21. Mai. 2026

Genuss

Was haben eine Esche in den Münchner Isarauen und ein Glas dunkles Weissbier gemeinsam? Mehr, als man denkt. Dank eines überraschenden Hefefundes revolutioniert die Traditionsbrauerei zum Kuchlbauer aus Abensberg gerade die Welt der alkoholfreien Biere.

In der Welt der alkoholfreien Biere gab es lange Zeit nur zwei Wege: Entweder man entzieht dem fertigen Bier nachträglich unter Hochvakuum den Alkohol, oder man stoppt die Gärung frühzeitig. Doch Jacob Horsch von der Brauerei zum Kuchlbauer wollte für sein neuestes Projekt weder das eine noch das andere. Er suchte nach dem „dritten Weg“ und fand ihn in der Natur.

Die „Hefejagd“ an der Isar

Die Geschichte beginnt fast wie ein Krimi: Forscher der TU München-Weihenstephan begaben sich auf eine „Hefejagd“ im Münchner Stadtgebiet. An der Rinde einer Esche in den Isarauen von Untergiesing wurden sie fündig. Sie isolierten einen wilden Hefestamm namens Saccharomyces jurei.

Das Besondere an dieser „Isar-Hefe“: Sie ist ein echter Spätzünder. Während sie sofort beginnt, komplexe Aromen zu bilden, lässt sie sich mit der Produktion von Alkohol viel Zeit – meist zehn bis 14 Tage. Ein Zeitfenster, das Braumeistern völlig neue Möglichkeiten eröffnet.

„Alte Liebe“ rostet nicht – sie wird alkoholfrei

Das Ergebnis dieser wissenschaftlichen Detektivarbeit steht nun in den Regalen: „Alte Liebe Alkoholfrei“. Es ist das erste marktfähige dunkle Weissbier, das rein biologisch mit diesem neuen Verfahren hergestellt wurde. Wer das dunkle Weizen probiert, merkt kaum, dass der Promillewert gegen Null geht. Die neue Hefe sorgt für ein vollmundiges Profil, das von prägnanten Noten roter Früchte und der klassischen Weissbier-Nelke geprägt ist. Es ist ein Bier für Genießer, die zwar auf den Alkohol, aber nicht auf die bayerische Seele im Glas verzichten wollen.

Nachhaltigkeit trifft auf Hightech

Für die Familienbrauerei aus Abensberg, die bereits seit dem Jahr 1300 das Braurecht hält, ist dieser Schritt mehr als nur eine Sortimentserweiterung. Es ist ein Bekenntnis zu handwerklichen Werten. Das Verfahren ist energieschonend und verzichtet auf die millionenschweren Entalkoholisierungsanlagen. Dass Kuchlbauer 2025 mit dem Bayerischen Klimaschutzpreis ausgezeichnet wurde, passt da perfekt ins Bild.

Egal ob im Biergarten am Fuße des berühmten Hundertwasser-Turms in Abensberg oder nach dem Sport: Die „Alte Liebe Alkoholfrei“ beweist, dass Innovation im Brauwesen nicht immer aus dem Labor kommen muss. Manchmal reicht ein aufmerksamer Blick auf die Rinde einer Münchner Esche.

(SMC)