25. M&a. 2019

Gastronomie

Nachdem man die Tour über die Internetseite des Anbieters „Eat the World“ gebucht hat, führt eine informative E-Mail zum Treffpunkt. Dort erwartet Hohmann, langjährige Bewohnerin der Schanze und inzwischen ins Umland gezogen, ihre Gäste und beginnt gleich zu erzählen. Sie spricht von den 105 Hamburger Stadtteilen, erzählt wie die Schanze in den letzten Jahren „hip und stylisch“ geworden ist und wie aus dem Arbeiterviertel an der früheren Grenze zwischen Dänemark und Hamburg heute ein kreatives Szeneviertel geworden ist. Denn wo einer sternförmige Wehranlagen den Vormarsch der dänischen Truppen stoppten, genießen Bewohner und Gäste heute das südländische Flair von Straßencafés und Bars. Kreativagenturen, Anwälte und teure Designgeschäfte haben die Schanze in Beschlag genommen. Die Tour beginnt am Schulterblatt, einer Reminiszenz an die früher von hier ins Nordmeer aufgebrochenen Walfänger.


Vorbei geht es an der „roten Flora“, einem verfallenen und geschichtsträchtigen Konzerthaus und Kino, in dem zu seinen besten Zeiten auch große Boxkämpfe ausgetragen wurden. Fast wäre der traditionelle Ort der Volksbelustigung, mit dem sich die Schanze gegen das Vergnügungsviertel St. Pauli stemmen wollte, Heimat für das Musical Cats geworden. Doch der massive und teils gewalttätige Widerstand der Schanzianer verhinderte dies. Heute ist das Gebäude in Teilen verfallen, mit Graffitis besprüht und eines der letzten Relikte der autonomen Geschichte der Schanze. Aus dem einstigen Arbeiterviertel ist heute ein Ausgehviertel geworden. Mit den in 20 Jahren von 4 Mark auf 24 Euro pro Quadratmeter explodierten Mieten hat sich das Viertel deutlich gewandelt. Alte Bunker sind heute Leinwand für kreative Sprayer und selbst ein Kletterverein hat seine Heimat am „Kilimandschanzo“ gefunden. Nur wenige hundert Meter entfernt bietet das „Kulturhaus 3“ Raum für kreative Veranstaltungen und Angebote.

Während der Tour erfahren die Gäste Geheimtipps wie die günstigen Übernachtungsmöglichkeiten im Hotel Schanzenstern in einer ehemaligen „Mont Blanc“-Fabrik. Dass man in hauseigenen Bio-Restaurant köstlich essen kann, probieren die Gäste gleich selbst. Bei strahlendem Sonnenschein sitzt man im Innenhof, hört Töpfe klappern und genießt die Düfte aus der Küche. Serviert wird dann eine kleine Köstlichkeit wie vegetarische Frühlingsrolle mit Tofu – und schnell ist man sich einig, es schmeckt zum Verlieben. Kurz darauf geht die Tour weiter. Von außen sehen die Gäste ein ehemaliges Einküchenhaus. 1920 entstand das Gebäude, um die Vorteile von Wohnungen und Hotels zu verbinden. Um Männern und Frauen die volle Erwerbstätigkeit zu ermöglichen Kochen, Waschen und Kinderbetreuung im Einküchenhaus an Servicepersonal ausgelagert. Bis in die 50er-Jahre hielt sich das Geschäftsmodell. Weitere Zwischenstopps führen in einen portugiesischen Imbiss, in dem gegrilltes Brot mit Käse und Schinken angeboten wird, und nach einem Blick auf die Blumentopfgärten in der Augustenpassage in eine echte St. Pauli-Kneipe.

In der Brasserie Raval begeistert die Wirtin nicht nur die St.Paulianer nach den Spielen im nahe gelegenen Stadion mit echte Hamburger Küche. Hier steht nicht das Ambiente, sondern das Kulinarische im Mittelpunkt. Bei Pannfisch mit Senfsauce können sich die Gäste davon überzeugen. Nach kurzer Verschnaufpause geht die Tour weiter zum Neuen Pferdemarkt. Dort begann Hagenbeck mit Völkerschauen, bei denen er Menschen aus anderen Ländern in Käfigen zeigte, seine Karriere als Zoodirektor. Als die Kritik an der Ausstellung von Menschen zunahm, brachte Hagenbeck den ersten Elefanten nach Hamburg und kaufte schon bald die ersten 100 Quadratmeter für seinen bis heute weltbekannten Tierpark. Currywurst beim nach Meinung der Hamburger besten Grill auf dem Kiez, ein Salat in einem kleinen Imbiss, türkische Linsensuppe und schließlich köstliche Pralinen aus der seit dem Krieg in Familienbesitz befindlichen Bäckerei Rönnfeld runden den kulinarischen Rundgang ab. Zum Preis von 30 Euro bekommt man drei Stunden beste Unterhaltung, leckere Köstlichkeiten, die ein Mittagessen ersetzen, und eine Fülle neuer Ideen und Anlaufstellen für den nächsten Besuch in Hamburg. Buchen kann man die kulinarisch-kulturelle Schanzen-Tour telefonisch (030/53066165) und per Internet. (SMC)