19. Mai. 2022

Genuss

In einer schaurig-schönen Atmosphäre genießen die Gäste ein 4-Gänge-Menü. Stilvoll gekleidet und zu erbberechtigten Familienmitgliedern ernannt, erleben sie mit, wie bei der Testamentseröffnung des Lord Ashtonburry rubinroter Wein zum Verhängnis wird. Ein Mörder ist unter den Gästen.

Lady Ashtonburry, die Gastgeberin des Leichenschmauses, wirkt etwas blass um die Nase. Beinahe meint man, ihrem Gesicht entnehmen zu können, dass sie neben dem Kummer um ihren verstorbenen Gatten noch etwas ganz anderes erblassen ließ. Sie hebt ihr Glas. Ihre Worte erfüllen den Raum wie das Flackern der weißen Kerzen, die die runden Tische im Saal erleuchten.

Man fühlt sich zurück versetzt in die Zeit als „Mobiltelefon“ noch ein Fremdwort war und lange Handschuhe ein Muss für jede britische Lady. Miss Tilly ist Lady und potentielle Erbin zugleich. Perlen schmücken ihr zierliches Handgelenk. Ihr bildhübsches Gesicht wirkt so unschuldig. Liebevoll trägt sie ihren Daddy, den eingeäscherten Lord, in einer silbernen Urne. Doch wer ein echter Miss-Marple-Fan ist weiß, das der Schein oftmals trügt.

Peter, der Mann mit der Lache eines Banditen und dem losen Mundwerk lenkt ebenfalls den Verdacht auf sich. Er vertritt das Motto: „Schießen lernen - Freunde treffen“ und meint damit wohl kaum ein nettes Schwätzchen wie es die Gäste in Dortmund halten. Doch auch unter diesen macht sich Unsicherheit breit. Ein Blick in die Runde, um sich zu vergewissern, ob nicht eine Persönlichkeit der 60er Jahre gerade das Absinthritual vollzieht. Ein zweiter Blick in Richtung der Gäste, die direkt neben dem Mordopfer saßen.

Der Detektiv betritt die Bildfläche. In seinem karierten Anzug befragt er beim Krimidinner die Augenzeugen und stößt bei seiner Recherche auf so manche heiße Fährte. Oder ist es doch nur der Weg zu Küche oder ein angewärmter Teller? Der „messerscharfe“ Rinderrücken mit Szechuan-Pfeffer gebraten auf Kartoffelrisotto mit Ruccola, der als Hauptgang gereicht wird, schmeckt eben verdächtig gut. Die blutrote und raffiniert abgeschmeckte Crèmesuppe, the soup, wie der Butler sie anzupreisen pflegt, ist eine Sünde wert.

Bei der Überführung des Täters benötigt der Inspektor die Hilfe der Gäste. Nach dem köstlichen Mahl ist nicht nur ihr Geschmacks, sondern auch der Spürsinn gefragt. Der Butler des Hauses Ashtonburry geht mit dem personalisierten Gesetz den Tathergang durch. Unzählige kritische Augenpaare sind auf die Verdächtigen gerichtet. Der Blick schweift durch den Raum. Ob der Tischnachbar wirklich nur auf der Toilette war? Musik ertönt. Jetzt wird kombiniert und ein Motiv gesucht. „Krimidinner - ein Leichenschmaus“ wird in ausgewählten Restaurants gezeigt. Informationen und Karten gibt es telefonisch unter 0201/9597130. (SMC)