04. Dez. 2022

Events

Day of Change: Der erste Eindruck

Schon lange vor dem offiziellen Veranstaltungsbeginn um 10:29 Uhr ist das Foyer des Stadthotels am Römerturm gut gefüllt. Zwischen angeregten Gesprächen, herzlichen Begrüßungen und auf die Wangen gehauchten Bussis mache ich mich auf den Weg zum Check-In. Der funktioniert deutlich weniger formal als der QR-Code auf der Einlasskarte es glauben ließ. Einige Sekunden hält die freundliche Mitarbeiterin am Empfangstisch meine Hand fest, bevor sie mir den Ablauf erklärt und mir einen erfolgreichen „Day of Change“ gewünscht hat. Dabei geht sie gleich zum vertraulichen „Du“ über, das Teilnehmer und Referenten bei diesem Veranstaltungsformat offensichtlich pflegen. Das Foyer leert sich erst, als der Seminarraum geöffnet wird, aus dem laute Motivationsmusik erschallt. In diesem stehen Reihen aus jeweils 13 Stühlen, auf denen insgesamt rund 200 Gäste Platz finden. Das Teilnehmerfeld ist bunt gemischt und reicht vom Anzugträger über die junge Geschäftsfrau bis zum tätowierten Muskelprotz. Überraschend viele der Gäste tragen auffällige Accessoires. Hüte, Halstücher und andere extravagante Stücke schaffen Gesprächsanlässe. Sogar ein Hund hat einen Platz in der ersten Reihe gefunden.

Seminarregeln zwischen Spaß und Ernst

Gut zehn Minuten später als geplant beginnt das eigentliche Programm. Fotos von vergangenen Veranstaltungen werden gezeigt, auf denen sich manche der Teilnehmer wiedererkennen. Dazu wirbelt einer der Mitarbeiter eine überdimensionale Fahne mit dem kleinen Kölner Stadtwappen durch die Luft. Die gute Stimmung wirkt ansteckend. Ein Großteil der Teilnehmer springt auf, klatscht und wippt im Takt der mitreißenden Musik. „Erkenne, wie wichtig Du wirklich bist“, heißt es zur Begrüßung. Dann erklärt Ralf T. Hoffmann die Seminarregeln. Zu denen gehört nicht nur das „Du“, sondern auch die Bitte, den Seminarraum nur in den offiziellen Pausen zu verlassen. Wie sich später zeigt, wird diese Regel im ersten Seminarteil dadurch unterstützt, dass die vordere Tür des Seminarraums, über der ein grünes Notausgangsschild leuchtet, verschlossen ist. Anschließend holt Hoffmann sich ein „Go“ ab. Dabei strecken die Teilnehmer ihre rechte Faust nach oben und rufen im Chor „Go“, um ihre Zustimmung zum vorher Gesagten auszudrücken. Der mehr als hundertstimmige Schlachtruf reißt auch viele der in großer Zahl zum „Day of Change“ erschienenen Neuen mit. Doch zu ernst soll man den Tag nicht nehmen. Dafür sorgt eine spaßige Mitmachübung, bei der die Teilnehmer erst am Schluss erfahren, dass sie einem Gag des Moderators aufgesessen sind. Der wirft dazu einige Deoroller in die Menge.

Der emotional Stärkere definiert, worum es geht

PR-Experte Markus Walter aus Wiesbaden ist für den ersten inhaltlichen Beitrag verantwortlich. Gleich zu Beginn seines Vortrags zieht der ganz in Schwarz gekleidete Schnellsprecher sein Jackett aus und krempelt die Ärmel hoch. Er beschreibt, dass Menschen für viele Lebenssituationen Lösungen haben. Doch für ein glückliches Leben fehle den meisten die Patentlösung. Dazu zeigt Walter dem Publikum seine Gut-drauf-Skala. Die Laune werde durch Ereignisse, Beredungen und Nachrichten beeinflusst. Doch am Ende sei jeder für seinen inneren Zustand selbst verantwortlich. Zugleich könne man die Chance nutzen und anderen durch ehrliche, positive Rückmeldungen Gutes tun. In allen Bereichen des Lebens sei es wichtig, emotionale Stärke zu zeigen. Dabei müsse man auf das Unterbewusstsein achten. Das sei durch die Präsenz, die Zeitnähe und die Häufigkeit von Erlebnissen beeinflussbar. „Ich geh´ an ihm vorbei und hau ihm voll auf die Zwölf“, formulierte der Referent sein Beispiel mehr als deutlich. Ob das eine gute Wahl war, schien in der später folgenden Pause umstritten. Einige der Teilnehmer freuten sich über die klare und plakative Wortwahl. Andere kritisierten die negativen Bilder und die verbale Gewalt.

Die Bedeutung von äußeren und inneren Wünschen

Anschließend begrüßt LCC-Erfinder Ewald Schober das Publikum. In seinem Beitrag lädt er dazu ein, über die Bedeutung von äußeren und inneren Wünschen nachzudenken. Zu den äußeren Wünschen gehören Dinge wie Reichtum, Anerkennung oder Partnerschaft. Zu den Inneren zählen Zufriedenheit, Spaß am Leben, Vertrauen und ähnliche Werte. Ewald Schober erzählt von seiner 30jährigen Erfahrung in der Erforschung der Menschen und des Lebens. Durch geschickte Fragen bringt er die Gäste dazu, sich über die Bedeutung von Innen und Außen Gedanken zu machen. Anschließend bringt er das selbst aufgebaute Gedankenkonstrukt wieder zum Einsturz und die Gäste zum Weiterdenken. Auch Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum sind gewünscht. Für Neulinge befremdlich: Nach der Nennung des Vornamens wird jeder, der sich äußert, vom versammelten Auditorium im Chor begrüßt. „Die größte Selbsthilfegruppe der Welt“ witzelt dazu auch Ewald Schober. Dann geht er einen neuen Aspekt seines Themas an und erklärt, dass die Einschätzung von Situationen stets eine Frage der Sichtweise und des Vergleichs sei. So drehen die Gedanken zum Innen und Außen immer neue Schleifen. Ewald Schober hat für die immanente Konstruktion der Wirklichkeit ein provokantes Bild: „Wir verarschen uns sowieso. Also tun wir es so, dass es uns gut tut und nicht so, dass es uns weh tut!“, ruft er ins Publikum. Dann wird es wieder mehr philosophisch. Man wähle seine eigene Wahrheit. Und die Wahrheit sei relativ. Zudem könne die Botschaft „Das ist doch die Wahrheit – außer sie ist es nicht.“ das Leben erleichtern. Nach der aus seiner Sicht tiefgründigen Sichtweise verabschiedet sich Ewald Schober auf ungewöhnliche Weise in die Pause. „Ihr habt mich auf eine Sichtweise gebracht und überzeugt“, sagt er ohne mit der Wimper zu zucken, als hätte er vom Publikum gelernt und nicht umgekehrt.

In den Lebensbereichen gibt es Potenzial

In der einstündigen Pause studiere ich die auf den Plätzen liegenden Unterlagen. Diese enthalten unter anderem Sonderangebote für eingeschriebene Lebensschüler. Auf diese warten Sonderpreise bei einem Friseur, Coaching und Gelegenheiten zum Edelmetallkauf. Ob daraus wie auf den Plakaten angekündigt „eine Gemeinschaft fürs Leben“ entstehen wird, schätzen – wie die Pausengespräche zeigen - die Teilnehmer ganz unterschiedlich ein. Auch nach der Pause geht es erstmal um die Wohlfühlatmosphäre. Neun der 200 Gäste hatten seit der letzten Veranstaltung Geburtstag und werden daher auf die Bühne geholt. Nachdem sich alle vorgestellt haben, singt das Publikum „Happy Birthday“. Anschließend kommt Hans-Jürgen Becker auf die Bühne. „Das Leben stellt uns nur Aufgaben, die man auch gelöst bekommt“, stimmt er hoffnungsvoll. Anschließend lässt er Fragebögen verteilen, in denen die Besucher ihre Zufriedenheit mit 18 Bereichen des Lebens bewerten können. Zudem dürfen sie für die gleichen Kategorien die angepeilten Ziele eintragen. „In den Lebensbereichen gibt es Potenzial“, schließt Becker seinen kompakten Vortrag.

Die größte Frage auf dem Planeten

„Es ist gelungen, die größte Frage auf dem Planeten zu knacken“, meldet sich Ewald Schober zurück auf der Bühne. Er hat sich mit der Frage, wie das Leben funktioniert, beschäftigt und lässt das Publikum an seinen Erkenntnissen teilhaben. „Das Leben setzt die Außenbereiche nach dem Gefühlszustand“, fasst er zusammen. Anschaulich erklärt er dann, dass „das Leben“ den Menschen stets die Frage „Wer bist du?“ stelle und anschließend für die dazu passenden Ereignisse und Begegnungen sorge. Die Gefühle seien verantwortlich für die nächste Realität. So ergebe sich ein Kreislauf von Innen und Außen. Da man das „Innen“, also die eigenen Gefühle, selbst bestimmen könne, liege in dieser Erkenntnis ein hoher Grad an Freiheit. Man könne so zum „Alchemisten des eigenen Lebens“ werden. Wie leicht Einfluss auf Gefühle genommen werden könne, zeige das Interesse an Kinofilmen. Liebe und Action würden von der Leinwand aus wirken. „Warum schaut ihr sonst immer Pornos“, versuchte Schober seine Gäste zu provozieren. Empfehlenswert sei es zu lernen, sich mit dem Worst Case abfinden zu können. So sei die wahrscheinlich bessere Entwicklung ein Sieg. Der Vortrag endete mit einem praktischen Tipp: „Wenn eine Sorge kommt, sag ‚Leck mich am Arsch!’“

Emotionen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Nach einer weiteren Pause erwartet die Gäste Musik gefühlt in Diskolautstärke. Man könne ein Buch kaufen „sehr, sehr einfach geschrieben, sodass Ihr es versteht“ und müsse den Weg vom Sein über das Tun zum Haben finden. Schließlich lebe jeder Mensch in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wer nur in der Gegenwart leben wolle, müsse sich vor äußeren Impulsen schützen und sich zum Beispiel in ein Kloster oder die Einöde zurückziehen. Er selbst bevorzuge „Sex, Drugs und Rock ´n Roll“ statt sich über Stunden auf einen Grashalm zu fokussieren, bekannte Edward Schober. Gefühle aus allen drei Zeiten spüre man immer in der Gegenwart. Spannend sei dabei die Auswahl der richtigen Gefühle. Man solle das Ziel „dass es einem saugut geht“ nicht aus den Augen verlieren. Wie das geht zeigte der Referent in einer gelungenen praktischen Übung. Mit geschlossenen Augen führte er die Gäste mit seiner Stimme und packenden Bildern in die jeweiligen Zeiten und ließ diese positive Emotionen und Erfahrungen wie Selbstbewusstsein mit in die Gegenwart nehmen. „Ich liebe euch“, überraschte er anschließend das Publikum und erklärte, dass er nicht anders könne, da er Liebe, Vertrauen und Freude mit in die Gegenwart gebracht habe.

Der Blick nach Vorne

Anschließend präsentierte Edward Schober das Konzept seiner Lebensschule. Durch „Days of Change“ alle vier Wochen gelänge es, die Teilnehmer Stück für Stück zu einem glücklicheren Leben zu führen. Während einmalige Seminare nur einen rasch verblassenden Impuls brächten, habe sich das Konzept der Veranstaltungsreihe bewährt. Nützlich sein könne auch das von ihm entwickelte Spiel „The Game“, bei dem die Teilnehmer im Alltag verschiedene Aufgaben lösen müssen. Bei der Planung künftiger Ziele solle man nicht zu klein planen: „Wähle die 10 und gehe dann auf die 100!“ Auch die neuen Teilnehmer sollten von den Möglichkeiten profitieren und Seminare buchen. Man habe hoffentlich keine Angst vor einer Entscheidung? „Es ist einfach als Opfer zu leben und auf die Welt zu schimpfen“, warnte der LCC-Gründer. Nun gelte es das Leben mit seiner Hilfe zu einem Meisterwerk zu machen. Zu wummernden Bässen und mit Pathos in der Stimme rief er dazu auf, die eigene Geschichte für die Welt zu schreiben und sich nicht nichtssagend und klein zu fühlen. In die letzte Pause verabschiedete er sich mit den Worten: „Glaubt an euch selbst! Das Leben ist schön! Die Welt ist Friede und Liebe!“ Der nächste „Day of Change“ findet am 17. April 2016 in Köln statt. Kostenfreie Tickets für den Besuch einer Veranstaltung bietet LCC über verschiedene Internetseiten an. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, fand zumindest an diesem Wochenende auch an Ampeln in der Nähe des Hauptbahnhofs Aushänge mit der Einladung beim ersten Mal kostenfrei dabei zu sein.

(SMC)