18. Apr. 2024

Kultur

14. Juli 1887. Der Todestag des Industriellen Alfred Krupp. Und der Auftakt einer außergewöhnlichen Stadtführung, die ihre Teilnehmer mit Kopfhörern und Brillen, in denen Wirklichkeit und virtuelle Realität ineinander übergehen, ausstattet. „Weltweit einzigartig“, so Essen Marketing – und auf jeden Fall eine interessante Erfahrung. Buchen kann man die Mixed-Reality-Stadtführung allein oder in kleinen Gruppen und startet nach einer kurzen Einführung in der Tourist-Info ganz individuell. Kopfhörer und dunkle Brillen fallen in der lebhaften Innenstadt kaum auf – und auch die Orientierung fällt leicht, denn obwohl die digitalen Brillen zusätzliche Informationen ins Sichtfeld einfließen lassen, nimmt man doch die echte Umgebung wahr. Zumindest optisch – denn die Kopfhörer entführen einen schon ein eine andere Welt.

In dieser Welt informiert die Zeitung über den Tod von Alfred Krupp. Und Wilhelmine Grillo ist dabei die Pläne ihres Mannes zum Bau eines Theaters als Ort der Kultur in die Tat umzusetzen. Verkörpert werden die Charaktere, denen die Gäste während der Stadtführung, die sie knapp zwei Kilometer durch die Innenstadt führt, von Prominenten. Nelson Müller ist als Koch zu sehen und verkündet einen Wendepunkt, da Kochen nun auch Kultur wird. Entertainer Harry Wijnvoord hat einen kurzen Auftritt als Illusionist. Und Henning Baum ist als geschäftstüchtiger Wirt in einer der Hauptrollen zu sehen. Die beiden anderen stellen Tatjana Clasing (als Wilhelmine Grillo) und Alicja Rosinski als ihr Dienstmädchen dar. Natürlich sind die Schauspieler während der Touren nicht persönlich vor Ort – sondern nur in Form von virtuellen Bildern.

Das Display der Brille ist in zwei Teile geteilt. Im rechten ist eine Karte zu sehen, die die Gäste wie ein Navigationssystem durch die Stadt führt. Beginnend kurz vor dem Hauptbahnhof geht es die Kettwiger und später die Viehofer Straße entlang und später wieder zurück. Auf dem Weg erwarten 28 Stationen die Gäste, an denen in der digitalen Welt etwas passiert. Personen erscheinen in der virtuellen Welt und drehen die Geschichte weiter. Wer mag, kann um diese herumgehen und sie sich von allen Seiten anschauen. Historische Bilder und ganze Hausfassaden erscheinen vor den Augen der Besucher. So kann man in die Welt der Protagonisten eintauchen und nebenbei ein Bisschen über die Geschichte der Stadt lernen. Selbst zur Beerdigung von Alfred Krupp ist man eingeladen und kann zusehen, wie sein Sarg auf einer Kutsche durch die Stadt gezogen wird. So bekommt man aus ungewohnter Perspektive einen Einblick in die Geschichte der Stadt. Statt Zahlen, Daten und Fakten wie bei vielen traditionellen Führungen geht es hier um die Menschen der damaligen Zeit. Tickets für die Führung gibt es für 25 Euro.

(SMC)