22. Feb. 2019

Kultur

Mit den Klängen von „Amazing Grace“ beginnt im Düsseldorfer Apollo-Varieté der „Highway to Heaven“. Auf der Bühne steht eine Treppe, die zu einem weißen Tor führt, hinter dem der Himmel beginnt. Dazu passt, dass von der Seitenbühne, die von einem Kreuz aus Scheinwerfern geschmückt ist, Sänger Max Buskohl als Engel dem Nebel entsteigt und sich durch den Zuschauerraum auf den Weg zum Himmelstor macht. Doch nicht nur das Gute findet seinen Platz im Rahmenprogramm der Show, sondern auch seine Gegenspieler. Zu rockigen Klängen kommt das schwarz-rot gekleidete Apollo-Ballett auf die Bühne. Die Tänzerinnen sind mit orangen Perücken ausgestattet und tragen mit einer dreieckigen Spitze versehene Schwänze an ihren Kostümen. Zu ihnen gesellt sich im gleichen Kostüm die nur 1,25 Meter große Noelia Pompa. Und schon heißt es vor dem Himmelstor musikalisch „Highway to Hell“.

Adrian Paul, Sohn des Circus-Direktors Bernhard Paul spielt im aktuellen Programm eine Doppelrolle. Auf der einen Seite ist er Gitarrist in der vierköpfigen Apollo-Band, auf der anderen Seite ist er mit seinen Schwestern Vivian und Lili und Jemile Martinez in einer spektakulären Rollerskating-Nummer zu sehen. Während zwei der Artisten zu den Klängen von Rammsteins „Engel“ auf die Bühne kommen, werden die beiden anderen von „There´s an Angel“ begleitet. Doch aus diesem Kontrast entwickelt sich schnell eine rasante und perfekt abgestimmte Choreografie. Mal wirbeln die Männer eine der Frauen in rasanter Fahrt durch die Luft. Mal wird eine der Artistinnen aus einer Hebefigur während der rasanten Drehungen in der Luft übergeben. Von einer Schlinge im Nacken und Bändern unter den Rollschuhen gehalten wirbeln die Frauen ihre Körper auf eindrucksvolle Weise durch die Luft und nehmen dabei immer neue, riskante Positionen ein. Höhepunkt des Auftritts ist, dass die Männer sich eine Metallkonstruktion auf die Schultern setzen, an deren Seiten die beiden Frauen durch die Luft rotieren.

Da wird selbst die schlagfertige Moderatorin Chantall blass, die sich auf einen „großen Kampf zwischen Himmel und Hölle“ freut und mit ihrer Assistentin Noelia durch das Programm führt. Es geht weiter mit einer ungewöhnlichen Mischung aus Handstand- und Cyr-Akrobatik. Während sich die meisten Artisten auf eine der Disziplinen beschränken, verbindet Joel Hertzfeld sie zu einem Gesamtkunstwerk. So zeigt er einen Handstand mit dem Cyr im Nacken und beherrscht den fliegenden Wechsel zwischen beiden Disziplinen. Dann kündigt Chantall die erste Mitmachnummer an, bei der sie einen Freiwilligen aus dem Publikum bittet, eine Zeitung vor den Körper zu halten. Diese schlägt sie mit der Peitsche in Stücke und schafft es später auch eine auf dem Kopf des Freiwilligen befestigte Kerze auf die gleiche Weise zu löschen. Kurz vor der Pause fesselt das Duo Andrew & Sascha die Blicke der Zuschauer. Zu den Klängen von „I don´t want to miss a thing“ zeigen die beiden Amerikaner eine poetische Choreografie an den Aerial Straps. Dabei spielt ein roter Schirm eine tragende Rolle, da er von den beiden nicht nur jongliert, sondern auch mit in die Luft genommen wird. Die Partnerdarbietung verbindet Kraft und Leichtigkeit auf sehenswerte Weise.

Nach der Pause steht eine überdimensionale Bank auf der Bühne. Auf dieser sitzt eine junge Frau in einem Glitzerkleid. Dann kommt Yan Sokolovskyy auf die Bühne. Er ist seit mehr als 15 Jahren international erfolgreicher Fahrrad-Artist. Mit seinem Bike springt er auf die Bank, über seine Bühnenpartnerin und schließlich sogar von der einen Armlehne zur mehrere Meter entfernten anderen. Für Vivi Paul geht es anschließend an den Luftring. Die junge Artistin wird kopfüber aus dem Nebel in die Höhe gezogen. Anschließend zeigt sie ihr akrobatisches Können oberhalb des Rings am Seil, im Ring und auch unter diesem. Auch Chantall hat noch etwas Besonderes zu bieten. Während Max Buskohl in die Rolle von Elvis Presley schlüpft und „Love me tender“ singt, wirbelt die Moderatorin einen Hula-Hoop-Reifen um ihren ausgestreckten Po und schüttet dabei Sekt aus der Flasche ins Glas. Das bekommt wenig später der Freiwillige aus dem Publikum kredenzt, der Chantall bei einem Kartenzauber unterstützen soll.

Ballartistik steht bei Jemile Martinez auf dem Programm. Der Engländer jongliert zunächst mit drei silbern glänzenden Fußbällen. Während einer auf einem Fuß liegt, dreht sich der zweite auf einer Fingerspitze und der dritte springt auf seiner Stirn auf und nieder. Auch von Schulter zu Schulter lässt der Jongleur die Bälle mit Präzision springen. Da überrascht es nicht, dass ihm die Jonglage auch mit vier und später fünf Bällen gelingt. Nach einem musikalischen Intermezzo mit „Knocking on heavens door“ stehen die Messoudi Brothers auf der Bühne. Yassin, Karim und Soffien beeindrucken mit ausgefeilter und kraftvoller Handstandakrobatik. Spätestens als die Brüder ihren Auftritt mit freiem Oberkörper fortsetzen, sind viele Frauen im Publikum hin und weg. Doch auch artistisch wird Exzellentes geboten. Ein Handstand auf einem ausgestreckten Arm. Ein Bruder, der die beiden anderen trägt und viele andere, gewagte Hebefiguren machen den Auftritt zu einem weiteren Höhepunkt. Ganz ohne Zugaben ist keiner der Zuschauer bereit nach Hause zu gehen, sodass sich der Vorhang erst nach „Stairway to Heaven“ endgültig schließt. Karten für das Programm gibt es ab 19 Euro telefonisch (0211/8289090) und über Internet. Zum Preis von 51 Euro gibt es ein Ticket der besten Kategorie und vor der Show den Artistenteller, der aus einem Medaillon vom Lamm mit gratinierten Kartoffeln und Bohnen besteht.

(ck)