19. Mai. 2022

Bücher

Im zweiten Akt hat Jonathan, Sohn des Saul, David zurückgeholt. Der König ist überraschend milde gestimmt und gibt ihm seine Tochter Michal zur Braut. Doch Neid und Hass kehren bald zurück, David muss erneut fliehen, Saul wirft gar seinem eigenen Sohn den Speer nach. Saul wendet sich nun, vor einer weiteren Schlacht, im dritten Akt an die Mächte der Hölle und erfährt durch den toten Propheten Samuel von seinem baldigen Tod.

Schließlich erfährt David vom Tode Sauls und Jonathans, er versinkt gleich dem ganzen Volke in Lethargie. Doch das Volk befreit sich aus seiner Trauer und fordert David auf, als neuer König für Land und Volk zu kämpfen.

Mit Alastair Miles als Saul und David Daniels als David hat München zwei großartige Sänger mit weltweitem Renomée gewinnen können. Miles stimmgewaltiger Bass, ergänzt von Daniels Countertenor, den er in all seinen Variationen eindrucksvoll zur Geltung bringen kann, erfüllen das Alte Testament mit Leben. John Mark Ainsley kommt an diese beiden leider nicht ganz heran, obwohl auch er seinen Jonathan nuancenreich verkörpern kann. Rebecca Evans und Rosemary Joshua als Merab und Michal verzaubern als mutentbrannte bzw. entrückt trauernde Töchter Sauls. Der phantatsische Robert Tear, der aufgrund einer Krankheit mehr krächzen den sprechen konnte, verkörpert sogar eine sich selbst nicht allzu ernst nehmende, augenzwinkernde Whitch of Endor. Ein Erlebnis.

Das Bühnenbild verdient in seiner großartigen, schlicht und stilvoll gehaltenen Gestaltung ganz besonders hervorgehoben zu werden. Besser hätte die sehr gut choreographierte Leistung der Darsteller nicht unterstützt und hervorgehoben werden können. Großes Lob verdient ebenso das relativ kleine, aber umso bessere Orchester, dass Händel virtuos interpretierte und sich im Opernsaal voll zu prachtvoller Geltung bringen konnte. Jedes Händel-Konzert wird es schwer haben, sich mit diesem Abend messen zu können. Ein großartiger Premierenabend! (as)