21. Sep. 2021

Filme

In seinem Dokumentar-Thriller „The Dissident“ macht sich Regisseur Bryan Fogel auf Spurensuche im Umfeld des im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ermordeten Washington-Post-Journalisten Jamal Khashoggi. Der 2017 für seinen Film „Ikarus“ mit dem Oscar für den „Besten Dokumentarfilm“ ausgezeichnete Regisseur zeigt durch Interviews mit Freunden, Weggefährten und schließlich mit Polizisten und anderen Ermittlern die Hintergründe des Mordes auf – und zeichnet zugleich ein Bild der Meinungsschlacht, die schon seit längerer Zeit in den Social Media Kanälen tobt.

Eigentlich wollte Jamal Khashoggi nur heiraten. Doch um seine Verlobte zu ehelichen brauchte der saudische Staatsbürger Papiere, die nur sein Heimatland ausstellen kann. Deshalb ging Khashoggi ins Konsulat – und kam nie mehr zurück. Denn während er auf die Tage zuvor beantragten Papiere wartete, wurde er von einem Killerkommando getötet. Während all das passierte wartete Khashoggis Verlobte vor dem Konsulat und hoffte auf seine Rückkehr. Als er nicht zurückkehrte begannen die Ermittlungen der türkischen Polizei. Als diese Tage später die Erlaubnis bekam, das Konsulat zu betreten, waren die Mörder längst verschwunden und auch von der Leiche fehlte jede Spur – doch durch die Aufzeichnungen eines Überwachungsgeräts ließ sich der Mord in allen Details nachvollziehen.

Im Film beschreiben Khashoggis Weggefährte, wie dieser vom engen Berater der Führung von Saudi-Arabien zu einem Kritiker wurde. Mit seinen Artikeln in der Washington-Post gab er immer wieder Impulse für Veränderungen im Land – und scheute auch nicht davor zurück, eine Kampagne auf den Weg zu bringen, die den – so der Film – von der Regierung finanzierten Troll-Armee bei Twitter Paroli bot und so dafür sorgte, dass eine regimekritische Diskussion in den Fokus der Aufmerksamkeit rückte. Interviews mit Khashoggis Verlobter Hatice Cengiz, mit türkischen Polizeibeamten und Staatsanwälten sowie jungen saudischen Dissidenten, mit dem Khashoggi zusammenarbeitete, geben dem Film Tiefe und Authentizität. Der Film stellt auch die Frage nach den Konsequenzen des Mordes – denn die blieben größtenteils aus. Der Film startet am 16. April 2021 als Streaming-Angebot und soll nach Wiederöffnung der Kinos auch dort gezeigt werden.

(SMC)