25. Sep. 2022

Kultur

Wer zuvor noch nicht im Ruhr Museum zu Gast war, sollte viel Zeit mitbringen, denn auch die Dauerausstellung, die sich auf drei Ebenen der ehemaligen Kohlenwäsche auf dem Zollverein-Gelände verteilt, ist äußerst sehenswert. Fotos, Videos, Exponate und auch Mitmachstationen helfen dabei das Ruhrgebiet von neuen Blickwinkeln zu entdecken. Der Geruch der Region? Ihre Geräusche? Diese kann man genauso entdecken wie historische Knochen, Kunstschätze und skurrile und doch charmante Ausstellungstücke.

Aktuell zeigt das Museum in der Wechselausstellung, was das Ruhrgebiet mit dem Adel zu tun hatte. Dieser Teil der Geschichte hat wenig mit Kohlenbaronen und Montanindustrie zu tun, sondern liegt in der Geschichte viel weiter zurück. Einst war das Ruhrgebiet die burgenreichste Region Europas. Von den rund 400 Adelshäusern in der Gegend sind bis heute rund die Hälfte erhalten geblieben – manche davon aber nur als Ruinen. In der Ausstellung geht es nicht nur um die Schlösser und Burgen, sondern auch um den Alltag und die Feste der Adeligen. Da die Besitztümer im Ruhrgebiet sich auf eine Vielzahl von Herrschern verteilten, gibt es eine ganze Reihe von Exponaten aus der tausendjährigen Geschichte des Adels im Ruhrgebiet. Für die Ausstellung wurden rund 800 Exponate zusammengetragen – von Bildern über Skulpturen und Waffen bis hin zu einer Kinderkutsche, mit der der Nachwuchs der Adeligen dem Umgang mit Tieren und den eigenen Privilegien erlernte. Gezeigt werden auch ein Prunkharnisch des Herzogs Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und ein Löwenfell aus dem ehemaligen Löwenpark des Grafen von Westerholt.

Eine weitere Sonderausstellung läuft bis zum 30. Oktober 2022. „Mustafas Traum“ zeigt Fotografien des deutsch-amerikanischen Fotografen Henning Christoph zum türkischen Leben in Deutschland aus den Jahren 1977 bis 1989. Der mehrfach ausgezeichnete Fotograf begleitete das Alltagsleben der Arbeitsmigranten mit der Kamera – mit Schwerpunkt im Ruhrgebiet. Mehr als 150 Fotos zeigen ganz unterschiedliche türkische Familien bei ihrem Alltag in Deutschland. Benannt ist die Ausstellung nach Mustafa Aydin, einem Freund des Fotografen, der wie viele andere Türken mit großen Träumen nach Deutschland kam und am Ende in Deutschland blieb, statt wie ursprünglich geplant in der Türkei ein Sägewerk zu kaufen. Passend zum 60. Jahrestag des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei zeigt das Ruhrmuseum die kostenfreie Sonderausstellung in der Ruhr Museum Galerie.

(SMC)