25. Mai. 2019

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Mit mehr als 16 Millionen Zuschauern und über 11.500 Vorstellungen gehört das 1988 in Bochum gestartete Musical Starlight Express zu den erfolgreichsten Produktionen überhaupt. Pünktlich zum 30. Geburtstag entschieden Komponist Andrew Lloyd Webber und sein Team das Rollschuh-Musical gründlich zu überarbeiten und es so fit für die Zukunft zu machen. 4,5 Millionen Euro wurden in die Technik investiert, neue Kostüme wurden angeschafft und die Musik neu arrangiert. So sollen die bis zu 1.650 Sitzplätze am Bochumer Stadionring auch in Zukunft gut gefüllt sein.

Die Geschichte des Musicals ist einfach und gut. Ein kleiner Junge träumt am Abend, dass seine Modelleisenbahn zum Leben erwacht und die Züge sich rasante Wettrennen liefern. Diese entbrennen nicht nur zwischen Zügen aus verschiedenen Ländern, sondern auch zwischen den Antriebstechniken. Die junge Dampflok Rusty steht in Konkurrenz zur Diesellok Greaseball und zur Elektrolok Electra. Alle „Züge“ sind bei Startlight Express auf einer 280 Meter langen Rollbahn quer durch das eigens für die Produktion erbaute Musicaltheater unterwegs. Die Darsteller überwinden dabei Höhenunterschiede von 7,5 Metern und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h. Eindrucksvoll ist ein bewegliches Brückenelement, das die verschiedenen Ebenen miteinander verbindet und sich in Startbrücke, Rennstrecke und Zieleinlauf verwandeln kann. Ziel der verschiedenen Lokomotiven ist nicht nur im Rennen zu siegen, sondern auch die Gunst der verschiedenen Wagen zu gewinnen. So wird die Geschichte um technische Höchstleistungen auch zu einer romantischen Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen.

Während andere Produktionen eher kosmetische Anpassungen vornehmen, wurde der Starlight Express mit aller Konsequenz runderneuert. Waren die Züge in der alten Fassung alle männlich und die meisten Wagen weiblich und schmückendes Beiwerk, fahren in der aktuellen Version selbstverständlich auch weibliche Loks mit um die Wette. Mit dem neuen Song „Ich bin ich“ zeigen die in der Urfassung mit weniger Power präsenten 1. Klasse Wagen „Pearl“ echte Frauenpower. Dazu passt auch, dass die alte Dampflok „Papa“ in Rente geschickt wurde, um Rusty nun Mut und Inspiration von „Mama“ bekommt. So ist es gelungen das Frauenbild an die moderne Zeit anzupassen. Auch musikalisch hat das Produzententeam modernisiert. Schneller, lauter und aktueller wirken manche der Songs, was begeisterte Fans des Originals verschrecken, aber ein neues Publikum gewinnen kann. Nicht zu vergessen ist, dass es seit der Premiere immer wieder kleinere Anpassungen bei den Songs gab, die nun wieder aus einem Guss sind und auch dank der Dialoge auf der Bühne ohne logische Brüche erscheinen. Dass man den Dialogen gut folgen kann ist nicht nur der verbesserten Technik zu verdanken, sondern auch den bei dieser Produktion erfreulich akzentarmen Darstellern.

Wie gut moderne Technik einer Erfolgsproduktion tun kann, lässt sich zum Beispiel bei der Begegnung von Rusty mit dem legendären „Starlight Express“ beobachten. Bei dieser wird der Darsteller auf der dunklen Bühne auf einer Säule in die Luft gehoben. Um ihn herum sorgt ein Schwarm aus ferngesteuerten Drohnen für eine stimmungsvolle, fast mystische Beleuchtung. Sehenswert ist auch das mit zahlreichen LEDs ausgestattete Kostüm von „Electra“. Dass der französische Zug „Coco“ in der Neufassung die „No. 5“ trägt, ist da nur eine Randnotiz. In wie weit dem Zeitgeist geschuldete Phänomene wie in der Rolle Selfies-knipsende Darsteller und Anspielungen auf den Brexit auf Dauer einen Platz im Starlight Express verdienen bleibt abzuwarten. Tickets gibt es  per Internet ab 54,90 Euro. Hinzu kommen das Parken sowie 2 Euro für die Garderobe. Wer rechtzeitig am Theater ankommt, kann vor der Tür spektakuläre Fotos mit der dort ausgestellten Dampflok machen.

(ck)