27. Jan. 2021

Genuss

Kompliziert sind in Brühl nur die erster Meter, denn der Weg vom Parkplatz zum etwas versteckt gut fünfzig Meter neben dem am Abend geschlossenen Einlass zum Freizeitpark liegenden Eingang zum Fantissima-Theater ist nur für geübte Augen erkennbar. Ist das einmal geschafft, kann man sich verwöhnen lassen. Auf den letzten Metern von der Straße zum Theater leuchten Fackeln. Im Eingangsbereich ist eine moderne Lounge aufgebaut und selbst auf den Toiletten wird man verwöhnt. Kleine Stoffhandtücher und Handcremespender erinnern vom Ambiente her an ein exklusives Hotel. Wer in den letzten Jahren schon einmal zu Gast war, sollte in diesem Jahr wiederkommen, denn nicht nur das Showprogramm wurde neu gestaltet, sondern auch das Theater, das deutlich moderner wirkt als in der Vergangenheit. So kommt die seit 2014 in die Bühne integrierte LED-Wand noch besser zur Geltung und hilft den Artisten und Tänzern dabei, stimmungsvolle Geschichten zu erzählen. Begleitet wird der Abend von der Live-Band Melody-Makers.


Die Show beginnt mit einer eindrucksvollen Tanzszene. Zu den Klängen von „Working 9 to 5“ tanzt das JB-Ballett in schwarzen Businesskostümen zur Stimme von Anastasija Zmaher. Musik, Bewegungen und eine Projektion im Bühnenhintergrund verschmelzen dabei zu einer Einheit. Mitten im stimmungsvollen Tanz wechseln die Tänzer ihr Outfit und tanzen dann zwischen den Tischen im Publikum weiter. So eingestimmt können die Gäste den ersten Gang genießen. Küchendirektor Torsten Hoffmeister und sein Team haben sich erneut der Herausforderung gestellt, den aufgrund der Eintrittspreise anspruchvollen Gästen ein hochwertiges und köstliches Menü zu servieren. Moderator und Serviceleiter Uwe Nerlich sagt den ersten Gang an, der ohne Zweifel asiatische Einschläge hat. Serviert werden Wolfsbarsch im Szechuan Style und Riesengarnele. Da die Garnele bereits ausgelöst ist, lässt sich die Vorspeise einfach essen. Dazu gibt es Gelbe-Beete-Confit und einen gut gefüllten Brotkorb. Nach dem Gang bleibt noch etwas Zeit für Gespräche mit den Tischnachbarn bevor die Show weitergeht.

Der aus den Vorjahren bekannte und beliebte Sänger James Smith präsentiert eine romantische Ballade. Dazu kommt kommt ein Artistenduo auf die Bühne. Während auf der LED-Wand virtuelle Bäume erscheinen, zeigen die beiden gelungene Hand-auf-Hand-Artistik. Farblich abgestimmte Kostüme und mit scheinbarer Leichtigkeit ausgeführte Bewegungen begeistern das Publikum. Dabei ist die Choreografie mit viel Liebe zum Detail umgesetzt. Im Handstand machen die Beine Bewegungen wie beim Radfahren und auch der einarmige Handstand gelingt eindrucksvoll. Dabei zeichnen sich die Muskeln der Artisten in den durchtrainierten Körpern ab. Anschließend präsentiert die Sängerin den Song „Frozen“. Das schwarze Kleid und die blonden Haare bilden dabei einen gelungenen Kontrast. Düster ist dabei die Hintergrundstimmung, denn es werden Vögel und Tierskelette gezeigt. Die Technik funktioniert dabei so gut, dass die Showtreppe im Bühnenhintergrund mit der Präsentation verschmilzt und sich zumindest optisch auflöst. Die Stimmung wechselt zu einem Gewitter mit schnell vorbeiziehenden Wolken. Dazu fällt ein langes Tuch von der Decke während die Hebebühne langsam nach oben fährt.


Kurz darauf kommt das Duo Shalimar auf die Bühne. Die beiden Frauen aus Äthiopien zeigen Kontorsion vom Feinsten und bringen das Publikum mit ihren beweglichen Körpern zum Staunen. Fast glaubt man zwischendurch die Körper der Frauen würden zu einem einzigen zusammenfließen. So gelingt es den beiden mit Leichtigkeit ihren Körper über den Rücken zu einem Halbkreis zu biegen. Auch ein Handstand auf dem gefühlt in die falsche Richtung gebogenen Körper der anderen Artistin ist möglich. Schließlich halten die beiden ihre Körper nur mit den Zähnen an einem Ständer fest und bewegen sich dabei, als gäbe es keine Schwerkraft. Dann geht es erstmal um Gesang und Tanz. Beide Elemente sind gut umgesetzt und stimmungsvoll. Sie nehmen bei der neuen Show deutlich mehr Raum ein als in der Vergangenheit. Songs wie „Do you remember?“, „Time to Party“ oder „You don´t have to be beautiful” sorgen für Stimmung, sind zum Teil aber etwas laut abgemischt. Weiter geht es danach mit Gaumenfreuden. Das Serviceteam trägt für jeden Gast zwei Suppen auf. In der einen Tasse die Variante einer Erdnussschaumsuppe, in der anderen eine schärfere Wasabi-Kartoffelcremesuppe.


Auch der folgende Showteil setzt auf Schärfe. Zwei brennende Fässer passen zu den Flammen auf der LED-Wand und begleiten den Song „I need a hero“. Dazu kommt ein Akrobatenduo ins Scheinwerferlicht. Beim Auftritt zeigt die Artistin unter anderem einen Handstand auf dem ausgestreckten Arm des Partners. Später springt sie vom Boden an seinen Körper. Das Duo begeistert dabei mit Körperspannung und Kraft. Auch ein riskanter Sprung kopfüber in seine Arme gelingt. Es folgt ein weiterer Tanz. Auch James Smith begeistert erneut mit „This is a man´s world“. Danach ist es Zeit für den Auftritt des Duo Pole. Die beiden Artistinnen zeigen ruckartige und doch elegante Bewegungsabläufe und sind ein echter Hingucker.


Das gilt auch für den Hauptgang. Kalbsfilet und Iberico-Schweinerücken verfeinert mit Vanillejus werden mit Chorizo-Gratin auf spanische Art kombiniert. Das zarte Fleisch und die köstlichen Aromen sind der Küche ganz hervorragend gelungen. Danach ist das Publikum bereit für „Unchain my heart“, „Billy Jean“ und schließlich „We will rock you“. Nach soviel Musik stehen mit dem Trio „The Skating Nistorov“ wieder Artisten auf der Bühne. Die drei tragen Rollschuhe und haben auf der Bühne ein Podest aufbauen lassen. Auf diesem wirbeln sie in schneller Fahrt Runde um Runde im Kreis. Dabei hält Eugenio Nistorov seine Bühnenpartnerin nur an den Füßen fest, sodass diese knapp über dem Boden umherwirbelt. Später steigern die Artisten das Risiko. Diesmal hält sie sich nur mit dem Fuß in seinem Nacken fest. Das Trio zeigt dies in verschiedenen eindrucksvollen Varianten.


Anschließend bewirkt die Lichttechnik eine sakrale Stimmung. Kirchenfenster und ein Kreuz erscheinen im Hintergrund. Nach der Musik treten die Addis Brothers auf. Sie zeigen bei ihren ikarischen Spielen eindrucksvolle Salti. Bis zu 25 Mal in Folge wirbelt einer der beiden durch die Luft und beweist dabei Balance und Körperbeherrschung. Die volle Auswahl bietet danach das Dessert. Es besteht aus einem lauwarmen Pekanuss-Karamell-Schokoladen-Kuchen, Beerenkompott, griechischem Joghurt und Basilikumeis, sodass jeder Gast seine Favoriten findet. Anschließend zeigen die Tänzer auf der Bühne eine Art Modenschau mit eindrucksvollen Kostümen. Dabei sind unter anderem ein Skulpturenkostüm mit Miederstäbchengestell und eine Ballerina zu sehen. Allein für diesen Auftritt wird ein Teil der 39 in diesem Jahr phantasievoll neu gestalteten Kostüme gebraucht. Als Zugabe kommt das Trio Sunrise auf die Bühne und begeistert mit einer akrobatischen Höchstleistung. Auch musikalisch steigert sich die Show noch einmal. „Music was my first love“ gesungen als Duett und „Viva Las Vegas“ sorgen für einen stimmungsvollen Abschluss des Abends. Tickets für die Dinner-Show kosten am Freitag und Samstag zwischen 109 und 139 Euro. An anderen Tagen ist es zehn Euro günstiger. Hinzu kommen jeweils die Getränke, die man nach Karte bestellen oder als Pauschalpaket für 39 Euro dazubuchen kann. An einzelnen Terminen gibt es über Internet als Fantissima-Special günstigere Karten. (SMC)