12. M&a. 2026

Kultur

Sie war ein Star, für den in den Köpfen der Männer viel Platz reserviert war. Sie war die Diva, die Frauen vor Neid erblassen ließ. Bekannt geworden durch die Rolle der „Lola Lola“ in „Der blaue Engel“ verzauberte das Berliner Mädel das Publikum. Ihr Traum: Auch nach ihrem Ableben in den Erinnerungen weiter leben zu können. Nun wird sie von einem Mann unterstützt. Chris macht es möglich.



Der Vorhang hebt sich. Eine graziöse Gestalt stolziert auf die Bühne, räkelt sich lasziv und spaßt mit dem Publikum. Marlene scheint auferstanden. Ihr Haar strahlt im Scheinwerferlicht bis in die letzen Sitzreihen des Apollos. Die Show beginnt. Immer wieder ändert die liebliche Person auf der Bühne ihre Robe, vom engen Body bis hin zum Anzug, den Marlene als Markenzeichen getragen hat.



Die Dietrich war feminin, aber ihr dominantes Verhalten glich einem Mann. Da stand es eigentlich schon fest: Ein Mann musste sie spielen, ihr Leben auf der Bühne widerspiegeln, den Leuten von ihr erzählen und sie für diese großartige Frau begeistern. Keine leichte Aufgabe, wie es scheint. Doch mit Bravour leistet dies noch den ganzen September lang der Travestiekünstler Chris. In seiner Heimat gilt er als eines der erfolgreichsten Showtalente. Die verbindet ihn mit Marlene Dietrich, die im richtigen Leben eigentlich Maria Magdalena Sieber hieß.



Chris präsentiert Künstler, die das Rahmenprogramm bildet. Für Staunen bei den Zuschauern sorgen Marco Noury an den Strapaten und Tigris mit dem Hula-Hoop. Ein Mann, eine Frau: Art Nouveau sorgen auf der Bühne für Prickeln und vielleicht auch unter den Gästen. Und auch die Lachmuskeln kommen nicht zu kurz. Patrick Lemoine erheitert durch rasante Jonglage und lässt es sich nicht nehmen seine Bewunderer zu necken. So tanzt er zwischendurch in einer Art Tütü auf der Bühne. Begleitet wird er von dem großen Apollo-Live-Orchester unter der Leitung von Christian Gall. (SMC)