13. Dez. 2018

Kultur

Bang Bang ist modernes Varieté. Die Beiträge gehen nahtlos ineinander über, denn die Artisten zeigen mit viel Spielfreude ein buntes Gesamtkunstwerk. Ausgelassene Stimmung kommt gleich zu Beginn der Show auf. Auf der Nebenbühne stylt sich mit wehendem Umhang, glitzernden, hohen Stiefeln und Federhut der Artist Simon-James Reynolds. Der Vorhang geht auf und kurz darauf wirbeln alle Artisten des Abends aus der Kulisse auf die Bühne. Dazu der Song von Nina Hagen: „Du hast den Farbfilm vergessen!“ mit dem Refrain: „Micha, mein Micha, ...“.

 

Den ersten Zwischenapplaus erhält Stefan Bauer, der im karierten Hemd und Jeans auf der Bühne seine Diabolokünste vorführt. Bis zu drei Diabolos beherrscht er gleichzeitig. Auch wenn er sich nur mit einem Diabolo beschäftigt, macht er das artistisch perfekt und schnell folgt ein Trick dem anderen. Er schafft es über Schnur und Diabolo zu springen und wickelt das Diabolo ein und aus, wie es ihm gefällt.

 

Charlotte Gagnon, die ihre Ausbildung an der Artistenschule von Québec, Kanada, absolviert hat, zeigt ihr Können am leuchtend blauen Vertikaltuch. Sie wickelt sich in das Tuch, dreht und schwingt sich, zeigt einen Spagat in luftiger Höhe und wickelt sich spektakulär ab. Das Publikum ist begeistert auch wegen der Eleganz der Darbietung.

 

Philippe Thibaudeau, Becky Priebe und Xevi Casals stehen danach gemeinsam auf der Bühne mit einem Fotoshooting, mit gewollt ungewollten Pleiten, Pech und Pannen. Dies wird ohne Worte dargestellt und untermalt mit Songs wie „I’s now or never“. Den Zuschauern gefällt auch die Darbietung des Schlagers aus den 1960ern „Die Stiefel sind zum Wandern“, denn sie klatschen begeistert mit.

 

Musikalisch erfolgt eine Veränderung, denn Hermann van Veen Lieder sind danach zu hören. Die Augen richten sich auf Simon-James Reynolds, der perfekt geschminkt und ganz in schwarzem Outfit seine akrobatische Kunst am Swinging Pole zeigt. Die Darbietung am Pole ist sowohl sehr sportlich als auch elegant. Er bringt die Zuschauer mit vielen unterschiedlichen Figuren zum Staunen. Die gelungene Ausführung und sein athletischer Körper beeindrucken viele Zuschauer, die zuvor vielleicht mehr auf sein auffallendes Outfit geachtet haben. Der vielseitige Künstler ist, ebenso wie die meisten anderen Künstler, in viele Choreographien mit eingebunden.

 

Nach einem weiteren Musikbeitrag erklingt Bang, Bang, der Hit von Cher und Nancy Sinatra. Auf der Bühne sind wieder Becky Priebe und Philippe Thibaudeau. Thibaudeau, ganz in schwarz gekleidet, steht hinter seiner Partnerin und lässt sie wie eine Puppe tanzen. Das „Puppenspiel“ ist schön anzusehen, zumal Becky teilweise 4 Arme und 4 Beine zu haben scheint.

 

Es folgt der Auftritt des Duo Akrobatik, Charlotte Gagnon, die wir schon am Vertikaltuch sahen, und Ian Labelle. Sie zeigen als Paar Bodenakrobatik, die für Charlotte zumeist in kürzester Zeit sicher auf seine Schultern führt. Sie steht auf ihm mal mit einer Hand, mal auf zwei Händen, gleitet an seinem Rücken herunter und schon beginnt die nächste Übung. Die sportliche Nummer wird später eleganter, fast zum Tanz.

 

Die Bühne verwandelt sich in ein riesiges Ankleidezimmer. Jade Morin „hängt“ neben zahlreichen Kleidungsstücken an einem überdimensionierten Kleiderständer. Die Kanadierin zeigt in hoher Geschwindigkeit und Präzision viele Übungen an dem großen Kleiderständer auf Rädern und nutzt dabei alle Ebenen, die das außergewöhnliche „Gerät“ bietet. Die Darbietung wird untermalt von einer der zahlreichen Versionen des Titels „Fever“. Die Zuschauer fiebern mit, besonders als einer der anderen Artisten, den Kleiderständer mit hoher Geschwindigkeit über die Bühne wirbelt. Nach soviel Spannung ist die Pause im insgesamt 2-stündigen Programm willkommen.

 

Als sich der Vorhang der Bühne wieder öffnet gibt es gleich ein buntes Bild zu sehen. Die Artistinnen mit weißgepunkteten roten Kleidern eröffnen mit einer Tanzszene zusammen mit Philippe Thibaudeau und Xevi Casals die Show. Eine der „Tänzerinnen“ ist Danielle Saulnier, die in einem hautfarbenen Dress Handstände, auch auf einer Hand, auf einem Podest mit drei Stützen zeigt. Sie zieht sofort wegen ihrer gekonnten, geschmeidigen und abwechslungsreichen Übungen das Interesse auf sich. Sie entwickelt unterschiedliche Bilder, dreht sich auf einer Hand und erhält besonders viel Applaus.

 

Nach einer Szene, die an einem Flughafen spielt, erobert eine Reisenden, die Kanadierin Anna Ward, das Trapez. Ohne Absicherung fasziniert sie mit ihren gewagten Übungen. Während eine Stimme aus dem Off von einer Notlandung spricht, hängt Anna nur mit den Füßen am Trapez in luftiger Höhe. Danach zeigt sie weitere anspruchsvolle Figuren. Bunt geht es weiter, die Artisten zeigen eine Strand-Szene zu Surfin’ USA von den Beach Boys. „Strandsport“ ist Balancieren mit Bällen und Reifen. Danach kommt Philippe Thibaudeau als stöhnender Tennisstar auf die Bühne und funktioniert den Schläger um zur Gitarre, bis er sich einen Schläger ohne Bespannung aussucht und locker hindurchklettert.

 

In hohem Tempo geht das Programm weiter. Wir sind wieder auf einem Flughafen. Die Ankunft einer Maschine steht bevor. Simon-James Reynolds „tanzt“ mit und auf der herangefahrenen Ausstiegstreppe und zeigt phantasievolle sportliche Übungen.

 

Aus der schlicht aussehenden, aber viele Raffinessen bietenden Kulisse, steigt Anna Ward. Sie trägt ein bezauberndes rosa Abendkleid, das seine volle Wirkung bei ihren Übungen am Cyr-Wheel entwickelt. Sie zeigt die perfekte Show, zu der Musik „Just like a woman“, bei der die Choreografie, Licht und Kleid ideal aufeinander abgestimmt sind. Becky Priebe hat danach einen schwungvollen Hula Hoop Auftritt, bei dem sie auch einen jungen Mann aus dem Publikum einbezieht.

 

Es geht dann auf das Finale zu. Auf der Seitenbühne versucht Xevi Casals spielerisch sich zu erschießen. Da das misslingt, lässt er sich zu den Klängen von „Bang, bang, my baby shot me down“ auf der Hauptbühne hochziehen. Eine Artistin, „ein Engel“, tanzt über und mit ihm vor einem Sternenhimmel hoch über der Bühne.

Zunächst schauen die anderen Artisten, wie ausgestellt aus den Regalen der Kulisse zu. Zum Abschluss gibt es dann eine ausgelassene Aufstellung aller Artisten zu einem lebendigen Gruppenbild der guten Laune. Karten kann man telefonisch (0201) 247 93 93 oder online buchen.

(christek)