29. Jan. 2022

Genuss

Wer zum Mafia-Dinner kommt, tauscht seine Jacke gegen ein Begrüßungsgetränk. Dann geht es in den Saal, wo auf jeden Gast ein kleiner Stapel Spielgeld wartet. Im Courtyard Düsseldorf Seestern stehen im Saal drei lange Tafeln. Goldbarren liegen zur Dekoration zwischen den in ihren Leuchtern brennenden Kerzen. Vorne im Raum sind eine Bingowand zu sehen und ein noch abgedecktes Glücksrad zu erahnen. Wer den Blick über die Tische schweifen lässt, entdeckt an verschiedenen Stellen Wimpel. Brotkörbchen für den ersten Hunger fehlen, doch das ist kein Problem, denn noch bevor es losgeht, wird die Vorspeise serviert. Diese besteht aus Grönland-Shrimps mit Gurken-Carpaccio und Cocktailsauce. Dazu gibt es etwas Brot. Während die meisten Gäste noch bei der Vorspeise sind beginnt das eigentliche Programm. Die Darsteller kommen in den Raum und beginnen mit dem ersten Lied. Die Stimmung ist gut und die ersten Gäste beginnen mitzuklatschen. Andere widmen sich in der Zeit lieber der Vorspeise. Einen besonderen Gag hat die Regie sich in Form eines lebendigen, einarmigen Banditen ausgedacht. Dazu laufen drei der Darstellerinnen durch den Raum. Drückt ein Gast einer den Arm herunter, beginnen alle drei ein Geräusch zu machen, greifen schließlich synchron in ihre Bauchtaschen und ziehen ein Stück Obst hervor. Haben alle drei dasselbe Obst gegriffen, regnet es Spielgeld auf den Gewinner. Dann beginnt die eigentliche Handlung.


Donna Lina, die Gattin des Gastgebers, begrüßt zum Gesangswettbewerb. Dieser soll als Tarnung für das illegale Glücksspiel dienen und gibt drei Sängerinnen die Chance, ihre schönsten Lieder zu präsentieren. Nachdem Martha, Peggy und Frenchy sich kurz vorgestellt haben, hat der Don seinen ersten Auftritt. Mit strahlendem Lächeln und im Smoking verteilt er Handküsse. Doch auch wer „O sole Mio“ singt muss kein netter Kerl sein. Während seine Begleiterinnen mit Fächern aus roten und schwarzen Federn wedeln besingt der Don das Casinospiel. Wie bei den meisten anderen Songs wird dabei eine bekannte Musicalmelodie genutzt und dazu ein völlig anderer Text gesungen. Dann geht es an die erste Bingo-Runde. Nachdem ein aus dem Kreis der Gäste als Mitspieler ausgewählter „Anwalt“ sich vom ordnungsgemäßen Zustand der Bingomaschine überzeugt hat, werden die ersten acht Zahlen gezogen. Die können die Gäste mit den vorher verteilten Bingokarten vergleichen und so auf einen großen Gewinn hoffen. Laut Gastgeber Don Vittorio Speranza stehen dafür eine Million Dollar bereit.


Doch kaum ist das unterhaltsame Spiel so richtig in Fahrt gekommen, erreicht den Don eine schlechte Nachricht. Die Mafiaorganisation seines Widersachers Rossi steht kurz vor dem Sprung nach Chicago. Nebenbei stellt sich noch heraus, dass Luca, einer der Mitarbeiter des Dons, bei Rossi eine Million Dollar Schulden gemacht und bereits seinen kleinen Finger verloren hat. Obwohl der Don für diese Summe einen Schuldschein unterschrieben hat, will er nicht bezahlen. „Nur echte Spielschulden sind Ehrenschulden“, findet der Don. Donna Lina hingegen ist besorgt. Auf die Melodie von „The winner takes it all“ von ABBA singt sie „Oh, ich habe Angst. Vito wird bedroht…“. Noch vor der Suppe hat Frenchy ihren großen Auftritt. Sie lädt das Publikum ein bei ihrem musikalischen „Time Warp“ mitzumachen. Anschließend wird eine Mais-Chili-Suppe mit Mango-Sahnehäubchen serviert. Während zahlreiche Gäste diese noch löffeln, beginnt bereits die nächste Runde Bingo. Neben den Darstellern ziehen diesmal auch Glücksfeen und –elfen aus dem Publikum die Zahlen. Wer neben der Suppe schnell genug ist, kann auf seinem Spielschein weitere Zahlen markieren und so dem Preisgeld näher kommen.


Dann fallen Schüsse. Verursacher ist nicht der Rivale aus New York, sondern Jonathan Brewster, der Bruder des Don, dem es an der Tür zu lange gedauert hat. Der Auftragskiller ist beim Spielabend zu Gast und steuert ein Lied über seine Mordmethoden bei. Die Narben im Gesicht erklärt er mit einer kleinen Verwechslung. Auf der Flucht vor dem FBI zwang er jemanden zur Gesichtsoperation. Doch da er sich in der Tür geirrt hatte, stattete er diesen Besuch nicht dem Schönheitschirurgen, sondern dem Hundefriseur ab. Nach einem gemeinsamen Song mit dem Don singt Jonathan Brewster ein Duett mit Martha, seiner Ex. „Alles was Du kannst, das kann ich viel besser“ aus dem Musical „Annie, get your gun“ passt sehr gut in diese konfliktträchtige Beziehung. Wenig später serviert das an diesem Abend etwas rustikale Servicepersonal auch den Hauptgang. Der besteht aus in Rotwein geschmortem Rinderbraten mit Pesto Gnocchi und einer großen Portion glasiertem Wurzelgemüse. Während des Ganges wird wieder eine Runde Bingo gespielt. Dann geht es auch musikalisch weiter. Zudem erfährt Jonathan Brewster, wen er in Chicago umbringen soll. Die Gäste sind in der Zeit zu einem neuen Spiel eingeladen. Jeder wirft 100 Dollar Spielgeld in einen Hut. Dann wird das Glücksrad gedreht und so wie beim Roulette die Gewinnzahl ermittelt. Wer diese vorher auf seiner Spielkarte notiert hat, wird mit dem gesammelten Spielgeld prämiert. Zum Ende des Abends wird es noch einmal besonders spannend. Polizisten stürmen das illegale Casino… Gut, dass auf die Gäste an diesem Abend noch ein Nougatmousse mit Schattenmorellen wartet. Danach wird der musikalische Wettbewerb der bezaubernden Show-Girls entschieden und am Ende des unterhaltsamen Abends heißt es: “There is no business like showbusiness”. Gezeigt wird das stimmgewaltige Mafia-Dinner-Musical nicht nur in Düsseldorf, sondern zum Beispiel am 8. Dezember auch in Bonn. (SMC)