19. Mai. 2022

Genuss

Der Abend beginnt mit einer Überraschung. Putzfrau Kowalski fegt durch den Saal, frotzelt „Arbeiten Sie nie in einem Theater“ und begeistert Freiwillige, eine kleine Rolle beim Krimidinner zu übernehmen. Schnell haben sich ein Arzt, ein Zeitungsmädchen, eine Hilfspolizistin und andere Nebenrollen gefunden. Die Freiwilligen werden mit entsprechenden Accessoires ausgestattet und auf ihren Einsatz vorbereitet. Kurz darauf geht es der Putzfrau an den Kragen. Sie wird „ausgesaugt“ gefunden. Der „Arzt“ aus dem Publikum kann gerade noch den Tod der Putzfrau feststellen, doch schon erhebt sich diese und wankt als Vampir aus dem Raum…


Eine Ansage mit düsterer Stimme nimmt die Zuschauer mit in das London des Jahres 1897. Auf der Bühne erscheint Renfield, der Diener des Grafen Dracula. Ein wilder Ritt durch Blut und Grauen beginnt. Dabei lernen die Gäste das Maklerbüro Holmwood kennen. Das hat einen vielversprechenden Kunden an der Angel. Der ungarische Graf Draculea will ein Haus in London kaufen und soll deshalb in Transsylvanien abgeholt werden. Der undankbare Auftrag geht an den jungen Makler Jonathan Harker. Der sträubt sich erst, da er sich um seine Verlobte Mina sorgt. Doch die ist schnell überzeugt, als sie hört, wie viel Geld Jonathan verdienen könnte. Während die Reise beginnt, genießen die Gäste „Grässlichkeiten aus der Küche“. Serviert wird in kleinen Gläsern mit Deckel eine köstliche Paprikasuppe mit Soja und Dim Sum. Die sei noch warm wie frisches Blut, erfahren die Gäste und freuen sich über die Kochkünste der Villa Media. Mit Blick auf den winterlichen Park vor dem Haus und im Schein der flackernden Kerzen macht das Dracula-Dinner besonders viel Spaß.


Dunkelheit. Nebel. Wölfe heulen. Als die Gäste Jonathan Harker wieder sehen, ist dieser mit seinem Reisebegleiter im tiefsten Transsylvanien unterwegs. Gerade treffen die beiden die örtliche Zigeunerin, die Harkers Begleiter gerne bei sich behalten möchte. Doch der Makler möchte seinen Gefährten nicht zurücklassen und kann die Frau mit einem Kuss besänftigen. Als sie erfährt, welches Ziel die beiden Männer haben, ist sie entsetzt. Wenig später steht Jonathan Harker seinem Kunden gegenüber. Dracula, in schwarz-violett gekleidet und mit kahlem Kopf, lädt ein in sein Schloss. Dabei schwankt er zwischen fordernder Sanftheit und kalten Befehlen. „Ich dürste nach Leben“, teilt der Schlossherr mit, dem die Einsamkeit zu schaffen macht. Um diese zu vergessen, wünscht er sich, in London eine Braut zu finden. Gemeinsam werfen die Zuschauer mit Jonathan Harker einen Blick auf die lebende Ahnengalerie des Hauses und machen Bekanntschaft mit dem gefährlichen Schwert des Grafen. Auch Jonathan steht eine Schrecksekunde bevor. Ein Bild von Elisabetha, der länger verblichenen großen Liebe des Grafen, erinnert ihn an seine eigene Verlobte. Im Kopf des jungen Maklers entstehen Albträume, in denen Mina ihn beißt und zu einem Vampir macht.


Doch im echten Leben geht alles einen geordneten Gang. Gemeinsam macht man sich auf den Weg nach London. Dass Graf Dracula im Gepäck einen Koffer mit Blutkonserven hat, bemerkt Harker dabei nicht. Während er selbst mit dem Grafen per Schiff in London ankommt, haben viele andere Passagiere die Reise nicht überlebt. Bei einem „Ruccolasalat aus dem Gruftgarten“ auf Pollo Tonnato kommt man an den Tischen ins Gespräch über die seltsame Ähnlichkeit zwischen den beiden Frauen. Ebenfalls in London wirkt Sadie van Helsing. Die Polizistin, deren Vater einst einem Vampir zum Opfer fiel, geht in London auf Vampirjagd. Ausgestattet mit einem Kreuz sprengt sie im Royals Club eine Teerunde mit Gedichten. Auch ihre Assistentin wird mit Knoblauch getestet, um sicher zu sein, dass sie kein Vampir ist. Schnell wird klar, dass mit Sadie van Helsing und Dracula zwei starke Charaktere aufeinander prallen. „Ich kann bissig werden“, ist die Botschaft dieser Konfrontation, die im Nachtclub „Rote Höhle“ weitergeht. In der behaglichen Wärme des Wintergartens genießen die Gäste eine „ausgesaugte Maispoularde“ mit Wildreis und Brokkoli. Auch wenn das Fleisch an den Knochen noch ein klein wenig rosa ist, schmeckt der Hauptgang mit seiner aparten Pfeffersauce vorzüglich.


In der roten Höhle begrüßt Domina Frost ihre Gäste. Da ihre anderen Tänzerinnen ausgesaugt wurden, rekrutiert sie aus dem Publikum zwei tanzfreudige Gäste und lässt diese zur Gaudi des Publikums tanzen. Dann tritt der Star der frivolen Tanzshow auf. Jonathan Harker, der mit seinem Kunden Dracula vor Ort ist, traut seinen Augen nicht. Die Tänzerin entpuppt sich als Mina. Auch Dracula traut seinen Augen nicht. Er sieht Elisabetha in der jungen Frau und beginnt diese zu verfolgen. Nun ist das Publikum gefragt. Soll Jonathan seiner Verlobten ein letztes Mal verzeihen? Oder ergeht es ihr gleich wie der Domina, die vor den Augen des Publikums ausgesaugt wird? Während die Gäste Bayrische Creme auf roter Grütze genießen, kommt es zum Showdown. „Bald schlägt die Turmuhr Mitternacht“, heißt es und deshalb steht Draculas Hochzeit an. Doch eine Vampirehe muss mit Blut besiegelt werden. Jonathan, Sadie und den anderen steht ein spannendes Finale bevor…


Beim Gruseldinner sind die Gäste eingebunden in ein spannendes Schauspiel. Der Wintergarten der Villa Media verwandelt sich in Draculas Schloss, den Royals Club, die berüchtigte "Rote Höhle" und schließlich in Draculas Unterschlupf. Andreas Konzack als charismatischer Graf Dracula und Marius Schneider als Jonathan Harker überzeugen besonders. Auch Matthias Marschang in einer Doppelrolle als Diener Renfield und Mr. Holmwood begeistert die Gäste. Birte Sieling übernimmt sogar drei Rollen. Sie ist nicht nur Putzfrau und Polizistin, sondern auch Domina Frost. Ebenfalls einen starken Auftritt hat Susanne Anders als Mina. Wer das Ensemble von Gruseldinner in der Villa Media sehen möchte, kann sich eine Karte für „Jack the Ripper“ am 19. Januar 2014 sichern. Karten gibt es telefonisch (0202/2427-450) und per Internet zum Preis von 69 Euro. (SMC)