17. Sep. 2019

Bücher

Lügenpresse? Mit diesem Schlagwort wird Medien der Vorwurf gemacht, ihre eigentliche Rolle zu vernachlässigen und ihre Rezipienten zu täuschen. Doch was hat es damit auf sich? Das ist eines der Themen des Buches „Sind die Medien noch zu retten?“ Die Journalisten Thilo Baum und Frank Eckert gehen in ihrem Buch darauf ein, welche Kritik berechtigt ist und welche keine vernünftige Grundlage hat. Dabei appellieren die beiden an Journalisten, sich ihres Handwerkszeugs zu besinnen. Dazu gehört zu berichten, statt selbst Politik machen zu wollen. Und dazu gehört laut den Autoren auch eine Kommunikation auf Augenhöhe mit Lesern, Hörern und Zuschauern.

Wenn Menschen das Vertrauen in Medien verlieren, dann ist das nicht nur schlecht für die Gesellschaft, sondern auch für die Zukunft der Medien. Deren Qualität hat nach Meinung der Autoren gelitten, da eine ganze Reihe von Journalisten ihre Rolle nutzen, um ihre eigene Agenda auf die Tagesordnung zu setzen und die Nachrichtenlage nach dazu passenden Meldungen zu filtern. So vermuten die Autoren im Journalismus zahlreiche eher links eingestellte Kollegen, die ihre private Meinung auch in ihren Medien durchblicken lassen – und das auch außerhalb des Kommentars. An den Beispielen Gendern und Denglisch beschrieben die Autoren, wie Einfluss von Rechts und Links sich im Journalismus breit machen und wie sehr die weltanschaulichen Einflüsse dem unabhängigen Journalismus schaden.

Auch sind die Autoren der Ansicht, dass viele ihrer Kollegen nur über wenig wirtschaftlichen Sachverstand verfügen und die Welt deshalb eher aus der Sicht des Angestellten als aus der des Unternehmers sehen. Das merke man nicht nur am Umgang mit Zahlen und Statistiken, sondern auch an der Sicht auf die Dinge, die in mancher Veröffentlichung erkennbar sei. Zugleich nehmen Baum und Eckert an, dass die eigene Kritikfähigkeit vieler Medien nicht ausgeprägt ist. Sie führen dazu Beispiele an, in denen Medienvertreter auf berechtigte Kritik abwehrend reagiert haben, statt Fehler einzugestehen und es in Zukunft besser zu machen. Trotz aller Schelte haben die beiden den Journalismus in Deutschland nicht aufgegeben. Sie raten Journalisten zu einem soliden Handwerkszeug, zu enger Anbindung an die Realität und einem Umgang mit der Öffentlichkeit auf Augenhöhe. Erschienen ist das Buch (ISBN 978-3-9071-0088-2) um Preis von 17,90 Euro im Midas-Verlag.

(SMC)