09. Aug. 2020

Bücher

Weimar. 1942. Helene arbeitet als Programmiererin für das NSA. „NSA“ steht in Andreas Eschbach Roman nicht für die amerikanische National Security Agency, sondern für ein fiktives Nationales Sicherheits-Amt. In diesem laufen im Dritten Reich alle Daten zusammen – von Computern, Internet, Bankkonten, Mobiltelefonen und aus der Cloud. Was in der echten Geschichte nicht möglich war, lässt Eschbach in seinem Roman Wirklichkeit werden. Helene und ihre Kollegin verfügen über alle relevanten Daten und können mit ihren Auswertungen über Leben und Tod entscheiden.

Ein Haushalt, der mehr Lebensmittel einkauft als der Durchschnitt? Fluchthelfer! Ein Mobiltelefon in der Nacht zuvor am Auftrittsort des Führers? Attentäter! All das macht Helene keine Gedanken, bis ein junger Soldat vor ihrer Tür steht, in den sie sich einst bei einem Volksfest verliebt hat. Heute ist er Deserteur und von der Ostfront geflohen. Statt ihn zu melden entscheidet sich Helene dafür, den jungen Mann bei Freunden zu verstecken. Doch geht das in Zeiten von Big Data überhaupt noch? Immer wieder muss Helene feststellen, dass die Daten und die Abfragen so perfekt sind, dass sie auch zu ihrem Geliebten führen. Doch es kommt noch schlimmer. Mit der Zeit entwickelt das Amt neben klassischen Abfragen auch selbstlernende Systeme. Diese künstliche Intelligenz kann selbst die Programmiererin nicht mehr umgehen.

Andreas Eschbach garniert seinen Roman mit Helenes Vorgesetzten Lettke. Der kann eine Schmach aus der Kinderzeit nicht überwinden und nutzt die System, um sich an den Frauen zu rächen, die ihn als Jungen beschämt haben. Doch im Vergleich zum großen Ganzen sind dessen perfide Taten kaum der Rede wert. Schließlich kommt der Computerabteilung mit Blick auf den Ausgang des Krieges eine entscheidende Rolle zu – denn die Systeme haben in amerikanischen Computern die Pläne für die erste Atombombe gefunden. Wer diese als erster baut, hat den Krieg so gut wie gewonnen… Erschienen ist der spannende und äußerst aktuelle Roman (ISBN 978-3-7857-2625-9) zum Preis von 22,90 Euro im Lübbe-Verlag. Ab dem 28.02.2020 ist der Roman auch als Taschenbuch erhältlich – für 12,90 Euro.

(SMC)