17. Nov. 2019

Bücher

Früher waren digitale Medien ein Thema für junge Menschen. Entsprechend wenig Gedanken machte man sich über die Frage, was nach dem Tod mit Online-Accounts, digitalen Guthaben und Sammlungen von Musik, Videos und Bildern passieren sollte. Doch längst ist auch mehr als jeder Dritte über 70 Jahre im Internet unterwegs. Damit ist das Thema „digitaler Nachlass“ auf dem Weg vom Nischenthema zum Alltagsproblem, über das Anbieter, Gesetzgeber und auch der einzelne Nutzer sich Gedanken machen müssen. Rechtsanwältin Solange van Rens beleuchtet den aktuellen rechtlichen Stand der Dinge und gibt Tipps, mit denen man schon zu Lebzeiten dafür sorgen kann, dass der digitale Nachlass im Sinne des Erblassers behandelt wird.

 Betroffen von der Problematik sind inzwischen die meisten Menschen. E-Mail-Konten, Accounts in sozialen Netzwerken, Guthaben bei Bezahldiensten aber auch kostenpflichtige Verträge machen es im Todesfall für die Erben notwendig, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Und auch wenn manche Anbieter sich damit noch schwer tun kann der Inhalt des digitalen Nachlasses entscheidend sein für die Frage, ob man ein Erbe annimmt oder ausschlägt. Ausführlich und auch ohne juristische Vorkenntnisse verständlich erklärt das Buch, welche Akteure von der Thematik betroffen sind und wie der rechtliche Rahmen in Deutschland aussieht. Besonders interessant sind die Hinweise zur praktischen Handhabung, die von rechtlichen Risiken über Besitzverhältnisse an digitalen Gütern bis hin zur Zugangsmöglichkeiten zu Smartphones und Mailaccounts reichen.

Wichtig sind auch die Hinweise zur Vorsorge. Wer zu Lebzeiten nicht nur aufschreibt, welche Accounts und Verträge er online hat und welche Zugangsdaten dafür gültig sind, sondern auch aufschreibt, was im Todesfall aus seiner Sicht damit geschehen soll, schafft für die Erben eine gute Basis und ergänzt seinen letzten Willen um ein wesentliches Kapitel. Ob man den eigenen Erben vertraut, es einem Testamentsvollstrecker überlässt oder mit der Umsetzung des digitalen Nachlasses eine ganz andere Person als den eigentlichen Erben beauftragen möchte, hängt dabei vom Einzelfall ab. Hinweise auf Paragraphen und Mustervorlagen ergänzen das Buch (ISBN 978-3-96276-018-2), das zum Preis von 19,99 Euro bei DATEV erschienen ist.

(SMC)