25. Jun. 2022

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Einen Vorhang öffnen? Das kann man nach dem Weltuntergang nur mit Muskelkraft. Deshalb muss einer der Artisten auf einem Fahrrad kräftig in die Pedale treten, um den Vorgang zu öffnen und die Bühne frei zu machen für die Show. Doch auch bevor das gelungen ist, gibt es auf der Seitenbühne schon einiges zu sehen. Dort steht eine außergewöhnliche Konstruktion aus Musikinstrumenten und Maschinenelementen. Als der Vorgang geöffnet ist, fällt der Blick auf ein Stahlgerüst aus mehreren Etagen. Mehrere Artisten halten sich an diesem fest. Masten, Schlitten, Schleuderbretter und Keulen liegen herum und warten auf ihren Einsatz. Doch bei der Show darf auch gelacht werden. Das gesamte Ensemble kommt zu einem ungewöhnlichen Glockenspiel zusammen. Das Rhönrad wird gleich beim nächsten Auftritt gebraucht, denn Marie-Maude Laflamme ist an der Reihe. Nachdem sie die letzten Schrauben festgezogen hat, beginnt sie diagonal zur Bühnenkante mit dem Rad in Bewegung zu kommen. Sie dreht sich, krabbelt scheinbar unsicher auf die Außenseite des Rades und erklimmt das Rad dann mit Leichtigkeit. Später steigt sie ins Innere des Rades. Nur mit den Füßen mit dem Rad in Verbindung gelingt es ihr sogar die stützenden Hände vom Rad zu nehmen und sich nur mit ihrer Körperspannung in Balance zu halten. Dann rücken Mik & Maude in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Das Duo nutzt einen Mast der Stahlkonstruktion für seine gewagte Akrobatik. Während andere trommeln zeigen die beiden ihre Kraft und schlagen der Schwerkraft ein Schnippchen. Wie vielseitig das Ensemble sein Können einsetzt zeigt sich kurz darauf. Mik legt seinen Körper um den Mast und dient als langsam herabschwebende Plattform, die eine Frau von ganz oben zurück zum Bühnenboden bringt. Maxim Laurin zeigt danach eine höchst ungewöhnliche Trapeznummer. Erst verdreht er seinen Körper, dann verdreht er die Seile. Mit bewusst abgehackten Bewegungen setzt er den Auftritt fort und klettert schließlich sogar über die Halterung des Trapez` hinaus nach oben. Auf dem Weg nach unten fängt ihn dieses wieder auf. Natürlich kann Laurin es auch klassisch: er hängt sich nur mit den Fußspitzen kopfüber ans Trapez und kehrt schließlich mit einem Salto zurück auf die Bühne. Auf der wartet schon seine streng wirkende Kollegin, die in einem unbeobachteten Moment einen Tanz mit einem auf einem Bügel hängenden Jackett wagt.


Yohann Fradette-Trépanier meistert das Kunstrad. Er zeigt einen Handstand auf dem rollenden Rad, fährt geschickt entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung und düst auch auf nur einem Reifen noch elegant über die Bühne. Kurz darauf steht er sogar auf dem Lenker seines im Kreis fahrenden Rades. Bis zur Pause dreht sich danach alles um die Jonglage. Zwei Artisten werfen sich Keulen zu und beziehen dabei geschickt einen Dritten in der Mitte ein. Vier Artisten wirbeln Keulen durch die Luft, die ein fünfter nutzt, um damit Schlagzeug zu spielen. Einer jongliert mit fünf Keulen, während er auf den Schultern des anderen Artisten steht. Nach diesem turbulenten Auftritt haben die Zuschauer 20 Minuten Pause. Nach dieser beginnt es poetisch mit dem Vertikaltuch. Zwei Frauen hängen in den miteinander verbundenen Schlingen des weißen Seils. Zu melodischer Musik zeigen die beiden ihr Können und faszinieren das Publikum mit der Beweglichkeit ihrer Körper. Dann wird eine Freiwillige aus dem Publikum auf die Bühne gebeten und muss im pantomimischen Dialog mit einem der Künstler Nerven behalten.


Es folgt eine abwechslungsreiche Nummer auf dem Einrad. Zunächst radelt der Artist über die Bühne, klettert dann aus dem Sattel und setzt seine Füße auf die Reifen. Kurz darauf kommen drei mit Frauenperücken verkleidete Artisten ins Scheinwerferlicht, die mit dem balancierenden Einradfahrer über die Bühne tanzen. Der zeigt wie gut er das Einrad im Griff hat nicht nur bei einem seitlichen Sprung, bei dem er einem unter ihm liegenden Artisten eine mit den Lippen gehaltene Blume aus dem Mund schlägt, sondern auch als er von dem schon wackelig wirkenden Einrad auf immer höhere umsteigt. Wie kreativ man mit ein paar Handtüchern sein kann, zeigen darauf vier nur mit diesen bekleidete Männer. Die Tücher werden gefaltet, gedreht, getauscht und wild umhergewirbelt, doch nie geben die vier die Deckung ganz auf. Dass das gewagte Experiment ohne Netz und doppelten Boden funktioniert beweist ein Blick in den überdimensionalen Spiegel, der hinter den Männern über die Bühne getragen wird, und zeigt, dass diese wirklich nackt sind. Zum Abschluss des Abends und vor dem großen Finale kommt das Schleuderbrett zum Einsatz. Mit geschickten Sprüngen schleudern sich zwei Artisten in die Luft und landen treffsicher, teils mit Salto, wieder auf dem Boden. Ein doppelter Salto ist der krönende Höhepunkt des Auftritts. Karten für die Show „Machine de Cirque“ gibt es beim GOP-Varieté telefonisch (0201/2479393) oder über Internet ab 26 Euro. (SMC)