04. Dez. 2022

Kultur

1992 - ziemlich zu Beginn der 90ies - kaufen die Gründer des heute in Bochum beheimateten Varieté et cetera ihr erstes Zelt und brachten die erste Show auf die Bühne. 30 Jahre später zeigt das Varieté noch bis zum 6. November 2022 eine Jubiläumsshow, die zugleich eine Hommage an das Jahrzehnt der Boygroups, der Schulterpolster und des HipHops ist. Das Publikum kann sich auf internationale Artisten und einige der bekanntesten Hits der 90er freuen. Durchs Programm führt Jorgos Katsaros mit feinsinnigem Humor und Zaubertricks.

Was für ein Flashback. Fast glaubt man bei einem der legendären Konzerte der Backstreet Boys zu sein, denn auf der Bühne des et cetera geben fünf durchtrainierte Männer ihr bestes. "Get down" heißt es - doch moment, der Text besingt nicht eine große Liebe, sondern das Jubiläum des et cetera. Auch Moderator Jorgos Katsaros muss feststellen, dass die 90er schon eine Weile zurückliegen, denn wie er selbst feststellt spannt das Hemd inzwischen über dem Bauch. Doch selbst das kann die gute Laune und die Freude an 90 Minuten 90er-Feeling nicht trüben.

Regisseur Sammy Tavalis hat sich auch für die neue Show eine Menge einfallen zu lassen. Drei "Rocker" kommen mit schrägen, an Mad Max erinnernden Gefährten auf die Bühne und posen um die Wette. Doch auf der Bühne bleibt nur einer: Mr. WOW. Der hat nicht nur das Zeug zum coolen Rocker, sondern ist auch Weltklasse mit seinen Diabolos. Die drehen sich auf dem Seil genau wie an seiner Kette oder auf der Kante seiner Jacke. Und selbst im Handstand geraten die Diabolos nicht aus der Bahn. Als erhöht Mr. Wow den Schwierigkeitsgrad und lässt erst zwei dann drei beleuchtete Diabolos gleichzeitig durch die Luft wirbeln. Selbst auf einer völlig dunklen Bühne gelingt ihm das Kunststück. Wow!

Iryna Hladka fasziniert mit ihrer Choreographie am Luftring. Die Ukrainerin tanzt zu den Klängen von "Survivor" durch die Luft und scheint mit der Schwerkraft nicht viel zu tun zu haben. Das hat sie gemeinsam mit Aniko Serfözöa aus der Schweiz, die danach auf dem Drahtseil auftritt. "Golden Eye" ist der Soundtrack zu ihrem Auftritt, zu dem sie stilistisch passend ein golden glitzerndes Kleid trägt. Ihr Metier versteht die Artistin - sie tänzelt über das Seil, sie liegt auf dem Seil und wagt sich sogar mit hohen Schuhen auf das Seil.

Ihor Yakymenko ist ein artistisches und musikalisches Multitalent. Er ist nicht nur am chinesischen Mast zu sehen, den er mit Leichtigkeit erklimmt, sondern spielt auf einer kleinen Plattform oben auf dem Mast auch begnadet Saxophon. Auch in vielen anderen Teilen der Show hat Ihor seinen Part - und der ist immer sehens- bzw. hörenswert. Sehr gelungen ist zum Beispiel der gemeinsame Auftritt mit Semion Bazavlouk zur Musik "Purple Rain".

Die Köpfe der Zuschauer verdrehen Artur und Esmira gleich im doppelten Sinne. Ihr Auftritt an den Strapaten findet nicht auf der Bühne, sondern mitten im Zuschauerraum statt, sodass Teile des Publikums ihre Stühle drehen müssen. Das lohnt sich, denn das Paar zeigt eine ausgefeilte Choreographie.

Dass auch Männer starke und gefühlvolle Akrobatik zeigen können, beweit das Duo DimaA. Ein Handstand auf dem Kopf des Partners - auch auf einer Hand? Kraftvolle Hebefiguren. Und sogar einen Salto und schließlich eine Schraube auf den Schultern des Partners. So faszinirend wie beim Duo DimaA hat man das lange nicht gesehen. 

Auch Jorgos Katsaros macht als Moderator und Zauberer eine gute Figur. Er lässt Tücher die Farbe wechseln, eine Flasche im Nichts verschwinden und Würfel ihre Zahlen wechseln. Auch die unterhaltsamen Auftritte mit Freiwilligen aus dem Publikum sind unterhaltsam. Ein weiterer Star des Abends ist Sänger Semion Bazavlouk. Er begeistert mit seiner Stimme, zeigt aber auch artistisches Talent und sorgt so dafür, dass der rote Faden des Abends niemals abreißt. Karten für die Show gibt es telefonisch (0234/13003) und per Internet.

(SMC)