19. Mai. 2022

Genuss

Alfred Tetzlaff, der auf seine Art immer schon politisch argumentiert hat, betritt die Bühne aus dem Publikum heraus ganz aktuell mit Anmerkungen zur Landtagswahl in Niedersachsen und „diesem Herrn Rösler“. Auf der Bühne philosophiert Alfred in der für ihn typischen Weise mit der Familie, oder besser über die Köpfe der Familienangehörigen hinweg, über Gleichberechtigung und die Nachbarin Frau Fechner, die er als bolschewistische Hyäne bezeichnet. Die Zuschauer lassen sich nach den ersten Szenen an festlich gedeckten Tischen bei Kerzenlicht mit einer cremigen, im Weckglas servierten Erbsensuppe verwöhnen. Bei dieser Dinnershow können die Besucher von „Ein Herz und eine Seele“ den Tag der Silberhochzeit des Ehepaares Tetzlaff mitfeiern. Wie nicht anders zu erwarten, hat Alfred diesen Tag völlig vergessen. Seine Ehefrau Else hat an den Tag gedacht, während Tochter Rita und Schwiegersohn Michael einige Überraschungen für das Jubelpaar vorbereitet haben. Dazu gehören ein liebevoll gedeckter Frühstückstisch, eine Perlenbrosche für Else und als Höhepunkt des Tages eine Einladung zum gemeinsamen Abendessen im Nobelrestaurant Royal. Der Tisch ist schon bestellt. Alfred, als Killer der Gemütlichkeit, meint lautstark, dass um den Tag viel zu viel „Gesumse“ gemacht wird und behauptet auch, dass Blumen oder teure Juwelen für Else, die dusselige Kuh, überflüssig seien. Ein gewisses Interesse zeigt er jedoch an der versprochenen „Französischen Küche“ im Restaurant Royal, die er und nur er sofort erkennen kann.


Die Dekoration auf der Bühne wechselt mitsamt den Projektionen an den Saalwänden zu einem eleganteren Ambiente, während den Gästen im Saal der Villa Media zunächst Kaninchen auf Burgunderart an Friseesalat und später köstliches Filet aux poivre avec legumes de saison et pomme de terre aufmerksam serviert wird. Familie Tetzlaff erscheint, vermeintlich elegant gekleidet, wieder auf der Bühne und kämpft sich durch die Tücken der Bestellung in einem Restaurant mit einem Ober, der vornehmer als die Gäste ist. Bestellt man Bier oder Wein und wenn ja welchen? Nimmt man nun Schneckenragout, gebackene Frösche oder lieber so etwas Feines wie Aal in Gelee? Die Tischunterhaltung des ewigen Besserwissers Alfred und seiner Familie lassen das Publikum immer wieder laut auflachen. Der Wein, dem die Familie Tetzlaff reichlich zuspricht, scheint besser als Essig zu sein, wie zunächst von Ekel Alfred vermutetet wurde. Chaos gibt es nicht nur, als es ans Bezahlen geht, aber das hat Alfred von seinem „Sozischwiegersohn“ nicht anders erwartet. Traurig für ihn oder nicht, dass seine Else erklärt: „Das ist das letzte Mal, dass ich mit Dir Silberhochzeit gefeiert habe.“ Die Zuschauer genießen nach dem begeisterten Schlussapplaus für die fünf Schauspieler und zwei Gastschauspieler aus dem Publikum Gürzenicher Cognaccreme auf Erdbeerspiegel als Dessert.


Bei den Schauspielern sind der sowohl optisch als auch stimmlich herausragende Karlheinz Angermeyer als Ekel Alfred und Christoph Bautz als sein Schwiegersohn Michael hervorzuheben. Weitere Informationen zu den Terminen der sehr unterhaltsamen Dinnershow gibt es im Internet. (SMC)