19. Mai. 2022

Kultur

Gleich zu Beginn des Abends können die Zuschauer erahnen, auf was sie sich mit „Die große Coperlin Show“ eingelassen haben. Auf einer Leinwand werden historische Fotos mit Prominenten aus Politik und Show-Biz gezeigt. Doch eins ist anders. In die Schwarz-Weiß-Fotos wurde eine zusätzliche Person montiert. Gerade noch war die Teil der kubanischen Revolution oder neben Stars und Sternchen zu sehen – doch schon steht sie im roten Satinanzug auf der Bühne des GOP-Varietés. Dustin Nicolodi, der Ferrari unter den Entertainern, begrüßt sein Publikum und geizt dabei nicht mit Konfettiwürfen und Selbstironie. Schnell wird hier klar, dass das klassische Varieté nicht nachgespielt, sondern persifliert wird. So präsentiert Coperlin dem Publikum seine musikalischen Kerzen. Doch die Geräusche machen nicht die Kerzen, sondern der Entertainer selbst, der scheinbar in die Kerzen fasst und Schmerzensschreie in verschiedenen Tonlagen vernehmen lässt. Auch, dass Coperlin am Schuh einige Blätter Klopapier hinter sich herzieht, die er später für einen Zaubertrick verwendet, passt zum speziellen Humor des 33jährigen Schweizers.


Artistisch ist das Programm auf jeden Fall gelungen und bietet für jeden Geschmack etwas. Als erste Artistin ist die 26jährige Emma Phillips am Luftring zu sehen. Zu den Klängen von „Skyfall“ schwingt sie an diesem durch die Luft und setzt kreative Ideen eindrucksvoll in die Tat um. So halt sie ihren Körper am Seil ein Stück oberhalb des Luftrings und lässt diesen um sich herumwirbeln. Obwohl die Spezialität der Neuseeländerin eigentlich die Antipoden-Jonglage ist, überzeugt die von Coperlin als „Prinzessin der Lüfte“ bezeichnete Artistin auch mit der zauberhaften Darbietung am Luftring. Nach der Luft steht der Boden im Mittelpunkt des Interesses. Marcel Peneux begeistert mit seinem Stepptanz. In dieser Disziplin wurde der Südamerikaner, der sein Alter verschweigt, schon mehrfach Weltmeister. Weißer Anzug, schwarzer Hut und rote Fliege sind sein Outfit für den Auftritt auf der Bühne und einer silbrigen Treppe. „Schöne Damen, schöne Herren und schöne Kinder“, begrüßt er das Publikum und bringt es zugleich zum Schmunzeln. Dann geht es los. In schneller und präziser Schrittfolge zeigt der Tänzer sein Können. Zu „When the Saints go marching in“ erklärt er während des schnellen Tanzes die Schrittfolge. Mit einer Mitmachaktion mit Klatschen und Stampfen bringt er zusätzlich Stimmung ins Varieté-Theater.


Von der profitiert David Burlet. Der Jongleur beginnt erst mit einer klassischen Jonglage, bei der er bis zu zehn Teller auf langen Stäben in der Balance hält. Doch schnell merkt das Publikum, dass der Franzose nicht auf eine klassische Jonglage setzt, sondern auf humorvolle Unterhaltung. So versucht er während sich die ersten Teller schon drehen, eine Reihe von Löffeln in Gläser springen zu lassen. Ein auf die Bühne geschleppter Tisch bricht zusammen. Und natürlich funktioniert eine Tellerjonglage im Stil von David Burlet auch nicht ohne Scherben. Dass er sein Handwerk beherrscht zeigt der breit grinsende Jongleur natürlich auch, denn er weiß genau, welchen Teller er wann drehen muss, um ihn in der Balance zu halten. Auch das Zauberduo Craig & Liz überzeugt. Während die Teller abgebaut werden, fesselt Craig seine Bühnenpartnerin. Dann klettert diese in einen Pappkarton. Kaum ist Liz in diesem verschwunden wird der Karton mit zahlreichen Stäben durchlöchert. Doch wenig später entsteigt sie der Box mit einem Lächeln. Das Publikum staunt verblüfft. Auch Coperlin zeigt, dass Humor und Können gut zusammenpassen. Er jongliert mit Äpfeln und beginnt diese während des Flugs durch die Luft anzuknabbern.


Kraftakrobatik ist das Metier des kubanischen Duos Liazeed. Es zeigt, dass erstklassige Artistik keine Frage des Alters ist. Obwohl beide gemeinsam 96 Lebensjahre zählen ist die Akrobatik perfekt umgesetzt und inszeniert. Francisco Arano Aleman macht gleich zu Beginn des Auftritts einen Handstand auf einer glitzernden Kugel, während Zaida Liazeed auf seinem Körper balanciert. Auch ein Kopfstand in seinem Nacken gelingt, während er die beiden Körper auf Händen trägt. Das Spektakel endet kurz vor der Pause im Dunst der Nebelmaschine als beide im Handstand immer höher über die Bühne gehoben werden. Doch auch für das Publikum hat Coperlin sich noch etwas ausgedacht…


Die zweite Hälfte des Programms beginnt am Dance Pole. Sheila, die 29jährige Schwester des Moderators, zeigt ihr Können. Mal dreht sie sich kopfüber um die Stange. Mal geht es aufwärts und abwärts. Anschließend kehrt Emma Phillips zurück auf die Bühne. Sie hat einst in China die traditionsreiche Antipoden-Jonglage gelernt. Im GOP wirbelt sie aufgespannte Schirme durch die Luft und später auch einen quadratischen Tisch. Anschließend zeigt Dmiitry Deyneko aus der Ukraine seinen trainierten Körper. An den Strapaten, zwei von der Decke hängenden Bändern, bringt er das Publikum zum Staunen. Mit Leichtigkeit gelingen dem trainierten Artisten selbst die anstrengendsten Bewegungsabläufe. Er dreht sich in den Seilen, zeigt Rollen und Überschläge und erweist sich als großer Meister der traditionellen Kunst. Bevor der Abend nach rund zwei Stunden zu Ende geht wird gezaubert, gelacht und getanzt. Karten für „Die große Coperlin Show“ gibt es ab 26 Euro telefonisch (0201/2479393), an der Varieté-Kasse und über Internet. (SMC)