse gelingt.

 

„Das Wasser brachte den Überfluss“, heißt es bei der Stadtführung. Regina Thieme hat noch eine Menge zu bieten. Vom Hofgarten, einem Wandelgarten des Fürstbischofs, über das Wiesenhaus aus der Renaissance, in dem einst die Familie von Mozart residierte bis hin zum für die Ratsglocke aufgestockten Perlachturm reichen die Sehenswürdigkeiten der Stadt des Wassers. Von hier aus verbreiteten sich die Handelszeichen der Fugger und Welser einst um die halbe Welt. Pilger konnten mit päpstlicher Erlaubnis totalen Ablass ihrer Sünden erlangen. Man darf gespannt sein, ob die historische Wasserwirtschaft schon bald zum Weltkulturerbe gehört.


Links:

www.augsburg.de

www.langekunstnacht.de

www.seg-tour-augsburg.de








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