19. Mai. 2022

Kultur

Der Abend beginnt ungewohnt. Der Vorhang bleibt geschlossen. Moderator Brian O`Gott und die Tänzer des Ballet de la Habana kommen quer durchs Publikum auf die Bühne. Dort überrascht der schrill-schräge Moderator mit einer ersten Kostprobe seines Könnens. Mit Hilfe von deutschen Ortsschildern erzählt er die kurzweilige und amüsante Geschichte einer Prinzessin. Dann öffnet sich der Vorhang und gibt den Blick frei auf das Bühnenbild. Es zeigt Häuser mit weißen Säulen, Balkonen und eine rote Che Guevara-Fahne. Während im Hintergrund die Buena Vista Band spielt, zeigen im Vordergrund zwei Tanzpaare Sinnlichkeit und Lebensfreude. Danach ist es Zeit für die ersten Artisten des Abends. Auf einer kleinen Plattform steht das Duo Acosta. Ohne sichtbare Anstrengung hebt Manuel Acosta Guitiérdrez seine Bühnenpartnerin kopfüber in die Luft. Später hält sie sich nur mit ihrem Nacken an seinem Nacken in der Luft. Doch das Paar kann auch andersherum. Im Laufe des Auftritts zeigt er einen Handstand auf ihren durchgestreckten Beinen. Nach einem Handstand auf seinem Kopf steht Illenay Pena Vives schließlich frei auf seinem Kopf. Während sie die Balance hält, setzt er sich aus dem Stand auf den Boden, dreht sich dort einmal um die eigene Achse und steht dann wieder auf, ohne sie aus dem Gleichgewicht zu bringen.


Zum nächsten Tanz hat das Ballet sich umgezogen. In gelben, körperbetonten Kostümen liefern die Tänzer den Hintergrund zu einer auf Spanisch gesprochenen und gesungenen Hommage an Che Guevara. Dann singt José Guillermo Puebla-Brizuela den von seinem Großvater geschriebenen Hit „Commandante Che Guevara“. Es folgt ein lustiger Einspieler mit Brian O´Gott, der anhand von rückwärts gespielten Videos von ungewöhnlichen Sitten und Gebräuchen zum 1. April berichtet. Zu „Guantanamera“ folgen Gesang und Tanz. Anschließend kommt Christine Gruber auf die Bühne. Die österreichische Artistin zeigt einen Auftritt im Stil der 20er Jahre. Mit einer Zigarette in der Hand schwebt sie an einem Ring zunächst einige Runden über die Bühne. Dann beginnt die eigentliche Akrobatik-Show. Zunächst zeigt die Artistin ihre Kraft unter dem Ring, den sie nur mit einer Hand festhält. Später hängt sie mit den Füßen im Ring und zeigt ihre Bewegungen kopfüber. Auch ein Spagat am Seil entlang gelingt mit Leichtigkeit. Doch über der Bühne hängt nicht nur ein Ring, sondern es sind zwei. Zwischen den beiden zeigt Christine Gruber nicht nur einen Handstand, sondern auch Überschläge und Spagat. Das Publikum ist begeistert von diesem wagemutigen und eindrucksvollen Auftritt.


Dann stehen wieder Tanz und Gesang auf dem Programm. Die Musik ist stimmungsvoll, sodass das Publikum beginnt rhythmisch mitzuklatschen. Anschließend überraschen „Las Musas“ auf ihren Einrädern das Publikum. Die drei Frauen springen mit den Einrädern nicht nur Seilchen, sondern zeigen auch ein perfekt abgestimmtes Programm. Während zwei der Artistinnen über die Bühne fahren, zeigt die dritte zwischen ihren Schultern einen Spagat. Anschließend stellt sie sich auf die Schultern der beiden anderen, die die ganze Zeit Kreise auf der Bühne drehen. Zum Ende des Auftritts tauschen zwei der Frauen ihre Einräder gegen besonders hohe Räder. Anschließend laden die beiden einen Balken auf ihre Schultern, an dem die dritte hängt und nur von ihren Zähnen gehalten schnell im Kreis wirbelt. Da fällt es selbst dem Moderator nicht leicht, das Publikum wieder in seinen Bann zu ziehen. Doch mit einer besonderen Konstruktion gelingt es ihm. Auf einer Seitenbühne sitzt Brian O´Gott auf einer drehbaren Konstruktion. Aufgenommen wird er dabei von einer Kamera, die mitgedreht wird und ihr Bild auf eine Leinwand auf der Bühne überträgt. So ausgestattet gelingt es dem Comedian nicht nur eine Krawatte in eine Uhr zu verwandeln, sondern auch ein Wasserglas auf den Kopf zu stellen, ohne dass ein Tropfen aus diesem heraus fließt.


In der Pause genießen viele Gäste Köstlichkeiten aus der Varieté-Küche. Als Paket „Show & Dine“ verkauft das Apollo Eintrittskarten für ein Dreigangmenü zu einem besonderen Preis. Während Vorspeise und Dessert für alle Gäste einheitlich sind, kann man beim Hauptgang zwischen drei Alternativen wählen. Nach der Pause kommen zunächst die Tänzer zurück auf die Bühne. Im goldglitzernden Kostüm sorgen sie für Stimmung bevor Sylvia Friedmann aus Chicago ihren Auftritt hat. Im schwarz-weiß gestreiften Kostüm liegt die Ausnahmeartistin auf dem Boden der Bühne und ist dort leider viel zu schlecht zu sehen. Hinten im Saal lassen sich die eindrucksvollen Bewegungen leider nur erahnen. Dann kommt Brian O´Gott wieder auf die Bühne. Er hat aus Cartoons und Karaoke „Cartoonoke“ gemacht und erzählt die Geschichte von einem Fischer, der statt seiner Smartphone-App nur „kein Netz“ angezeigt bekommt. Anschließend begeistert das Duo Acosta am Pole. Nur mit der Kraft der Arme hält der Artist seinen Körper im 90-Grad-Winkel zum senkrecht auf der Bühne stehenden Mast. Dabei ist sogar noch genug Kraft über, damit seine Partnerin sich auf seinen Körper stellen kann. Später wirbelt er sie an ihrer Fußspitze um den Mast. Das Duo zeigt sein Können auch mit Drehungen um den Mast. Gemeinsam formen die beiden aus ihren Körpern immer neue Traumbilder. Nach einem weiteren Tanz hat Sylvia Friedmann gemeinsam mit ihrem Bühnenpartner Samuel Jonathan Sion den zweiten Auftritt. Die beiden waren als „Duo Rose“ die ersten amerikanischen Artisten, die nach 1959 auf Kuba auftreten durften. Im Apollo zeigen die beiden ein Liebesduett in der Luft. Schon der Beginn des Auftritts ist spektakulär. Er hängt in der Luft und hält in seinen Händen ein Tuch, an dem sie zu ihm heraufklettert. Salti, Hebeübungen und Kontorsion verbinden sich zu einem eindrucksvollen Auftritt voller Kraft und Leidenschaft. Kurz darauf folgt das große Finale, nach dem die Gäste noch lange im Saal oder Foyer beisammen sind und sich über den gelungenen Abend freuen. Karten für die Show gibt es telefonisch (0211/8289090) und über Internet. (SMC)