26. Mai. 2022

Digitales

Nicht nur die Beschaffung der Rohstoffe, sondern auch die Klimabilanz des einzelnen Geräts und schließlich die umweltgerechte Entsorgung sind Themen, über die bisher nur die wenigsten Hersteller sprechen. Nach Fairphone und ShiftPhone ist mit rephone-Anbieter 4G Systems aus Köln nun ein weiteres Unternehmen im Rennen um ein nachhaltigeres Smartphone. Das rephone ist derzeit exklusiv über Mobilcom/Debitel und wird als 100 % CO2-neutral beworben.

rephone: Der erste Eindruck

Wer das rephone aus seiner Verpackung nimmt, dürfte überrascht sein, denn statt aus Plastik besteht die Verpackung aus Gras. Die nur 34 Gramm leichte Verpackung stammt von schleswig-holsteinischen Wiesen und soll nicht nur umweltfreundlicher als Plastik sein, sondern auch eine Verpackung aus Papier mit Blick auf den Wasserverbrauch und die CO2-Belastung deutlich unterbieten. Neben dem 208 Gramm schweren Smartphone enthält die Verpackung ein USB-Kabel und eine Kurzanleitung. Auf ein zusätzliches Netzteil hat man verzichtet – vielleicht auch, weil die meisten Haushalte schon über mehrere verfügen.  Das Dual-Sim-Handy bietet Platz für zwei Nano-Sim-Karten und zusätzlich eine Speicherkarte. Das erlaubt nicht nur die parallele Nutzung von zwei Mobilfunknummern, sondern auch die unkomplizierte Ergänzung der eigenen Karte um eine lokale Sim bei Auslandsurlauben außerhalb des EU-Roamings. Anschlussbuchsen und leicht zu öffnende Rückseite bringen mit sich, dass das Gerät nicht wasserdicht ist.

rephone: Was macht es nachhaltiger?

Wie bei allen Smartphones kommen viele Bauteile des Geräts aus Asien. Doch montiert und verpackt werden die Geräte bei Gigaset in Bocholt. Während dort ausschließlich mit Ökostrom gearbeitet wird, hat man sich für die aus Asien zugelieferten Teile für eine CO2-Kompensation entschieden. Der Anbieter geht davon aus, dass ein Smartphone herstellerunabhängig im Durchschnitt einen THG-Wert von 77,2 kg CO2eq hat – einschließlich Produktion, Transport, Nutzung und Lebensdauer. Das Unternehmen Meo Carbon Solutions unterstützte mobilcom-debitel bei der Kompensation ihrer Emissionen durch die Bereitstellung hochwertiger Emissionsgutschriften aus dem Lower Zambezi REDD+ Projekt (LZRP) in Sambia. Als kleines Extra sind die in Deutschland montierten Geräte mit einer Rückseite aus Recyclat versehen. Zumindest für diese werden also keine neuen Rohstoffe verbraucht. Ein weiterer Beitrag zur Nachhaltigkeit ist mit der Lebensdauer des Geräts verbunden. Ein auch für den Kunden leicht austauschbarer Wechselakku verhindert, dass ein defekter Akku das ganze Gerät zu Elektroschrott macht. Ein neuer Akku kostet 30 Euro. Mit Kreuzschlitzschrauben verschraubte und nicht verklebte Baugruppen ermöglichen den Technikern des Herstellers im Falle eines Falles die Reparatur – die je nach Defekt zu Festpreisen angeboten wird. So kostet ein neues Display 89 Euro. Die Kosten für weitere Reparaturen hat der Anbieter noch nicht veröffentlicht. Kommt das Gerät doch ans Ende seiner Lebensdauer kann man es wieder abgeben und bekommt in den ersten fünf Jahren neben dem Zeitwert eine Recycling-Prämie von 25 Euro.

rephone: Was steckt darin?

Von Design und Ausstattung erinnert das rephone an das „Gigaset GS5“. Kleinere Unterschiede wie die andere Hauptkamera und die größere Nachhaltigkeit erklären den Mehrpreis. Wer das rephone kauft bekommt ein Mittelklasse-Smartphone mit MediaTek Helio G85-Prozessor. Der Acht-Kern-Prozessor mit 2.0 GHz gehört aktuell zur soliden Mittelklasse und schafft so eine gewisse Zukunftssicherheit. Zum Lieferzeitpunkt sind die Geräte derzeit mit Android 11 ausgestattet. Der Hersteller garantiert ein Update auf Android 12. Wie es danach weitergeht steht genau wie die Anforderungen künftiger Versionen in den Sternen. Das 6,3 Zoll LC-Display hat  15,7 cm sichtbare Bildschirmdiagonale und ermöglicht so komfortables Arbeiten und Spielen. Mit einer Auflösung von 2.340 x 1080 Pixeln bietet das Display eine Menge. Damit man lange Freude am Display hat, wird relativ kratzfestes Glas verwendet. 6 GB Arbeitsspeicher und 128 GB interner Speicher bieten reichlich Platz, sodass man viele verschiedene Apps installieren und auch parallel laufen lassen kann. Ein Einschub für Micro-SD-Karten bis 512 GB schafft bei Bedarf zusätzlichen Platz für Fotos – und wo eine Auslagerung auf die SD möglich ist auch für weitere Apps.

rephone: Was können die Kameras?

Aktuelle Smartphones ersetzen viele Geräte. Auch Kompaktkameras sind weniger interessant, seit in jedem Handy eine hochwertige Kamera steckt. Die beiden Kameras des rephone sind in das Gehäuse eingebettet. Das heißt nicht nur, dass das Gerät flach auf dem Tisch liegen kann, sondern auch, dass die Kameras weniger Belastungen ausgesetzt sind, da diese bündig mit dem Gehäuse abschließen. In der Rückseite sind zwei Kameras eingebaut. Die Hauptkamera hat eine Auflösung von 64 MP. Mit ihr sind auch Videoaufnahmen in Full-HD möglich. Die zusätzliche Kamera für Weitwinkelaufnahmen kommt auf 8 MP. Wer es mit dem Zoomen nicht übertreibt, kann ordentliche Fotos machen, die zum Beispiel in sozialen Netzwerken ihre Wirkung haben. Die 16 MP Frontkamera in einer kleinen Notch macht solide Selfies möglich. Die Kameraausstattung ist für Fotoprofis wahrscheinlich zu rudimentär – aber für Aufnahmen im normalen Alltag und Urlaubsbilder ist man gut ausgestattet. Wer einen eigenen Eindruck von den Fotos aus dem rephone gewinnen möchte, sollte sich diese auf einem kalibrierten Bildschirm anschauen, denn auf dem hell ausgeleuchteten Display des rephones wirken die Farben besonders bunt.

rephone: Was ist sonst wissenswert?

Das Smartphone ist mit einem Wechselakku mit 4.500 mAh Speicherplatz ausgestattet. Damit kommt man ziemlich weit und muss selbst bei leichtem Kapazitätsverlust nicht gleich nach einem neuen Akku schauen. Damit der Akku möglichst lange in Bestform bleibt, hat man „Akku Save“ eingebaut. Dabei stoppt der Ladevorgang bei 90 % - was den Akku nach Herstellerangaben deutlich länger überdauern lässt. Wer die volle Akkukapazität nutzen möchte, kann dieses Extra aber auch ausschalten. Sehr positiv ist, dass der Anbieter darauf verzichtet, das Gerät mit zusätzlichen und oft unnützen Apps zu füllen und ein pures Android-System liefert. Für die Navigation ist das Gerät mit GPS, Glonass und Galileo ausgestattet und so auf alle Eventualitäten vorbereitet. Der in die Rückseite des Geräts integrierte Fingerabdrucksensor funktioniert gut, aber nur, wenn die Rückseite zugänglich ist und man das Gerät drehen kann. Ein in der Preisklasse nicht selbstverständliches Feature ist das „Qi Charging“, bei dem das Gerät neuen Strom tankt, ohne über ein Kabel verbunden zu sein. Dank einer 3,5 mm Klinkenbuchse kann man vorhandene Kopfhörer mit dem rephone weiter verwenden.

rephone: Das Fazit

„Langlebig. Nachhaltig. CO2-neutral.“ So beschreibt der Anbieter sein Konzept und ist damit auf dem richtigen Weg. Weniger CO2 durch Regionalität entstehen zu lassen und das Gerät in Deutschland fertigen zu lassen ist ein Konzept, das nicht nur den ökologischen, sondern auch den sozialen Fußabdruck des Geräts reduziert. Da die allermeisten Komponenten des Geräts aus Asien stammen und die Endkunden keinen Einblick in die dahinter liegende Produktionskette haben, muss man hoffen, dass die CO2-Kompensation zumindest eine positive Auswirkung hat und einen Anreiz schafft, auch im für die Endkunden unsichtbaren Teil der Produktionskette an die Umwelt zu denken. Der Schritt in die richtige Richtung entbindet die Kunden natürlich nicht von ihrer eigenen Verantwortung. Die bewusste Auswahl eines langlebigen Geräts und der Verzicht auf häufige Modellwechsel sind mindestens so wichtig für die Umwelt wie das, was der Hersteller tun kann. Der leuchtend grüne Power Knopf an der Seite des Geräts fällt ins Auge und kann dazu führen, dass das Nachhaltigkeit öfter zum Gesprächsthema wird – gerade auch mit Blick auf Smartphones und ähnliche Geräte. So kann man mit dem Kauf des rephone für 399 Euro auch ein Signal setzen und Anreize für andere Hersteller schaffen, die Auswirkung der eigenen Geräte auf die Umwelt nicht zu vergessen.

(SMC)