14. Okt. 2026

Genuss

Es beherbergt das Zillers Boutique Hotel sowie die zugehörige „The Zillers Rooftop Gastronomy“, die vom Guide Michelin mit einem Stern geadelt wurde. Wer hier Platz nimmt, hat die Wahl zwischen den beiden Menüs „Synecdoche“ und „Synthesis“, die griechische Wurzeln mit internationalen Einflüssen verbinden. Und das Ganze unter dem offenen Himmel einer wunderschönen Dachterrasse.

Vom Trubel zur historischen Ruhe

Der Weg nach oben führt durch das quirlige, lebhafte Stadtzentrum. Doch kaum schwingt die Tür des langgezogenen Eingangsbereichs hinter einem zu, lässt man den Verkehr und die Hektik der griechischen Metropole hinter sich. Man taucht ein in eine unerwartete, historische Ruhe. Nach einem kurzen Zwischenstopp am Empfang und einem kurzen Anruf auf dem Dach geht es mit dem Aufzug nach oben. Hand aufs Herz: Der ein wenig in die Jahre gekommene Lift passt zwar optisch nicht mehr ganz zum ansonsten stilvollen Ambiente des Hauses, doch dieser kleine Makel ist sofort vergessen, sobald sich die Türen öffnen.

Das aufmerksame Personal empfängt die Gäste herzlich und geleitet sie an ihren Tisch. Vorbei geht es an der offenen Küche, in der man den Köchen bei der Arbeit über die Schulter schauen könnte, bevor der Blick endgültig frei wird auf die flaggengeschmückten Glockentürme der Kathedrale und natürlich auf die Akropolis. Da die Terrasse nach oben offen ist, gibt es hier keine Klimaanlage. Dafür punktet das Restaurant mit einer in der Sterne-Gastronomie seltenen Lässigkeit. Ganz egal ob schick oder in lässigen Shorts; hier ist jeder willkommen, und die Serviette legt man sich ohnehin ganz unprätentiös selbst auf die Knie.


Das Menü „Synthesis“: Kulinarische Poesie

Der Abend beginnt mit einer charmanten Flexibilität: Noch vor dem ersten Gang informiert die Kellnerin über eine kleine, aber feine Planänderung. Statt des gedämpften Seeteufels wird heute eine frische Dorade mit Osetra-Kaviar und Gemüse aus dem hauseigenen Garten serviert – kunstvoll mit Blüten dekoriert.

Es folgt ein optisches Highlight nach dem anderen. Besonders eindrucksvoll: Symi-Garnelen, die auf einer echten Koralle angerichtet werden. Kurz darauf machen Seeigel-Bottarga, fein abgestimmte Muscheln, Wildpilze und frische Trüffel den Tisch zu einem Schauplatz moderner Haute Cuisine. Als erdig-würziger Kontrast dient gereifter Arseniko-Käse von der Insel Naxos. Wer mag, begleitet das Menü nicht mit Wein, sondern greift zur alkoholfreien Alternative – etwa einer kreativen Variante, die der Sommelier treffend mit klarem Grünapfel-Aroma umschreibt.

Zwischen Highspeed-Service und entspannten Klängen

Das junge, in dunklen Farben elegant gekleidete Team hat alle Hände voll zu tun, um den mit fortschreitender Stunde dichter werdenden Strom an Gästen zu koordinieren. Die Abläufe sitzen: Stühle werden herangerückt, jeder Gang wird detailliert und mit spürbarer Begeisterung erklärt. Zu Beginn des Abends Schlag auf Schlag – fast ein wenig zu schnell, denn in einer solchen Traum-Location möchte man neben dem Essen vor allem eines: durchatmen, plaudern und den Blick schweifen lassen.

Später am Abend findet der Service dann zu einer wunderbaren Gelassenheit. Man kann selbst entscheiden, ob das nächste Highlight oder das Dessert unmittelbar folgen soll oder ob man sich lieber eine Atempause gönnt. Diese entspannte Note hätte man sich im rhythmisch straffen ersten Drittel des Abends gewünscht. Untermalt wird das Ganze von unaufdringlicher Musik – oftmals tiefen, warmen Gesängen und sanften Gitarrenklängen, die perfekt zum urbanen Abend passen.

Die Hauptgerichte: Eine Liebesbezeichnung an die Aromen

Nach dem kreativen Fingerfood schlagen die Hauptgerichte ein neues Kapitel auf. Den Auftakt macht Kabeljau, raffiniert interpretiert als zartes Carpaccio und knusprige Krokette. Danach reicht man einen großen Laib hausgemachtes Sauerteigbrot mit butterweicher Textur und feinstem Olivenöl – begleitet von einem passenden, fast alkoholfreien Rosé.

Auch die roten Garnelen mit Tomate, Bergamotte und Kumquat treffen voll ins Schwarze. Viele Gerichte tragen poetische Namen, die neugierig machen. „Eine Geschichte zweier Städte: Konstantinopel – Athen“ entpuppt sich als meisterhaft zubereitete Jakobsmuschel mit Karotten, Artischocken und knackigen grünen Erbsen. Fischliebhaber kommen voll auf ihre Kosten, bevor ein überraschender „Stifado“-Hotdog vom Hähnchen mit feiner Gänselebercreme und einem alkoholfreien Pinot Noir neue Akzente setzt. Den fleischlichen Höhepunkt markiert zartes Lamm mit Kartoffeln und Artischocken, ehe der Abend mit einem erfrischenden Sorbet, einer Liaison aus Aprikose und weißer Schokolade sowie feinen Petit Fours und Pralinen einen süßen Ausklang findet.

Die „The Zillers Rooftop Gastronomy“ ist weit mehr als nur ein Restaurant mit Postkartenblick. Sie ist ein Ort für Genießer, die exzellente Küche unter freiem Himmel schätzen, ohne dabei in steife Konventionen verfallen zu wollen. Die Mischung aus kreativen, abwechslungsreichen Gerichten, nahbarem Personal und der unkomplizierten, fast familiären Atmosphäre macht das „Zillers“ zu einer echten Empfehlung in Athens Gastroszene. Ob für den Blick aus dem Augenwinkel in die offene Küche oder für einen rundum gelungenen, romantischen Abend zu zweit mit Blick auf die beleuchtete Akropolis: Der Weg nach oben lohnt sich.

(SMC)