18. Apr. 2024

Kultur

Bis zum 7. Januar 2024 zeigt das Essener GOP-Varieté eine außergewöhnliche Show. Timothy Trust und Diamond Diaz, die bereits im Herbst 2018 in Essen zu Gast waren, haben gemeinsam mit Regisseur Knut Gminder mit „Multiversum“ eine neue Show entwickelt. Diamond schlüpft dabei in die Rolle des Geistes von Shakespeare, der durch einen Zufall und einen Spalt in Zeit und Raum aus dem 16. Jahrhundert in die Gegenwart gerät. Timothy Trust ist Dima Helfenstein, ein Geisterjäger, der sie dahin so schnell wie möglich zurückschicken möchte, aber übersieht, dass die Batterien seiner Ausrüstung nicht durch Zufall, sondern durch den geschickten Geist verschwunden sind. Auf der gemeinsamen Suche nach den Batterien treffen die beiden die Artisten des Abends – und sorgen selbst mit Zauberei und ihren Dialogen für Unterhaltung.

Kaum hat sich der Vorgang geöffnet, fällt das eindrucksvolle Bühnenbild ins Auge. Sebastian Drozdz und sein Team spielen nicht nur mit Licht und Schatten, sondern setzen auch großformatige Bildschirme ein, um bei jedem Auftritt für das passende Ambiente zu sorgen. Als erste zeigt Alina Hryshkova ihr Können. Die 19jährige Ukrainerin zeigt eine besondere Luftartistik, die in den 20er Jahren beliebt war, aber dann weitestgehend in Vergessenheit geriet. Beim Hairhanging schwebt die Artistin nur an ihren Haaren befestigt in der Luft. Sie dreht sich in der Luft, zeigt akrobatische Übungen wie einen Spagat und turnt durch einen silbernen Ring. Dass ihr ganzes Gewicht dabei nur von ihren zu einem Knoten gebundenen Haaren getragen wird, fasziniert genau wie die abwechslungsreiche Choreographie.

Lisa Stampfl war Mitglied des österreichischen Nationalteams der Rhythmischen Gymnastik. Im GOP zeigt sie, wie kreativ man mit Hula Hoop Reifen umgehen kann. Bis zu fünf Reifen wirbelt sie gleichzeitig um ihren Körper. Thomas Staath ist gleich zweimal zu sehen. Im ersten Teil der Show kommt der bärtige Kraftprotz mit freiem Oberkörper und Autoreifen auf die Bühne. Während andere Artisten mit leichten Bällen jonglieren, hat Staath sich für die Kraftjonglage mit den schweren Autoreifen entschieden. Davon hält er sogar zwei in der Luft – oder einen noch schwereren großen Reifen. Doch Thomas Staath kann nicht nur Kraft – er ist später im Programm auch am Pole zu sehen.

Eine interessante Verbindung von Strapaten und Rollschuhakrobatik zeigen die Artisten Jacqueline und Wagner. Das artistische Duo „Rêve de Lumiére“ zeigt, dass man die Höhepunkte beider Kunstforen verbinden kann. Ohne eine erhöhte Plattform, die es leichter machen würde, wirbelt er sie am Boden durch die Luft. Gemeinsam zieht es beide aber auch nach oben. Während bei der Darbietung unten auf der Bühne Maschinen und Zahnräder im Hintergrund zu sehen sind, werden in der Luft Weltraummotive eingeblendet. Stanislav Vysotskyi zeigt im Anschluss eine Jonglage. Zu beginn des Auftritts sind seine Hände gefesselt, doch schon bald bereit er sich und kann nicht nur mit sieben Bällen gleichzeitig jonglieren, sondern auch während der Jonglage Seilchenspringen.

Zwischen den artistischen Auftritten sind immer wieder Timothy Trust und Diamond zu sehen. Besonders eindrucksvoll ist es, als Timothy Trust durchs Publikum geht und Diamond auf der Bühne mit verbundenen Augen Gegenstände erkennt, die die Zuschauer ihrem Bühnenpartner zeigen. Dabei geht es nicht nur um einfach Dinge wie Schlüssel und Gläser – selbst Namen und Personalausweisnummern kann sie korrekt wiedergeben. Als die Show eigentlich schon vorbei zu sein scheint, folgt ein weiterer Höhepunkt. Das kanadische Trio Synched zeigt seine Hand-auf-Hand-Artistik.  Karten für die Show gibt es ab 39 Euro telefonisch (0201/2479393) und im Internet.

(SMC)