30. Nov. 2020

Bücher

Fast hätte es in diesem Jahr geklappt: Das Ruhrgebiet stand kurz vor der Schwelle zu 10 Millionen Übernachtungen. Und selbst wenn viele davon beruflicher Natur oder in Verbindung mit den großen Messen in der Region stehen – der Tourismus in die Metropole Ruhr hat in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. Deshalb erscheint der Reiseführer „Ruhrgebiet“ von Alexander und Friederike Richter genau zum richtigen Zeitpunkt – und in der Hoffnung, dass 2021 nach dem Lockdown wieder touristische Reisen möglich machen wird. Bis dahin ist er aber auch eine gute Orientierung für Bürger der Region, die ihre nähere und weitere Nachbarschaft erkunden möchten.

Der Reiseführer an sich hält sich an eine aus vielen anderen Regionen bewährte Struktur. Es beginnt mit einer Doppelseite mit den aus Sicht des Autorenpaares Top-Sehenswürdigkeiten vom Baldeneysee über das Fußballmuseum bis hin zur Zeche Zollverein. Dann folgt eine „Annäherung an den Pott“ mit Hintergründen zum namensgebenden Fluss Ruhr, dem Ruhrdeutsch als regionalem Dialekt bis hin zu Sport, Nahverkehr und Radtourismus. Auch Geschichte, Kulinarisches und das Ruhrgebiet als Kulturgebiet werden angesprochen. Dass dabei nicht alle rund 200 Museen, 100 Kulturzentren, 100 Konzertsäle 120 Theater und 3.500 Industriedenkmäler einzeln vorgestellt werden können, versteht sich von selbst.

Tiefer ins Detail geht es in den regionalen Kapiteln. Diese beschäftigen sich mit der Rheinschiene, dem südlichen Ruhrgebiet, dem Zentrum des „Kohlenpotts“, dem Norden zwischen Emscher und Lippe und dem Osten der Region. Auch mit Blick auf die Größe der Region und die Verkehrsanbindung macht diese Unterteilung sicher Sinn. Zu den einzelnen Städten gibt es neben Übersichtskarte, die eine Kartenapp auf dem Smartphone hervorragend ergänzen, zunächst allgemeine Informationen und dann kurze Portraits der Hauptsehenswürdigkeiten. Für die Universitätsstadt Witten zum Beispiel werden die Zeche Nachtigall und der Bergbaurundweg Muttental ausführlich vorgestellt. In der zweiten Reihe stehen die Ruine der Burg Hardenstein, der Helenenturm und das Ruhrviadukt. Informationen zur Touristinfo, u.a. zu den genannten Sehenswürdigkeiten und auch zu Hotels und Gastronomiebetrieben sind in einem Infokasten zu finden. Auch wenn die Autoren an manchen Stellen sehr in Bergbaunostalgik denken, werfen sie einen liebevollen Blick auf den „Kohlenpott“, der schon lange keiner mehr ist. Die Informationen machen einen aktuellen und zutreffenden Eindruck – Ausnahmen wie die Empfehlung des Einkaufens an der Castroper Straße in Bochum statt im deutlich größeren und relevanteren Ruhrpark bestätigen die Regel. Erschienen ist das Buch (ISBN 978-3-8979-4520-3) zum Preis von 14,95 Euro im Trescher-Verlag.

(SMC)