22. Feb. 2019

Gastronomie

Die Tour beginnt am späten Vormittag mitten in Ottensen. Gegenüber einer kleinen Metzgerei treffen sich rund 20 Gäste. Manche haben die Tour als Geschenk bekommen, andere gönnen sich selbst eine ganz neue Sicht auf ihre Stadt. Wieder andere sind von weit her angereist und sind gespannt den Stadtteil Ottensen kennen zu lernen. Die Tour beginnt pünktlich auf die Minute in einer traditionellen Fleischerei. Dort erfahren die Gäste nicht nur, dass die in der sechsten Generation von der Familie geführte Fleischerei mit individueller Beratung und dem Blick für Qualität dafür sorgt, dass nur das Beste auf den Tisch kommt, sondern auch wie und warum Rindfleisch wochenlang reifen sollte, um besonders zart zu werden. Eine erste kulinarische Kostprobe als Kartoffelsalat oder Suppe mit Würstchen stillt den Appetit und gibt Kraft für den Rundgang durch die Stadt.


Nächste Station ist ein traditionelles Fischgeschäft. Der 72jährige Inhaber ist Tag für Tag ab 3 Uhr in der Frühe auf dem Fischmarkt um die besten Fische für seine Kunden zu kaufen und bietet diese anschließend in seinem Geschäft an. Einer der letzten kleinen Fischläden Hamburgs mit seinem rüstigen Besitzer weckt nicht nur die Lust am Fisch sondern bietet auch eine Kaufmanns-Romantik, die in Zeiten großer Supermärkte längst vergessen war. Zwischen den Stationen erzählen die Guides interessante und amüsante Geschichten aus Ottensen. Dabei erfährt man nicht nur, dass ein heutiger Marktplatz früher Löschteich war, sondern entdeckt immer wieder kleine an Häusern und in Gassen verborgene Kunstwerke. Die sind so vielfältig wie die für die Tour ausgewählten Geschäfte. Nur wenige Treppenstufen trennen Hamburg von der Schweiz, die mit einem kleinen Souterrain-Lokal präsent ist. 50 Sorten Schweizer Käse sind dort genauso im Angebot wie Schokoladen, Weine und Designobjekte. Probieren sollte man nicht nur eine der vielen Käsespezialitäten sondern auch das hausgemachte Toblerone-Mousse und die nach Kundenwunsch individuell gemixten Käsefondue-Mischungen.


Auch Fotografen kommen beim Rundgang auf ihre Kosten und entdecken liebevoll restaurierte Geschäfte, alte Kacheln an den Wänden und stilvolles Ambiente, das sich in kleinen Geschäften und Restaurants verbirgt. Eine echte Hamburger Spezialität gibt es an der nächsten Station. Dort erwartet die Gäste ein saftiges Franzbrötchen. Das handgemachte, süße Gebäck erhält eine alte Tradition aufrecht und ist mit Zimt versetzt und mit Butter überzogen. In den TIDE-Hallen, in denen schon die Schiffsschraube und der Weihnachtsbaum-Stände erfunden wurde, gehen die Gäste über alte Schienen und entdecken, dass es Industriekultur auch außerhalb des Ruhrgebiets gibt. Einzug gehalten haben hier nicht nur Juweliere und Künstler sondern auch ein Kino und Veranstaltungsräume. Ganz in der Nähe verbindet ein kleiner Laden den Verkauf von Treibholz mit dem von Feinkost. Während die Kunstwerke aus Wasser, Wind, Sonne, Sand und Steinen die Kreativität anregen schmeckt nicht nur das Brot mit Pesto, das man auf einer kleinen Bank vor dem Laden genießen kann, hervorragend.


Vorbei am alternativen Stadtteilzentrum Motte führt der Rundgang in Altonaer Museum. Im historischen Museum sind nicht nur zahlreiche Schiffsmodelle zu sehen sondern auch eine Vierländer Kate. Nach in Originalgröße im Museum wieder aufgebaute Bauernhaus beinhaltet heute ein kleines Restaurant in dem die Gäste von „Eat the World“ den für Hamburg typischen Labskaus genießen. Letzte Station des kurzweiligen, informativen und köstlichen Rundgangs ist ein kleines Café oberhalb der Elbe. Mit Blick auf den Hafen können die Gäste dort nicht nur Bio-Kaffee trinken sondern auch den hausgemachten Kuchen genießen. Fast schon nebenbei plaudern die Guides aus dem Nähkästchen, geben selbst langjährigen Hamburgern Tipps zu den besten Restaurants und Anregungen wo man die beste Qualität und die interessantesten Spezialitäten kauft. Viele führt der Weg danach zurück nach Ottensen um ihr neues Wissen gleich in Einkäufe umzusetzen oder einen Tisch zu reservieren in einem der Restaurants. Der wird aber meist für einen anderen Tag gebucht, denn mit sieben Spezialitäten in drei Stunden sind zwar nicht der Wissensdurst und die Neugier gesättigt dafür aber der Appetit. Ausgestattet mit tollen Ideen für kulinarische Köstlichkeiten und einem ganz neuen Blick auf Hamburg-Ottensen endet die Tour für viele mit dem festen Vorsatz wieder dabei zu sein wenn „Eat the world“ zum kulinarisch-kulturellen Rundgang einlädt.


Kulinarische Touren gibt es nicht nur durch Hamburg-Ottensen, sondern auch im Schanzen-Viertel sowie in Berlin und München. Dort werden die Viertel Kreuzberg und Friedrichshain bzw. Haidhausen erkundet. Die rund dreistündigen Touren finden das ganze Jahr über statt und kosten inkl. aller Kostproben und einem Guide durch das jeweilige Viertel pro Person 30 Euro. Kinder können zum halben Preis dabei sein. Wer möchte kann die kulinarisch-kulturellen Touren in Gruppen auch zu Sonderterminen buchen oder für die offenen Führungen Geschenkgutscheine kaufen. Angebote für weitere europäische Städte sind derzeit in Planung. (SMC)