17. Mai. 2022

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„Wenn einer, der mit Mühe kaum, gekrochen ist auf einen Baum, schon meint, dass er ein Vogel wär, so irrt sich der.“ Mit diesen Worten aus dem Gedicht „Der fliegende Frosch“ von Wilhelm Busch beginnt Lutz Herkenrath seinen Vortrag und zaubert an der richtigen Stelle einen Plüsch-Frosch aus dem Anzug. Mit dem Prosatext erklärt Herkenrath, dass der Spruch „Schuster, bleib bei deinem Leisten“ längst an Aktualität verloren hat und die heutigen Herausforderungen größer geworden sind. Die eigene Ausstrahlung ist dabei zum Erfolgsfaktor geworden. Sie umgibt jeden Menschen, wie den Fisch das Wasser, auch wenn sie uns oft nicht bewusst ist. Herkenrath legt die Stirn in Falten und erzählt, dass er seine 180 Filme selbst nicht ertragen kann, da er die eigene Ausstrahlung nicht sehen könne. Er greift dann stets zum schnellen Vorlauf. Doch vorhanden ist Ausstrahlung in jedem Fall.


„Ausstrahlung ist das Gegenteil von Lampenfieber“, postuliert der Referent und beschreibt, welche Auswirkungen sie hat. Wer frisch verliebt ist, beruflichen Erfolg oder eine Prüfung bestanden hat, strahlt von Innen. Lampenfieber hingegen sei ein harmloses Wort für eine schreckliche Tatsache. Herkenrath unterstreicht dies mit einer Geschichte von einer Theateraufführung, bei der er den Text vergessen hat. Dabei ist es schnell um die positive Ausstrahlung geschehen, wenn man keinen Fehler machen will. „Ablesen ist wie nicht gesagt“, rät Lutz Herkenrath allen Rednern. Das Ablesen von PowerPoint-Folien sei psychische Folter. Vielmehr lohne sich das freie Sprechen. Dabei müsse man nicht damit rechnen, dass das Gegenüber die eigene Unsicherheit spürt. Diese werde nur zu rund 10 Prozent bemerkt.


Herkenrath gibt seinen Zuhörern ein kleines 1x1 der Ausstrahlung mit auf den Weg. Empfehlenswert sei ein fester Stand. Dieser gebe nicht nur Halt, sondern die Möglichkeit zur Offensive. Pausen seien wichtig – für Redner und Zuhörer. Durch die Einstellung der Zuhörer auf den Atemrhythmus des Redners erhöhe jede Pause die Aufmerksamkeit für das Gesagte. Bedeutend sei auch, die Stimme bis zum Ende des Satzes zu halten, da sonst oft wichtige Verben verschluckt werden und die Aussage unklar bleibt. Am Ende eines Satzes gelte es hingegen, die Stimme zu senken, um klar zu machen, wo der Satz endet und die Aussage sonst ungefähr bleibt. Denn nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form sei wichtig. Wer wachsen möchte, muss sich Fehler zugestehen, beschreibt Herkenrath und rät dazu, die zwischen Wohlfühl- und Panikzone gelegene Wachstumszone aktiv zu nutzen.


„Charisma ist nicht lernbar“, erschreckt Lutz Herkenrath seine Zuhörer, doch dann verrät er, dass alle es als Kind einmal gehabt haben und es zurückgewinnen können. Um es wieder zu aktivieren sein unter anderem eine Kongruenz von Denken und Handeln nötig. Dabei gelte es dem Gegenüber immer auf Augenhöhe zu begegnen und die eigenen Botschaften mit dem passenden emotionalen Subtext zu vermitteln. Zur Übung solle man nach jedem Satz die Ergänzung „Ist das nicht wundervoll“ zunächst sprechen und später nur noch denken. Ein gelungenes Verhalten hingegen würde automatisch Menschen anziehen, die damit in Resonanz gehen. „Wir sind die Nachkommen von Experten – sonst hätten unsere Vorfahren nicht überlebt!“, motiviert Herkenrath und liest zum Ende seines Vortrags den Text „Gedanken einer Kerze“, deren Leben nur Sinn macht, wenn sie brennt. Der nächste Vortrag der Reihe WAZ.Wissen findet am 10. Juni statt. Dann referiert Isabel García über Kommunikationsfallen. Karten für den Vortrag kosten 65 Euro. Wer mehrere Veranstaltungen bucht, kann das Paket zum vergünstigten Preis bekommen. Unter allen Lesern verlosen wir gemeinsam mit Sprecherhaus ein Ticket für die Veranstaltung. Wenn Sie unter Ausschluss des Rechtswegs teilnehmen möchten, klicken Sie hier…. (SMC)