12. Dez. 2025

Digitales

„Verfrühte Abfahrten sind ein No-Go“, das wusste die Ruhrbahn schon 2015, als sie noch EVAG hieß, und verkündete in ihrem Blog: „Bei der EVAG gilt die alte Busfahrerregel: `Fürs Zuspätkommen gibt es eine Entschuldigung, für zu frühes Abfahren gibt es die nicht!“ Doch was in der Theorie so einfach klingt, wird in der Praxis immer wieder zum Problem – für die Fahrgäste, die sich auf den Fahrplan verlassen.

Aufgefallen ist das zum Beispiel bei der Linie 184 in Essen-Steele. Diese verläuft durch die steile und manchmal auch zugeparkte Steeler Bergstraße. Der Fahrplan führt dazu, dass sich die Busse der Linie 184 und der gegenläufigen Linie 164 schon bei kleinen Verspätungen am Berg begegnen. Um das zu verhindern, hört man die Fahrerinnen und Fahrer nicht selten per Funk nach dem Gegenbus fragen. Doch die Lösung ist in der Praxis nicht, dass ein Bus im Fahrplan bleibt und der andere wenn nötig wartet – sondern oft die verfrühte Abfahrt. Eine, zwei, in seltenen Fällen drei Minuten vor der eigentlichen Abfahrtzeit machen sich die Busse auf den Weg und lassen dabei gelegentlich auch Fahrgäste stehen, die rechtzeitig zur Abfahrtzeit – zum Beispiel vom nahegelegenen Bahnhof – zur Haltestelle eilen. Allein aus den letzten Monaten konnte ein Kunde 19 solcher Vorfälle auf der Linie dokumentieren.

„Ich wollte mit meinem Koffer den letzten Bus um 23:09 Uhr nehmen – doch der fuhr um 23:08 Uhr ohne anzuhalten einfach durch. Dabei war ich nur 20 Meter von der Haltestelle entfernt“, entrüstet sich ein Fahrgast über einen Vorfall am 25. Mai 2025. Zur Frage, wie viele Kundenbeschwerden zu verfrühten Abfahrten im letzten Jahr insgesamt aufgelaufen sind, hat die Ruhrbahn sich noch nicht geäußert.

Der Kundendialog der Ruhrbahn reagiert unterschiedlich auf die immer gleiche Beschwerde. „Daher empfehlen wir, gerade bei wichtigen Terminen, sich ein paar Minuten vor der planmäßigen Abfahrt an der Haltestelle einzufinden.“ Ist eine der kreativen Formulierungen des Unternehmens. Nähme man diesen ernst und würde bei zwei Fahrten am Tag jeweils drei Minuten früher zum Bus gehen, käme man in der Woche auf 42 Minuten zusätzlicher Wartezeit – im Jahr auf stolze 2.184 Minuten – also rund 36 Stunden. Zum Mindestlohn von 12,82 Euro wären das fast 500 Euro, die jeder Fahrgast investieren müsste, weil die Fahrerinnen und Fahrer der Ruhrbahn verfrüht abfahren.

(SMC)