26. Mai. 2022

Genuss

Am 10. Februar 2022 eröffnete in Funchal das Konzeptrestaurant „Pau de Lume“. Carlos Gonçalves, verantwortlich für alle fünf Restaurants des Fünf-Sterne-Hotels Savoy Palace, setzt dabei auf entspannte Atmosphäre, eine offene Küche mit Josper-Ofen und auch auf das Sharing-Prinzip. Während man sich in anderen Restaurants für ein Gericht entscheidet und sich die Teller der Begleitpersonen nur anschauen darf, gibt es hier einen Zusatzteller zum Naschen – und den Aufruf das Geschmackserlebnis am eigenen Tisch zu teilen. So kann man bei einem Restaurantbesuch mehr probieren und erleben, dass der Holzkohleofen auch bekannte Gerichte neu interpretiert.

Der Weg zum am Rand des Stadtzentrums gelegenen „Pau de Lume“ führt durch das Savoy Hotel – oder durch einen eigenen Eingang von der Avenida do Infante. Das macht Sinn, denn laut Carlos Gonçalves kommt das Restaurant sowohl bei den Hotelgästen als auch bei Einheimischen sehr gut an. Über der Tür ist das Logo des Restaurants zu sehen – ein zur Hälfte abgebranntes Streichholz. Es erinnert an längst vergangene Zeiten, in denen sich weite Teile der Bevölkerung keine Streichhölzer leisten konnten und bei reicheren Nachbarn am Abend um einen brennenden Span bitten mussten, um das Feuer im eigenen Heim wieder zu entzünden. Dazu passt die Dekoration im Eingangsbereich. Carlos Gonçalves hat historische Küchengeräte und andere Schätze aus der Vergangenheit zusammengetragen und dort dekoriert.

Im Restaurant fällt neben dem portugiesischen Fliesenboden und der hohen Decke das Beleuchtungskonzept ins Auge. Tagsüber sorgen bodentiefe Fenster für Licht und Ausblick. Abends leuchten dezente Deckenlampen und  alle Tische sind dekoriert mit brennenden Kerzen. An jedem der Tische hat man die Wahl zwischen zwei verschiedenen Stühlen, denn ganz bewusst wurden diese gemischt aufgestellt. Doch in erster Linie geht es in einem Restaurant natürlich um die Speisen, die im „Pau de Lume“ in einer offenen Küche zubereitet und vom Küchenchef persönlich angerichtet werden.

Bei den Vorspeisen entscheiden wir uns für verschiedene Thunfisch-Varianten. Dieser wird vor Madeira gefangen und ist auf der Insel in zahlreichen Variationen erhältlich. Als Vorspeise gibt es zum Beispiel „Tacos de Atun“. Der angebratene Thunfisch wird in Salatschiffchen angerichtet und mit Avocado und Süßkartoffel ergänzt. Schon beim Anrichten wächst die Vorfreude, denn im „Pau de Lume“ wird jedes der drei Salatschiffchen liebevoll mit verschiedenen Saucen und Aromen versehen. Eine andere Variante steht als Salat auf der Speisekarte. Zartes Tuna Tataki mit Avocado-, Rettich-, Sesam- und Ingwer-Noten ist ein außergewöhnlich gelungenes Geschmackserlebnis, bei dem auch der Probierteller gut zum Einsatz kommen kann, denn anders als die Salatschiffchen lässt sich der Salat gut mit anderen teilen.

Unsere Hauptgänge kommen aus dem Josper-Ofen. Mit Feuer, Glut und Rauch gibt dieser allen Gerichten eine besondere Note. Vegetarier werden den gebratenen Blumenkohl mit Mandel-Romesco-Paste, garniert mit in der Sonne getrockneten Tomaten und Basilikum, lieben. Exklusiver ist zum Beispiel die Black Tiger Garnele. Zu allen Gerichten rät der Kellner zu Saucen und zur separaten Bestellung von Beilagen wie Reis, Süßkartoffel oder auch Gemüse aus dem Josper-Ofen. Serviert werden die Hauptgerichte in traditionellen Kupfertöpfen. Dazu bekommt man passende Weine – und auf Wunsch andere Getränke aus der vielfältigen Auswahl.

Zum Abschluss stehen natürlich auch Desserts auf der Karte. Einfach gestaltet ist der Früchteteller mit dünn geschnittenen Scheiben von Ananas, Papaya, Mango und anderen bekannten Obstsorten. Die Himbeer Millefeuilles sind schön dekoriert und verbinden das fruchtige Aroma mit dem dazugehörigen Teig. Eine Karte mit tagesaktuellen Gerichten sucht man im „Pau de Lume“ vergeblich – aus gutem Grund. Regelmäßig wird die Karte neu geschrieben und das Repertoire des „Pau de Lume“ an die Zutaten der Saison und den Geschmack der Gäste angepasst. Carlos Gonçalves (*1982) achtet dabei nicht nur auf den Geschmack, sondern auch auf die Nachhaltigkeit. Nach vielen Jahren in anderen Spitzenküchen hat er Madeira seit einigen Jahren ins Herz geschlossen. Wenn er nicht gerade in einem der fünf Restaurants selbst in der Küche steht und sein Team unterstützt, begeistert er sich für Levada-Wanderungen und für die Entdeckung neuer kulinarischer Trends und Köstlichkeiten. Einen Besuch im „Pau de Lume“ sollten sich Madeira-Urlauber nicht entgehen lassen. 

(SMC)