28. Sep. 2020

Kultur

Nach vier Monaten Spielpause meldet sich das Essener GOP-Varieté mit der eindrucksvollen Show „Wet“ zurück aus der Corona-Pause. Bis zum 25. Oktober 2020 zeigt man die weltweit mit mehr als 1,5 Millionen Besuchern erfolgreiche Show aus Akrobatik, Gesang und ganz viel Wasser. Auch in Essen war „Wet“ vor vier Jahren schon einmal zu Gast – und ist dennoch auch in der 2020er-Besetzung äußerst sehenswert. Nicht nur auf der Bühne geht es dabei feucht-fröhlich zu. Auch die Zuschauer in den ersten Reihen bekommen ihren Anteil am feuchten Nass ab. Sechs Badewannen sind der Dreh- und Angelpunkt der Show und lassen das Publikum staunen. Ungewöhnliche Comedy von Yulia Girda sorgt dafür, dass es zwischen den akrobatischen Auftritten auch genug zum Lachen gibt.

Der Abend beginnt mit einem Blick auf Badewannen. Die Wannen stehen auf verschiedenen Ebenen auf der Bühne. Während in einer eine Sängerin steht, sind in den anderen nur zur Decke gestreckte und sich im Takt der Musik bewegende Füße zu sehen. Während eine Arie erklingt erwachen die Künstler in den verschiedenen Wannen erkennbar zum Leben. In der einen Wanne wird ein Duschkopf zum Telefon, in einer anderen nutzt man die Brause als Musikinstrument. Nach dem gelungenen Einstieg kommt Yulia Girda auf die Bühne. Sie klettert aus einem Rohr, spielt mit einer Gummiente und spielt ihre Rolle auf eindrucksvolle Weise. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch in den ersten Reihen wird es kurz darauf nass. Yulia Girda greift sich einen „Freiwilligen“ aus dem Publikum und versucht gemeinsam mit diesem Wasser in die Schüssel für ihre Badeente zu pumpen. Dass das gründlich misslingt, ist sicher keine Überraschung. Dafür verteilt sich reichlich Wasser in den ersten Reihen. Danach gilt die Aufmerksamkeit wieder den Artisten. In jeder der Badewannen hat einer davon seinen Platz.

Als erste steht Handstandakrobatik auf dem Programm. Ein durchtrainierter Artist hält seinen Körper in der Luft, während er Stück für Stück die Steine abbaut, auf die er sich stützt. Dann ist Kathy Donnert an der Reihe. Die blonde Antipoden-Artistin liegt in einer der Wannen und jongliert mit den Füßen Tücher, Bälle und Rollen. Mit Leichtigkeit bringt sie diese in Schwung und wirbelt sie fehlerfrei durch die Luft. Höhepunkt des Auftritts ist ein mit den Füßen balanciertes Podest mit fünf Ebenen, über die die Artistin einen Ball Stück für Stück nach oben bewegt.

Anschließend zeigt Iliya Smyslov eine ungewöhnliche Jonglage. Während er mit drei Bällen jongliert zieht er sich Stück für Stück bis auf die Unterhose aus. Hemd, Schuhe und Hose landen dabei schwungvoll in der Badewanne hinter ihm. Auch andere Artisten zeigen ihre eindrucksvollen Körper. Nach gelungener Kontorsion auf dem Badewannenrand kommt etwas ganz anderes. Drei Männer kommen, jeweils nur mit einem weißen Handtuch bekleidet, auf die Bühne und zeigen eine originelle Choreografie. Welche Kraft Muskeln entfalten können, zeigt sich kurz darauf bei einem akrobatischen Auftritt. Danach steht wieder die Musik im Mittelpunkt. Die Sängerin gibt das Lied „Pack die Badehose ein“ zum Besten. Danach folgt Kontorsion im Luftring. Dann steht eine weitere Jonglage auf dem Programm. Auf einer umgedrehten Badewanne wirbelt der Jongleur erst drei, dann vier, fünf, sechs und schließlich sieben Bälle durch die Luft. Artistischer Höhepunkt des Abends dind die ikarischen Spiele der Togni Brothers. Dario und Michal Togni begeisterten schon beim britischen Supertalent und nun auch im Essener GOP. Der eine der Artisten liegt auf dem Rücken und wirbelt den anderen mit den Fußen durch die Luft. Zu den Klängen von „It´s raining, man“ gelingen dem Duo die Salti in Serie.

Dann erklingt erneut „Pack die Badehose ein“. Die Sängerin präsentiert das Lied in Varianten im Stil von Mozart, Händel, Schumann und sogar der Beatles. Daniel Stern war schon vor vier Jahren im GOP dabei und begeisterte das Publikum. Er nutzt die Strapaten, um aus einer Wanne nach oben zu steigen. Auf dem Weg dreht er sich in der Luft. Er zeigt Kraft und Körperspannung während sich von oben Wasser über seinen Körper ergießt. Zum Ende der sehenswerten Show tritt ein Artist am Trapez auf. Dieser wirbelt nicht nur um die Trapezstange, sondern beweist Kraft und Anmut zugleich. Und natürlich ist auch dieser Auftritt entsprechend des Namens der Show ziemlich nass. Zum großen Finale füllt sich der Zuschauerraum mit schillernden Seifenblasen. Nach 90 Minuten Show – wegen Corona ohne die sonst übliche Pause – ist das Publikum überzeugt, dass Varieté auch in Corona-Zeiten gelingen kann. Karten für die Show gibt es ab 34 Euro telefonisch (0201/2479393) und über Internet.

(SMC)