Kunst ist weltweit ein Milliardenmarkt. In seinem Buch „Schöner Schein“ wirft Hans-Lothar Merten einen Blick hinter die Kulissen. Den Marktplatz Kunst sieht der Autor in unruhigen Zeiten. Gleich im ersten Kapitel beschreibt er die vielen Facetten dieses besonderen Marktes, in dem nicht in erster Linie Angebot und Nachfrage die Preise bestimmen, sondern ganz andere Faktoren. Der Autor stellt dar, wie sich der Markt auf einige an der Spitze stehende Künstler konzentriert und die Masse der Künstler wenig Möglichkeiten hat, von ihrer Kunst zu leben. Kunst beschreibt Hans-Lothar Merten als Prestige-Konsum und später im Buch als Investition.
Einst waren Künstler Handwerker. Die Preise der Werke hingen nicht zuletzt vom verwendeten Material ab. Bilder mit teuren Blau- oder Goldtönen waren entsprechend teurer. Doch während es immer noch „brotlose“ Künstler gibt, die allein durch ihr Ethos angetrieben werden, gelten in vielen Bereichen ganz andere Maßstäbe. Der Autor präsentiert dazu Tabellen über die Entwicklung der Kunstszene in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die kritische Sichtweise ist auch im dritten Kapitel „Die Fiktion des Originals“ nicht zu überlesen. Viele Käufer sind in der heutigen Zeit damit überfordert zu erkennen, ob ein Werk ein Original ist oder schlichtweg eine Kunstfälschung. Ausführlich beschreibt der Autor, wie es soweit kommen konnte und appelliert verbindliche Regeln bzw. notfalls Gesetze für den Kunstmarkt einzuführen.
Dessen Ökonomisierung ist nicht zu bestreiten. Beteiligt sind nicht nur Galerien und Kunsthändler, sondern auch Auktionshäuser. Diesen muss man nach den Ausführungen des Autors genau auf die Finger schauen, da bei Auktionen die größte Möglichkeit zur Marktmanipulation besteht. Ein Großteil des Kunstgeschäfts passiert bei Kunstmessen wie der mehrfach erwähnten „Art Basel“. Die teuren Messepräsenzen lohnen sich längst nur noch für Galerien, die angesagte und teure Künstler vertreten. Auch das verengt den Kunstmarkt auf bereits etablierte und teure Künstler. In weiteren Kapiteln geht es um die ökonomischen Implikationen. Hans-Lothar Merten beschreibt, dass Kunst auch ein Tummelplatz für Geldwäsche und Steuerbetrug geworden ist und gibt Tipps, worauf man achten muss, wenn man Kunst als Investment betrachten möchte. Das kritische und sachkundige Buch (ISBN 978-3-9071-0087-5) ist zum Preis von 24,90 Euro im Midas Verlag erschienen.
(SMC)

