11. Dez. 2018

Kultur

Der Abend beginnt mit einer starken Szene. Hinter dem bärtigen Professor Salvatore, der gerade zu Programmbeginn immer wieder auf Italienisch plaudert, werden die Artisten als in vergitterten Käfigen gefangene Irre in die Manege gefahren. Doch das sorgsam geplante Experiment misslingt. Plötzlich sind die Patienten frei und suchen das Weite. Allein schon der Anblick der blutig geschminkten und kostümierten Darsteller sorgt dabei für eine besondere Atmosphäre. Während die anderen entkommen, bleiben sieben Männer in der Manege zurück. Dort zeigen die ihr artistisches Können. Dabei katapultieren sie sich gegenseitig in die Luft, bauen aus ihren Körpern eine Pyramide und wirbeln schließlich als Salto und Schraube durch die Luft.
Ganz anders gestaltet sich der Auftritt der nächsten Artistin. Diese kommt mit einem großen Netz ins Scheinwerferlicht. Dieses wird kurz darauf in die Luft gezogen und damit zur Plattform für ihre Luftartistik. Mal hängt die Artistin nur an einem Knie im hoch über den Köpfen der Zuschauer durch das Zelt wirbelnden Netz, dann ist sie kopfüber zu sehen. Während der auch durch die musikalische Begleitung äußerst mitreißenden Choreografie blicken die Zuschauer gebannt in die Kuppel des Zirkuszeltes. Auch an Unterhaltung hat man gedacht. In einer Zwangsjacke kommt ein Entertainer auf die Bühne – und gibt vor, seine Kleidung eigne sich auch für Batman. Kurz darauf hat er einen „Freiwilligen“ aus dem Publikum rekrutiert, der sich zur Freude des Publikums nicht nur eine Hundeleine umlegen lässt, sondern auch als Ziel für einen Messerwerfer herhalten muss.
Auch die Irrenanstalt geht mit der Zeit. Regelmäßig spricht Professor Salvatore mit seiner virtuellen Assistentin Gisele. Von der ist nur die Stimme zu hören, doch für die den ganzen Abend über geplanten Experimente ist sie unverzichtbar. Anschließend steht Kontorsion auf dem Programm. Zwei extrem bewegliche Frauen zeigen ihr Können und bewegen ihre Körper auf einem drehbaren Podest so weit, dass man glauben könnte, die beiden hätten keine Knochen im Körper. Auch zwischen den artistischen Darbietungen gibt es etwas zu sehen. Nebel, Scheinwerferlicht und Kostüme machen aus den verschiedenen Nummern einen nahtlos ineinander übergehenden Abend. So sind Irre und Krankenschwestern zum Beispiel beim Rollstuhlballett zu sehen.
Zum Programm gehört auch eine gelungene Handstandakrobatik. Bei dieser stehen langsame und anstrengende Figuren im Mittelpunkt. Handstand auf einer Hand ist nur der Einstieg. Drehungen, Wechsel zwischen verschiedenen Ebenen und schließlich als Finale des Auftritts ein Handstand auf zwei mehrere Meter hohen, sich biegenden Metallstangen sind mehr als sehenswert. Dass der Artist am Ende in der schwindelerregenden Höhe einen Spagat zeigt, begeistert das Publikum. Beim Zirkus des Horrors haben die meisten Artisten mehrere Rollen. Das gilt nicht nur für die Auftritte in der Manege, sondern auch für den Verkauf von Getränken und Snacks in der Pause. Doch zunächst sind drei der Artisten vom Anfang des Programms mit der nächsten Nummer zu sehen. Einer von ihnen liegt auf dem Rücken und dient seinen Mitstreitern als Sprungbrett. Bei den Wurf- und Hebefiguren wagen die drei eine Menge und beweisen ihre Kraft. So fängt einer der Artisten einen anderen mit ausgestrecktem Arm aus der Luft und kann ihn halten. Auch für den Publikumsfreiwilligen ist es noch nicht vorbei. Er darf zum Gaudi des Publikums im Bastrock zum Limbo antreten.
Nach der Pause hängt das Rad des Todes in der Manege und erinnert manche Besucher an den konkurrierenden Zirkus Flic Flac. Auch hier klettern zwei Artisten auf das sich um die eigene Achse drehende Rad und beweisen Wagemut, wenn sich nicht nur in der Konstruktion, sondern auch auf ihr unterwegs sind. Sprünge, verbundene Augen und Seilchenspringen machen die auch so schon schwierige Übung zu einem besonderen Nervenkitzel. Anschließend geht es um Schnelligkeit und Präzision. Vier Jongleure stehen mit jeweils drei Keulen auf der Bühne und jonglieren erst einzeln und dann als Gruppe. Dann sind wieder Freiwillige aus dem Publikum gefragt. Unter den bissigen Kommentaren des Entertainers sollen sie eine Filmszene nachstellen und werden für die sich ergebenden Fehler zur Unterhaltung des Publikums aufgezogen. Da atmet jeder durch, der nicht auf der Bühne ist, sondern von seinem Platz entspannt zusehen kann. Das kann man auch beim folgenden Artisten. Der steckt in einer Zwangsjacke und bringt ein Cyr auf die Bühne. Der überdimensionale Hula-Hoop-Reifen ist ohne Hände schwer zu bedienen, doch das Experiment gelingt. Ohne Hilfe der Hände wird das Cyr aufgerichtet und in Schwung gebracht. Schließlich liegt es im Nacken des Artisten, der es in hoher Geschwindigkeit herumwirbelt. Als dann auch noch die Zwangsjacke fällt, schafft das weitere Möglichkeiten für den Auftritt. Anschließend erleben die Zuschauer, wie vielfältig man die Idee „Seilchenspringen“ gestalten kann. Gleichzeitig springen die Artisten durch mehrere sich drehende Seilchen und schaffen es dabei komplett fehlerfrei zu bleiben. Besonders experimentell wird es als eine andere Artistin als Seilchen herhalten und um die eigene Achse gewirbelt wird. Zum Abschluss klettert ein Artist auf die Schulden des Anderen und ein Dritter hinauf. So aufgestapelt beginnt der untere über ein Seil zu springen und begeistert so das Publikum, das zum großen Finale mit allen Artisten nicht nur klatscht, sondern von den Sitzen aufspringt, um den Artisten seine Anerkennung zu zeigen. Karten für die Show „Asylum“ gibt es über Internet und an der Abendkasse ab 23 Euro. Beste Sicht bieten die gleich am Rand der Manege liegenden „Grüfte“ zum Preis von ab 39,50 Euro. (SMC)