19. Mai. 2022

Genuss

Die Geschichte ist schnell erzählt: Zum alljährlichen Hexen- und Zaubererball steht eine wichtige Prüfung an. Bei dieser geht es darum, einen Mord aufzuklären. Oberhexe Asmodina blickt in ihre Zauberkugel und stellt den Gästen die Protagonisten des Abends vor. Während die Kerzen auf den Tischen flackern und das grüne Licht der Scheinwerfer den Raum in eine ungewöhnliche Atmosphäre taucht, werden kurze Videos eingespielt. Vorgestellt werden die Jung-Hexe Winifred, die durchtriebene Schönheit Lavinia, der Zauberlehrling Arnold, Hexenlehrerin Shaina, der mächtige Magier Elphegor und die Hexe Tula. Liebe, unerwiderte Liebe und Affären brodeln zwischen diesen, sodass schnell klar wird, dass nicht alle zugleich glücklich sein können. Nach der Vorstellung der Charaktere wird dem Publikum der erste Gang des Menüs serviert. Das „Schaumsüppchen von Waldpilzen aus dem Hexenwald“ entpuppt sich als köstliche, gut gepfefferte Pilzsuppe, zu der das auf dem Tisch stehende Weißbrot sehr gut schmeckt. Nachdem die Gläser mit Deckel, in denen die Suppe serviert wurde, wieder abgeräumt sind, blickt Oberhexe Asmodina in ihre Zauberkugel und nimmt die Gäste mit auf eine Reise in die Vergangenheit.


Die Gäste sind live dabei als die Zimmer im Zauberinternat verteilt werden. Nicht nur in der Mimik der Darstellerinnen zeigt sich, dass hier die Grundlage für Hass gelegt wurde. Man ist dabei, wenn zwei sehr unterschiedliche Frauen parallel einen Brief an ihre Eltern schreiben und für die jeweils andere nur Verachtung empfinden. Die kommt auch heraus, als die beiden mit beeindruckenden Stimmen zu singen beginnen. „Jeder Blick auf dich tut weh“, ist die Botschaft der so wohlklingenden Stimmen. Die Gäste sind begeistert, denn so nah kommt man grandiosen Musicalstimmen bei den großen Produktionen nur selten. Auch bei Elfigor kochen die Emotionen. Er will seine Affäre beenden und setzt dazu an mit einem stimmgewaltigen Solo. Seine junge Geliebte sieht weniger die Emotionen als die „Partnerschaft mit Karrierepotential“ und realisiert zugleich „Nichts kann so perfekt sein, dass es ewig hält“. Auch die Zuschauer werden eingebunden. Bei regelmäßigen Hexenprüfungen kommen Freiwillige zum Einsatz.


Dass bei soviel Hass nicht jede Rolle mit dem Leben davon kommt, dürfte klar sein. Noch vor dem zweiten Gang liegt eine Person tot zwischen den Reihen der Zuschauer. Die genießen in der Zwischenzeit „rabenschwarze Spaghettini in Sahnesauce“. Die Nudeln sind mit Krabben und Tomatenstückchen köstlich zubereitet. Doch gleich nach der Mahlzeit folgt ein leichter Schrecken. Mit düsterem Blick steht der Geist der ermordeten Person im Raum und fordert, den Mörder zu ermitteln. „Jeder mit Zauberstab ist verdächtig“, weissagt der Geist. Die Achterbahn der Gefühle zwischen den verbliebenen Charakteren geht weiter. Im Laufe der Handlung ergeben sich immer wieder stimmige Gelegenheiten für musikalische Einlagen. Lavinia singt „I feel pretty“. Elfigor besingt im Stil von Meat Loaf die unendliche Gier. Fröhlicher geht es bei „You are the one, that I love“ zu. Hier klatscht das Publikum spontan mit. Bei der zweiten Hexenprüfung sind Zuschauer eingeladen Spielkarten anzuzünden. Wer dabei nicht erfolgreich ist, endet sanft gefesselt an der Wand des Hexenhauses. Doch noch ist der Mörder nicht gefunden, denn alle Rollen verstricken sich immer weiter in Widersprüche.


Der Hauptgang „Magisches Schweinefilet mit zerstampften Kartoffelknollen“ gelingt der Küche der VillaMedia hervorragend. Vor der Lösung des Falles kommt dann auch noch Übersinnliches zum Einsatz. Und auch für das Publikum gibt es noch etwas zu lachen. Zwei Freiwillige finden sich mit Handschellen sanft aneinander gefesselt auf der Bühne wieder. Zum Dessert (Schokoladenkuchen auf Himbeerspiegel) besteht dann letztmalig Gelegenheit, den Mordfall auszuklären. Dazu kann jeder Besucher seinen persönlichen Favoriten notieren und sich damit an der Verlosung einer Flasche Sekt beteiligen. Vor dem musikalischen Ausklang des Abends mit „Time to say goodbye“ wird natürlich aufgeklärt, wer die grausame Tat begangen hat. Kathy Krause in einer Doppelrolle als Tula und Lavinia überzeugt genau wie Dale Tracy, der gleichermaßen Elphegor und Arnold verkörpert. Auch Sünke Griebel als Winifred begeistert mit ihrer Stimme. Katrin Kolbe führt als Oberhexe und Erzählerin durch die Geschichte. Die nächste Aufführung des Hexendinners in der VillaMedia ist am 6. April 2014 geplant. Karten zum Preis von 69 Euro gibt es im Internet. (SMC)