19. Mai. 2022

Kultur

Keyboard, Cello und Trommel: Mit diesen Instrumenten und einem Lied begrüßt das Ensemble die Gäste zur neuen Show im et cetera. Moderator Sammy Tavalis lädt anschließend zum Staunen, Lachen und Mitfiebern ein. Das Staunen fällt leicht beim Auftritt von Rostyslav Hubaydulin an den Strapaten. Der trainierte Berliner mit dem charakteristischen Kinnbart nutzt die an der Decke hängenden Strapaten auf vielfältige Weise. So zeigt er einen Handstand in einer von ihm selbst gebildeten Seilschlaufe. Kurz darauf pendelt er im Liegen durch die Luft. Es folgen einige schnelle Überschläge. Langsam beginnt hingegen der Auftritt von Svetlana Belova. Die blau gekleidete Frau liegt auf einem Podest mitten auf der Bühne. Schon ihre ersten Bewegungen zeigen, dass ihre Kunst die Kontorsion ist. Sie bewegt Arme und Beine in kaum vorstellbare Richtungen, verdreht den Körper im Handstand und biegt ihren Rücken nach hinten durch, als hätte sie keine Knochen. Dabei bewegen sich ihre Beine bei den Balanceakt wie unter Wasser langsam durch die Luft. Nur eins bewegt sich nicht: Das Lächeln im mit Glitzersteinchen geschmückten Gesicht der Artistin. Dann wird es wieder musikalisch. Zur Melodie „All about the base“ bringt Sammy Tavalis das Publikum zum Mitklatschen.

Als lebende Puppe kommt danach Wasili Urbach auf die Bühne. Auf die Bühne geführt wie an unsichtbaren Fäden übernimmt er bald selbst die Kontrolle über seinen Auftritt. Gelenkig bewegt er seinen Körper in ungewohnte Positionen und hält dabei doch stets das Gleichgewicht. Erst als er am Ende des Auftritts die unsichtbaren Fäden über sich durchschneidet, sackt er auf den Bühnenboden. Statt ihm kommen drei Rocker auf Tretrollern auf die Bühne. Einer davon ist Mr. Wow, der dem Publikum zeigt, wie gut er die Diabolos beherrscht. Die wirbelt er auch auf dem Reißverschluss seiner Jacke, rund um die Kette um seinen Hals und bei Dunkelheit treffsicher durch die Luft. Sogar als das Licht auf der Bühne für einen Moment völlig erlischt, gelingt es ihm die rot beleuchteten Diabolos zu jonglieren. Dann ist es wieder Zeit für Musik. Sammy Tavalis präsentiert seine selbst entwickelte Tavalimba und spielt auf dem Fingerklavier Melodien von Sting, Bach und Norbert Schultze. Hinter dem unbekannten Namen verbirgt sich die weltbekannte Melodie des schon von Marlene Dietrich gesungenen Lieds „Lilly Marleen“, das einige der Gäste in Bochum auch heute noch mitsingen können. Einmal in Gesangslaune schließt Sammy Tavalis gleich noch den Song von „Mackie Messer“. Dazu hat er die Tavalimba um ein ganzes Repertoire an Instrumenten erweitert. Akrobatisch folgt ein Highlight. Bianca Capri präsentiert ihr Können zu Livemusik. Es folgt Ihor Yakymenko am chinesischen Mast. Aufgebaut wird der freistehende Mast für den staatlich geprüften Artisten in einem Comedy-Auftritt, bei dem drei der Künstler sich als „Inder“ verkleidet haben und Teile des Publikums zum Lachen bringen. Am Mast zeigt Ihor Yakymenko dann eine Mischung aus wildem Tanz und ausdrucksstarker Akrobatik. Mit Leichtigkeit dreht er sich um den Mast, zieht sich nach oben zur Spitze und setzt seinen Auftritt dort fort. Kurz darauf bringt er den ganzen Mast in Drehung und wirbelt um diesen im Kreis. Zum Abschluss des Auftritts zeigt der Artist einen freihändigen Kopfstand auf der Spitze des Mastes.


Es folgt ein Klassiker aus dem Repertoire von Sammy Tavalis. Vor den Augen des Publikums verkleidet er sich als Frau und präsentiert dann seine äußerst extrovertierte Version von Howard Carpendales „Geh doch“. Ausgestattet mit spiegelnder Feile, überdimensionaler Perücke und äußerst ausdrucksstarker Gestik und Mimik verausgabt sich Sammy Tavalis auf der Bühne, sodass das Publikum ihm die folgende Pause von Herzen gönnt. Auch nach der Pause geht es mit Musik weiter. „Somebody I used to love“ lässt ein musikalisches Trio mit Hilfe der Tavalimba erklingen. Anschließend stellt sich Sammy Tavalis einer besonderen Herausforderung. In nur zwei Minuten will er aus drei Luftballons mit verbundenen Augen einen Kontrabass bauen. Schließlich erklingt „Stand by me“ und das Publikum ist begeistert. Danach ist es höchste Zeit für Akrobatik. Zwei der schon bekannten Artisten zeigen Partnerakrobatik. Auch Semion Bazavlouk, der zuvor als Sänger in Erscheinung getreten war, ist mit dabei und präsentiert sich anschließend als „Human Turntable“. Danach hat Bianca Capri ihren zweiten Auftritt. In der Mitte des Saales hängt dafür ein Vertikalseil, an dem sie im weißen Ganzkörperanzug nach oben turnt. Unter ihr steht Sammy Tavalis und bringt das Seil in Schwung. Mit den Händen hängt die Artistin in einer Seilschlaufe, während das helle Seil sich schwungvoll um sie dreht. Anschließend dreht sie sich und hängt mit einem Fuß im Seil. Schnelle Pirouetten gehören genauso zum eleganten Auftritt wie grazile Bewegungen am Seil entlang.


Ein Abend mit Sammy Tavalis könnte nicht zu Ende gehen ohne einen weiteren Klassiker. Sein brasilianischer Song gibt ihm nicht nur Gelegenheit auf dem Kopf angebrachte Kastagnetten auszupacken, sondern auch eine in seiner hautengen Hose steckende Rassel. Der Abend endet mit Tanzakrobatik der Formation „Tridiculous” zu sphärischen Klängen. Karten für die Shows (Do.-Sa. um 20 Uhr & So. um 19 Uhr) gibt es telefonisch unter 0234/13003, an der Abendkasse und über Internet. (SMC)