17. Mai. 2022

Genuss

Fackeln und schwere rote Vorhänge sind die ersten Eindrücke der Besucher im winterkalten Essener Süden. Doch kaum schweben die Vorhänge zur Seite scheint man in einer anderen Welt zu sein. Plötzlich ist es warm. Spiegel reflektieren das Licht von allen Seiten und emsige Kellner begleiten die Gäste zu ihren Plätzen. Ob an kleinen Tischen im Innenraum des Zeltes oder an den Wänden in exklusiven Logen: weite Wege gibt es im Spiegelzelt nicht. Das ist gut, denn die schnelle Abfolge von künstlerischen Darbietungen und kulinarischen Höhepunkten lebt auch von der Nähe. Noch bevor die letzten Gäste ihre Plätze eingenommen haben, beginnen Künstler die Gäste an ihren Plätzen zu unterhalten. Mr. Lo, der sich bescheiden Papierzerreisser nennt, eilt von Tisch zu Tisch und faltet aus einfachem Papier wahre Kunstwerke. Bunte Blumen in allen Farben sind nicht nur Beweis seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten, sondern auch geschmackvolles Mitbringsel aus dem Spiegelzelt. Durch die Reihen eilt auch Animateurin Berta. Als Kellnerin verkleidet stakst sie durch die Reihen, klettert über die Bänke und sorgt so für Lacher.

Zunächst ganz in französischer Sprache begrüßt Rene Bazinet das Publikum. Doch schnell mischen sich erste englische Sprachfetzen und am Ende auch klares Hochdeutsch in die Moderation. Ein willkommener Kontrast dazu sind die flotten Sprüche von Kai-Magnus Sting, der sich nicht mit schöner Rede aufhält, sondern wortgewaltig André Rieu und andere Stars aufs Korn nimmt. Gemeinsam führen die beiden durch ein abwechslungsreiches Programm. Kontorsionistin Karima Zaripova zeigt auf einem hohen Podest wie beweglich ihr Körper ist und bringt damit das Publikum zum Staunen. Anton Monastyrski zeigt unglaublich schnelle Tricks mit dem Hula Hoop Reifen und beweist, dass der schwingende Reifen nicht länger eine Frauendomäne ist. Am Luftring sichert sich Tatiana Milani mit einer gewagten und dennoch poetischen Nummer die Lufthoheit. Um die kämpft auch Andy Gebhardt mit seinen beiden Jonglage-Nummern. Besonders überzeugt sein zweiter Auftritt mit den Teufelsstäben; die vorherige Comedy-Jonglage gewinnt nur die Herzen eines Teils des Publikums. Uneingeschränkter Sympathie kann sich hingegen Alan Sulc sicher sein. Der junge Künstler jongliert mit bis zu neun Bällen gleichzeitig und begeistert durch Geschwindigkeit und eine perfekten Auftritt. Humorvoll geht es bei Bauchrednerin Yana Kühtze zu, die mit ihrem sprechenden Kater Sokrates auf die Bühne kommt.

Stilvoll untermalt wird der Abend von einem kleinen Orchester und den Stimmen von Sasha Gerbey und Yury Kavalchuk. Auch aus kulinarischer Sicht ist Panem & Circenses in diesem Jahr ein Meisterwerk gelungen. Den Auftakt des Vier-Gang-Menüs macht eine Rahmsuppe von Süßkartoffeln mit Zitronengras und Crevettensalat. Der Salat schwimmt in einem kleinen Schiffchen auf der Suppe und bietet so auch etwas für die Augen. Als zweiter Gang wird ein Filet vom Wolfsbarsch mit Fenchelgemüse serviert. Danach folgt gebratene Perlhuhnbrust und zum Abschluss ein Haselnussküchlein mit Parfait von der Bourbon-Vanille und Mark von der Himbeere. Liebevoll zubereitet sorgt das von Chef de cuisine Andreas Mattern zubereiteten Menü für Begeisterung. Winter-Wunder-Welt wird von Dienstag bis Samstag um 20 Uhr und am Sonntag um 19 Uhr gezeigt. Der Preis pro Person für die vierstündige Show und das Menü liegt bei 104 Euro. Am Freitag und Samstag kostet der Besuch 114 Euro. Für Silvester hat sich das Team des Jagdhaus Schellenberg ein ganz besonderes Arrangement einfallen lassen. Wer mit Show, Feuerwerk und Sechs-Gang-Menü ins neue Jahr feiern möchte, kann unter 0201/7994160 Tickets reservieren. (SMC)