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Wolfsburg setzt auf Emotion


Noch vor 80 Jahren lebten gerade einmal 900 Menschen in drei kleinen Dörfern auf dem Gebiet der heutigen Großstadt Wolfsburg. Doch damals fiel die Entscheidung für die Ansiedlung einer Automobilproduktion und damit für die Gründung der Stadt, die heute gut 125.000 Einwohner hat und sich nicht nur als Standort des weltgrößten VW-Werks einen Namen gemacht hat. Zu ihrem 80. Bestehen im Jahr 2018 setzt die Stadt auf ein reiches Kulturleben, gute Lebensbedingungen und auch weiterhin auf die Automobilproduktion. Die feiert VW im Erlebnis- und Kompetenzzentrum Autostadt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Produktion. Seit ihrer Eröffnung zählte die Autostadt rund 35 Millionen autobegeisterte Besucher.


Wer mit dem Zug nach Wolfsburg kommt, entdeckt gleich neben dem Bahnhof das Wissenschaftsmuseum „phaeno“. Der futuristische Bau wurde von der Architektin Zaha Hadid entworfen und steht auf Stelzen. Rechte Winkel sucht man im Inneren des Museums, das rund 350 wissenschaftliche Experimente beherbergt, vergeblich. Staunende Gesichter sieht man auch in der VW-Autostadt. Wer sich selbst ans Steuer setzen möchte, kann bei einem Sicherheitstraining unter fachkundiger Anleitung ausprobieren, worauf es beim Bremsen ankommt. Nach einer kurzen Einweisung sitzt jeder der Teilnehmer am Steuer eines VW Golf der neusten Generation. Aus dem knackenden Funkgerät kommen kurz darauf die ersten Anweisungen. Ein Auto nach dem anderen rast die Übungsstrecke hinab und bremst abrupt ab. Der „Fahrlehrer“ kommentiert und gibt Tipps. Dann wird es komplizierter. Wie verhält sich das Fahrzeug wohl auf nassem Boden? Was, wenn nach dem Zufallsprinzip ausgelöste Wasserfontänen Hindernisse darstellen? Für die Teilnehmer ist es spannend, die eigenen Reaktionen und die des Fahrzeugs zu erleben. Das ist nicht nur für Fahrgeisterte spannend, sondern auch für Fahranfänger, die in einem sicheren Umfeld ihre Fähigkeiten ausbauen möchten.

 

Wer Fahrzeuge in besonderen Situationen erleben möchte, kann sich auf die Offroad-Strecke begeben. Auf dem Geländeparcours kann man mit SUV oder PickUp abseits der Straßen Adrenalin durch den Körper pumpen. Bei der ersten Runde ist man Beifahrer und lernt die Strecke mit ihren Hindernissen kennen. Wie fährt man Treppen hoch? Wie tief ist das Wasserhindernis? Und wie fährt man über quer auf der Straße liegende Baumstämme? Mit ruhiger Stimme erklärt der Fahrer wie man sich den Situationen stellt. Dann werden die Rollen getauscht und man sitzt selbst am Steuer. Mit Leichtigkeit ruckelt das Fahrzeug die Treppe hinauf. Es bleibt auch in 30 Grad Schieflage stabil. Und selbst eine scheinbar unüberwindbare Steigung erklimmt es. Sogar auf der Wippe macht man dank der Tipps des Experten eine gute Figur und schafft es, diese mit Geduld und etwas Feingefühl mitsamt dem mehrere Tonnen schweren Fahrzeug zu überwinden. Nicht nur bei Autobegeisterten lässt dieses Erlebnis das Herz höher schlagen.

 

Wer es ruhiger mag, findet auf dem Gelände der Autostadt Pavillons der verschiedenen Marken des VW-Konzerns. Jeder einzelne ist in die parkartige Landschaft integriert und bietet seinen Besuchern besondere Erlebnisse. Bei Porsche steht das Design der rasanten Flitzer im Mittelpunkt. Wer mag, kann sich selbst in einen der Sportwagen setzen und sich fotografieren lassen. Andere gehen mit Hilfe einer VR-Brille auf dem Beifahrersitz mit in ein Rennen auf der Leipziger Rennstrecke. Der Pavillon selbst besteht aus einer freitragenden Konstruktion aus gebürstetem Edelstahl. Audi wird in einem Gebäude präsentiert, dass an die ineinandergreifenden Ringe des Markenlogos erinnert. Hier bekommt jeder Besucher einen kleinen digitalen Begleiter, mit dessen Hilfe man sich Videos anschauen kann und an verschiedenen Stellen dank der eingebauten Elektronik „erkannt“ wird. Sehenswert ist auch die Show im Lamborghini-Pavillon. Immer zur halben und vollen Stunde wird hier ein an der Wand hängender Sportwagen bei seiner rasanten Fahrt durch schwierigste Situationen gezeigt. Es blitzt und donnert und ganze Landstriche zerfallen – doch natürlich ist der Wagen schneller. Gerade beschaulich geht es da bei Volkswagen und Skoda zu. Hier können die Besucher sich über die Marken informieren und sich in verschiedene Fahrzeuge setzen. Skoda hingegen betont die spanischen Wurzeln der Marke und zeigt zudem ein sehenswertes Barcelona-Panorama.

 

Manche Besucher verbinden einen Aufenthalt in der Autostadt mit der Abholung eines neuen PKW. Diese werden zwei Tage vor dem vereinbarten Termin über ein Schienensystem aus dem Werk in die gläsernen Türme transportiert. Rund 400 Fahrzeuge finden in jedem der beiden Autotürme Platz. Vollautomatisch werden die Fahrzeuge der Marken VW und Skoda in die Türme eingelagert und auch wieder aus dem Turm geholt. Wer das erleben möchte, kann bei einer Turmfahrt gut angeschnallt die „Reise“ des Autos nachempfinden. Dabei sitzen die Besucher in einem verglasten Container, der wie die Fahrzeuge von den Transportrobotern gegriffen und in schwungvoller Fahrt nach oben transportiert wird. „Die Autos sind mit dem doppelten Tempo unterwegs“, sagt lächelnd die mit in der Kabine sitzende Gästeführerin. Beim kurzen Aufenthalt in der obersten Etage des Turmes erklärt diese nicht nur die Funktionalität der Autotürme, sondern beantwortet auch Fragen zum VW-Werk. Dort arbeiten bis heute rund 72.000 Mitarbeiter, die an jedem Arbeitstag rund 3.700 Fahrzeuge herstellen. Alle 23 Sekunden verlässt damit ein neues Auto die weltgrößte Autofabrik.

 

Wer mehr über die Autostadt erfahren möchte, kann eine Übersichtsführung mitmachen. Führerin Angelique Heinitz erzählt in einer Stunde die wichtigsten Aspekte und zeigt ausgewählte Exponate. Die Griechin ist auch auf internationale Gäste eingestellt – und bietet ihre Führung in fünf verschiedenen Sprachen an. Dabei erfährt man auch, dass das VW-eigene Kraftwerk mit den markanten Schornsteinen gleich hinter dem Hafen in Teilen bis heute aktiv ist und Strom für die Fabrik aber auch für Teile der Stadt Wolfsburg produziert. Mit Stolz in der Stimme erzählt die Führerin vom kurzen Zeitraum zwischen Baubeginn 1998 und Eröffnung zum Sommer zur Weltausstellung EXPO 2000. Besonders angetan haben es ihr neben der Architektur auch die an vielen Stellen zu findenden Kunstwerke. Gleich im Eingangsbereich sind in den gläsernen Boden 79 sich drehende Globen eingelassen. Das Werk des Künstlers Ingo Günther stellt auf jedem Globus eine andere Statistik dar. Einer zeigt zum Beispiel, dass alle auf der Welt zugelassenen Kraftfahrzeuge eine Autoschlange ergeben würden, die sich 115 Mal um den Äquator legt.

 

Auch kulinarisch hat die Region Wolfsburg eine Menge zu bieten. Wer es gemütlich und rustikal mag, probiert im Alten Brauhaus Fallersleben einen Brauhausteller. Krosse Bratkartoffeln verbinden sich mit Würstchen und Fleisch zu einem gelungenen Mahl. Dazu gibt es frisch gebrautes Bier. Das Brauhaus im Fachwerkstil liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schloss Fallersleben. Auch in der Autostadt gibt es eine Reihe von Restaurants in den unterschiedlichen Preisklassen. Empfehlenswert ist zum Beispiel die Trattoria Barolo. Das kleine Restaurant im italienischen Stil ist reich dekoriert mit verschiedenen Weinen. Die kleine aber feine Karte überzeugt mit Nudelgerichten, aber auch mit Fleisch-und Fischvariationen. Dazu gibt es guten und zu den Speisen passenden Wein. Fleischlastiger ist der stilvoll eingerichtete Beefclub. Hier hilft der Kellner schon an der Tür aus der Jacke und reicht einen Aperitif. Die Tische sind in halbrunden Sitznischen angeordnet, sodass die Gäste für sich sein können. Spiegel und eindrucksvolle Lampenkonstruktionen über den Tischen sind echte Hingucker. In diesem Restaurant ist genau richtig, wer sein Fleisch nicht nur zart, sondern auch auf den Punkt richtig zubereitet wünscht. Zum Fleisch gibt es liebevoll angerichtetes Gemüse und andere Beilagen. Mit einem flüssigen Schokoladenküchlein mit Eis oder einem anderen Dessert kann man den Tag sehr gut ausklingen lassen. Übernachten kann man in der Autostadt selbst, aber auch in einem der zahlreichen Hotels in Wolfsburg wie dem Leonardo Hotel am Ende der Fußgängerzone gleich neben dem Kunstmuseum.

 

Wer sich alle Bereiche der Autostadt anschauen möchte, braucht mindestens zwei Tage. Manche liegen versteckt am Wegesrand wie die von Schulklassen gepflegten kleinen Gemüsegärten. Andere wie eine Eisbahn gibt es nur in den Wintermonaten. Nur auf Zeit besteht auch die Sonderausstellung „Ein Leben im Rennsport“ anlässlich des 70. Geburtstags der Rallye-Legende Walter Röhrl. Im gleichen Gebäude kann man anhand zahlreicher Oldtimer in die Geschichte des Automobils eintauchen. Ganz modern ist es hingegen im Konzernforum. Dort geht es in interaktiven Präsentationen nicht nur um VW als an der Börse notiertes Unternehmen, sondern auch um die moderne Konstruktion und Fertigung von Fahrzeugen sowie um die Nachhaltigkeit. Auch für Kinder wird eine Menge geboten. Wer bei den ausgestellten Fahrzeugen genau hinschaut entdeckt einen Aufkleber, der Autoliebhaber mahnt „Bitte nicht streicheln!“

 

 

Beim Besuch in einer der jüngsten Großstädte Europas erleben gerade Autoliebhaber viele Emotionen. Ob sie bei einer maritimen Panorama Tour über den Kanal schippern und einen Überblick bekommen, in der Bäckerei „Das Brot“ duftende Brote, knusprige Brötchen oder hochwertige Brotaufstriche einkaufen oder in direkter Nachbarschaft zur Produktion die unterschiedlichsten Fahrzeuge erleben, in Wolfsburg gibt es eine Menge zu entdecken – auch schon vor ihrem 80jährigen Bestehen.


Links:

www.wolfsburg.de

www.wolfsburg-tourismus.de

www.wolfsburg-marketing.de








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