22. Jun. 2024

Genuss

Seminarleiterin Marie-Hélene Miodek fängt bei den Anfängen an, denn im Seminarraum haben sich nicht nur erfahrene Weintrinker eingefunden, die ihr Wissen perfektionieren möchten, sondern auch Neulinge, die sich auf ein für sie bisher unbekanntes Thema einlassen. Doch während den meisten Besuchern die Herstellung von „Goethes Getränk“ klar ist, kann keiner der Gäste die Frage beantworten, wie eigentlich Rohmilchkäse hergestellt wird. Kuh, Ziege oder Schaf liefern die nötige Milch, berichtet die Referentin mit französischem Akzent. Im Anschluss wird die Milch verdickt und dann in Formen gegeben. Nachdem die Molke die Masse verlassen hat, entsteht der sogenannte Bruch. Dieser wird bei natürlicher Käseherstellung sowohl zum weichen Inneren des Käses, dem Teig, und zur Rinde. Doch bis es soweit ist, muss der Käse noch einige Zeit lagern und reifen. Wie lange das dauert hängt auch davon ab, ob Weich- oder Hartkäse hergestellt wird. Allein in Frankreich gibt es rund 1.000 verschiedene Käsesorten, sodass es immer wieder Neues zu entdecken gibt.

Süß? Sauer? Salzig? Bitter? Das sind die Grundgeschmacksarten des Käses, der von vielen Menschen bisher nur in die Kategorien schmeckt und schmeckt nicht unterteilt wurde. Damit ist spätestens nach dem Seminar der Viniversität Schluss. Um Käse professionell zu genießen empfiehlt Marie-Hélene Miodek ein dreistufiges Verfahren. Zunächst betrachtet man den Käse und nimmt so die Sichtprüfung vor. Anschließend riecht man am Käse und nimmt seinen speziellen Geruch war. Der wichtigste und auch bei den Seminarteilnehmern begehrteste Schritt ist jedoch die Geschmacksprüfung, bei der der Käse probiert wird. „Kauen Sie Käse und Wein gemeinsam, dann schmecken Sie das echte Aroma“, ermutigt die Seminarleiterin ihre Teilnehmer und präsentiert jeweils den zum Käse passenden Wein. Denn in Kombination mit dem Wein schmeckt der Käse ganz anders.

Vom milden Chaource über den Saint Maure und Camembert de Normandie bis hin zum strengen Epoisse und Roquefort lernen die Gäste Käse aus den verschiedenen französischen Regionen kennen. Dabei berichtet die Referentin über die Herstellung der einzelnen Käse, die Besonderheiten der Region und auch den passenden Wein. Gemeinsam wird geschnuppert, probiert und auch diskutiert. Doch ein bisschen Ordnung muss sein. Als einer der Teilnehmer gleich mit der Geschmacksprüfung beginnen möchte, lacht ihn die Referentin an: „Das ist kein Genuss, das ist Seminar“. Damit trotzdem genug Zeit für den Genuss und das Zuhören bleibt bekommen die Gäste eine informative Informationsmappe mit Informationen über Weichkäse, Schnittkäse, Hartkäse und all die anderen Köstlichkeiten mit auf den Weg. Enthalten sind auch Hinweise auf was man bei der Auswahl des passenden Weins zum Käse achten sollte. So passen säurebetonte Weißweine zu salzigen Käsesorten und frische Rotweine zu Weichkäse.

Nach gut drei Stunden verabschiedet sich Marie-Hélene Miodek von den in Wein und Käse schwelgenden Gästen mit zwei Geheimtipps. In jeder Flasche reift der Wein etwas anders, deshalb darf man nie aus einer anderen Flasche nachgießen. Außerdem verrät sie, dass man das Alter des Rotweins an der Farbe erkennt. Je älter ein Rotwein ist, umso heller wird er. Angeboten wird das Seminar in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart zum Preis von 95 Euro. (SMC)