Ein tiefes Rubinrot, der Duft von exotischen Blüten und eine subtile, warme Würze im Abgang: Bissap ist weit mehr als nur eine Erfrischung. In Westafrika gilt das traditionelle Hibiskusgetränk als absolutes Kulturgut. Zwei Studierende aus dem Ruhrgebiet bringen den authentischen Geschmack des Kontinents nun mit einem Manufaktur-Konzept, das Geschmack und soziale Verantwortung vereint in die deutschen Szene-Bars und Bio-Läden.
Wer im Sommer nach einer Alternative zu den ewig gleichen, überzuckerten Limonaden sucht, wird auf dem Getränkemarkt oft enttäuscht. Doch in der Lifestyle- und Gastroszene bahnt sich gerade ein neuer Trend den Weg in die Gläser. Sein Name: Bissap. Das feinherbe, fruchtig-säuerliche Getränk basiert auf einem Aufguss aus getrockneten Hibiskusblüten und wird in Westafrika seit Generationen als natürlicher Durstlöscher geschätzt. Doch während Hibiskus hierzulande oft nur als verstaubter Früchtetee ein Dasein fristet, zeigt das junge Bochumer Start-up afro drinks by bam, was wirklich in der Power-Blüte steckt.
Das Geheimnis im Glas: Superfood trifft auf Muskatnote
Bissap besticht nicht nur durch seine optische Eleganz im Glas, sondern auch durch seine inneren Werte. Hibiskus gilt als echtes Superfood, denn die Blüte ist reich an Antioxidantien, Vitamin C und Eisen. Daher wirkt das Getränk natürlich belebend und womöglich auch entzündungshemmend.
Bei Bissap wird nicht mit künstlichen Aromen gearbeitet. Basis sind echte, ausgetrocknete Bio-Hibiskusblüten, verfeinert mit Bio-Zucker und einer feinen Note von Vanille und Muskatnuss. Letztere verleiht dem Drink eine überraschende, würzige Tiefe, die perfekt mit der natürlichen Säure des Hibiskus harmoniert. Ob eisgekühlt pur als eleganter Sommerdrink oder als raffinierte Basis für Mocktails und Longdrinks, bringt Bissap bringt eine völlig neue Geschmackskomponente in die moderne Genusswelt.
Von der heimischen Küche auf den Weihnachtsmarkt
Hinter der Marke stecken Marya Esita Kapenda, Management-and-Economics-Studentin an der Ruhr-Universität Bochum, und Kocou Ben Aziabou, der angewandte Informatik an der TU Dortmund studiert. Die Gründungsgeschichte von afro drinks by bam (gegründet im Oktober 2023) liest sich wie die klassische Garagen-Story, nur dass sie in einer heimischen Küche begann.
Kocou Ben Aziabou, der aus Westafrika stammt, vermisste in Deutschland schlicht den Geschmack seiner Kindheit. Kurzerhand besorgte er sich das traditionelle Familienrezept seiner Mutter und fing an zu experimentieren. Der erste Härtetest folgte auf einem Kölner Weihnachtsmarkt. Einen ganzen Tag lang stand das Paar in der Küche, um die ersten hundert Flaschen in Handarbeit abzufüllen. Marya Esita Kapenda hatte da bereits das kunstvolle Etikett entworfen, das die Geschichte von der Ernte der Hibiskusblüten bis zur Verarbeitung erzählt. Das Risiko zahlte sich aus. Am ersten Tag waren alle Flaschen restlos ausverkauft. Zeitweise kochten die beiden ihr Bissap sogar in der Mensaküche der Universität Duisburg-Essen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.
Mehr als Genuss: Ein Business mit Social Impact
Was afro drinks by bam in der heutigen Lifestyle-Landschaft besonders auszeichnet, ist die kompromisslose Verknüpfung von Business und sozialer Verantwortung. Das Start-up setzt daher von Beginn an auf ein klares Versprechen. Sobald die Marke eine Marke von 6.000 verkauften Flaschen pro Monat erreicht, fließen 5 Cent pro Flasche in den Bau eines Jugendhauses in Lomé, der Hauptstadt von Togo. Damit soll Kindern und Jugendlichen vor Ort ein sicherer Ort zum Lernen, Spielen und für Gemeinschaft geboten werden.
Authentizität, die man schmeckt
Bissap zeigt eindrucksvoll, wie moderne Food-Trends heute funktionieren. Sie müssen authentisch sein, eine Geschichte erzählen und einen Mehrwert für die Gesellschaft bieten. Für gehobene Gastronomen, Feinkostläden und ernährungsbewusste Genießer ist der rote Hibiskusdrink aus dem Ruhrgebiet jedenfalls schon jetzt eine lohnende Entdeckung.
(SMC)

