30. Nov. 2021

Kultur

Wer die Show von den schönsten Plätzen erleben möchte, bucht entweder eine der exklusiven Logen – oder setzt sich früh genug ins sommerlich warme Zelt, da in den meisten Kartenkategorien freie Platzwahl im jeweiligen Bereich erlaubt ist. In jeder der Kategorien gibt es Plätze mit freier Sicht und andere, die durch die Masten des Zeltes weniger interessant sind. Pünktlich zum Vorstellungsbeginn marschieren die Artisten und Clowns in die Manege ein. Dazu spielt ein Orchester stimmungsvolle Livemusik. Ein Dudelsackspieler umrundet die Manege – sein Kompagnon hat ein anderes sehenswertes Instrument geschultert. Dann geht es los mit Artistik. Adéle Fame zeigt ihr Können an den Strapaten. Sie interpretiert das Genre vielseitig und modern. Überschläge an einer Hand gehören genauso zu ihrem Auftritt wie ein Spagat zwischen den Bändern. Die hohe Geschwindigkeit lässt Haare und Kleid der Artistin wehen. Dann hat Kai Eikermann seinen ersten Auftritt. Mit überragender Körperbeherrschung übernimmt der Berliner in der Manege verschiedene Rollen. In seiner ersten bewegt er sich wie eine Spieluhrfigur und verzaubert durch Bewegungen und Humor.

Der Zauberer Mike Chao präsentiert in der Show seine Fingerfertigkeit. Scheinbar aus dem Nichts greift er grüne Karten und Bälle und verwandelt diese. Rund um den schwarz gekleideten Taiwanesen entsteht so mit der Zeit ein grüner Teppich aus herbeigezaubertem Grün. Einen großen Anteil am Programm haben die Clowns. Zwei von ihnen versuchen sich am Quick Change, doch natürlich geht es anders aus als geplant. Der Humor lebt auch von der Vielfalt der Clowns. Der distanzierte Musikclown wirkt im Wettstreit mit dem charmanten Störenfried einfach noch lustiger. Sehenswert sind auch die Bello Sisters. Die drei Schwestern bauen aus ihren Körpern Pyramiden und zeigen Adagio-Equilibristik. Genauso begeistern die ikarischen Spiele der Cedenos Brothers. Die Südamerikaner zeigen Salti und eine perfekt abgestimmte Choreografie.

Nach der Pause steht ein großes Gerüst mit einem Flugtrapez in der Manege. An diesem wirbeln die Flying Jalapenos durch die Luft und zeigen dabei, wie elegant man durch die Luft fliegen kann. Mit dabei ist auch einer der Clowns, der der Luftakrobatik einen humorvollen Touch gibt – und dabei auch Körperbeherrschung beweist. Anschließend kommen die Clowns mit Roboterhund und Minidreirad auf die Bühne und verzaubern das Publikum mit ihrem Humor. Doch auch für Fans von extravaganter Akrobatik wird eine Menge geboten. Zwei Artistinnen hängen unter einem überdimensionalen Kronleuchter in der Manege und verbinden Kraft und Eleganz. Zum Ende des Auftritts verbindet nur eine in den Nacken gelegte Schlinge die beiden durch die Luft wirbelnden Körper. Der Goldregen zum Ende des Auftritts ist wirklich verdient.
Sehr riskant wirkt die Handstandakrobatik. Zum Requiem von Mozart zeigt der Artist seine Balance auf einem Turm aus gestapelten Stühlen. Doch das ist noch nicht genug. Auf die oberste Ebene schichtet er fünf lose aufeinanderliegende Blöcke und macht auf diesen seinen Handstand. Dann wirbeln die Blöcke durch die Luft – und der Artist fängt sich wieder im Gleichgewicht. Atemberaubend und eine gute Vorbereitung für das stimmungsvolle Finale. (SMC)