19. Mai. 2022

Kultur

„Ich will Spaß“, heißt es schon ganz zu Beginn des Programms. Zu dieser Musik kommen die Artisten auf die Bühne und zeigen erste Kostproben ihres Könnens. Während hinter einem Vorhang Bäume an den Zuschauern vorbeiziehen, fühlt man sich fast wie in einem durch die Lande eilenden Taxi. Christian Korten, mit Schirmmütze als Taxifahrer ausstaffiert, sitzt dazu in einem auf Rollen montierten Fahrersitz. Kaum hat er sich aus diesem erhoben, verwandelt sich seine Stimme. Aus dem gemütlichen Moderator werden Stars aus Sport, Musik und Comedy. Die Reaktionen des Publikums auf die stimmlich gelungenen Imitationen sind unterschiedlich. Während die einen sich kaum halten können, wenn Christian Korten über Gespräche in seinem Taxi berichtet, können andere der Imitation und den Gags und Kalauern weniger abgewinnen.


Begeistert sind hingegen alle von den Artisten des Abends. Den Auftakt macht Rafael de Carlos. Der Jongleur stürmt mit drei Fußbällen auf die Bühne und wirbelt diese durch die Luft. Es scheint, als könne er keine Sekunde still stehen, während er tänzelnd jongliert. Dabei kommen nicht nur seine Hände zum Einsatz, sondern auch sein Kopf. Schließlich greift de Carlos zu einem vierten Ball. Er beginnt erst einen davon auf der Fingerspitze zu balancieren und legt dann einen zweiten darüber. Der Balanceakt gelingt mit Bravour. Kurz darauf zeigt der Jongleur, wie er die Bälle in die Luft wirft, sich selbst um die eigene Achse dreht und sie anschließend wieder auffängt. Sogar eine doppelte Drehung gelingt Rafael de Carlos. Dann wirbelt er sieben kleine Bälle durch die Luft und fängt diese mit an seinem Gürtel angebrachten kleinen Netzen einen nach dem anderen. Nicht nur Bälle hat der Artist im Griff. Er zeigt sein Können auch mit Hilfe eines Hutes, den er auf seiner Nase balanciert. Zum Abschluss des Auftritts jongliert er mit Tischtennisbällen, die er mit dem Mund zur Decke schießt und wieder fängt.

Dann kommt das Duo Strange Comedy zum ersten Mal auf die Bühne. In deren Mitte steht ein kleines Portal, das die beiden nicht nur nutzen, um auf komödiantische Weise Jonglage zu persiflieren, sondern auch für schräge Magie. So scheinen Kopf und Körper von einander getrennt zu werden. Dass auch das nur Comedy ist, merkt man zum einen an den bewusst für das Publikum erkennbaren Tricks, sondern auch daran, dass am Ende des Auftritts ein Behälter mit den Beinen einer Puppe auf der Bühne zurückbleibt. Dann ist wieder Christian Korten an der Reihe. Er schlüpft in die Rollen von Didi Hallervorden und Heinz Erhard und gibt Gags aus deren Repertoire wieder. Ein besonderes Highlight des Abends sind die Auftritte von Samira Reddmann. Für ihren ersten Auftritt steht mitten auf der Bühne ein Stuhl. Dieser ist die Plattform für ihre Tanzkontorsion. Sie umtanzt den Stuhl und zeigt sehenswerte Akrobatik auf der ungewohnten Plattform. So präsentiert sie im Handstand einen Spagat und hält ihren Körper nur mit den Fußspitzen auf dem Stuhl.

Anschließend ist es wieder Zeit für Strange Comedy. Jason Mc Pherson kämpft mit einem „Wesen“, das eigentlich nur aus Hut und Mantel besteht. Doch auf geschickte Weise haucht er der Kreatur Leben ein. Mit Hilfe des Hutes wandelt sich die imaginäre Kreatur zu Mann und Frau. Später scheinen zwei Personen in einer Jacke zu stecken. Hier wird das Duo seinem Motto „Expect the unexpected“ mehr als gerecht. Maxim Kriger zeigt anschließend sein Können beim Rola-Rola. Mit freiem Oberkörper steht der durchtrainierte Artist auf einer Plattform in der Bühnenmitte. Dort macht er nicht nur einen Handstand auf einem Arm, sondern baut gewagte Konstruktionen, auf denen er balanciert. Zu Beginn legt er ein Brett auf eine Rolle und hält darauf die Balance. Er ist so sicher, dass er sogar beim Seilchenspringen die Balance hält. Schließlich baut er einen hüfthohen Turm auf der Wippe, den er Stück für Stück erklettert.

Nach der Pause hat sich der Moderator stimmlich in Horst Schlämmer verwandelt. Artistisch sorgt Phil Os für Stimmung und Begeisterung. Zu Rock´n´Roll-Klängen tanzt er mit seinen Diabolos über die Bühne. Er lässt nicht nur die Diabolos durch die Luft wirbeln, sondern lässt auch die Schnüre ganz bewusst fliegen. Während Os im dichter werdenden Bühnennebel seine Show präsentiert, beginnt das Publikum im Takt der Musik mitzuklatschen. Auch mit zwei und später drei Diabolos gelingt Phil Oz ein fehlerfreier Auftritt.

Einen Gegenpol setzt das im echten Leben verheiratete Duo Strange Comedy mit einer Flamenco-Parodie. Bei der Pantomime beklagt Shelly Mia Kastner passend zur Musik einen zerfledderten Fächer. Schließlich steht ihr Partner allein auf der Bühne – mit drei Beinen. Auch Christian Korten läuft zu Höchstform auf. Er fragt, was passiert, wenn man einen Atheisten und einen Zeugen Jehovas kreuzt. Die Antwort: Jemanden, der grundlos an der Tür schellt. Dann erinnert der Moderator an Tierfilme aus den Anfängen des Fernsehens und scherzt über „possierliche Freunde“ aus dem Tierreich. Zur Freude des Publikums ist Samira erneut zu sehen. Am Trapez in der Mitte des Raumes zeigt sie einen rockigen Auftritt. Zu Beginn bewegt die Artistin sich hauptsächlich oberhalb des Trapezes – mit schnellen, teils ruckartigen Bewegungen passend zur Musik. Im zweiten Teil des Auftrittes schwingt sie unter dem Trapez und zeigt im Halbdunkel auch mehrere Überschläge. Auch Strange Comedy kehrt noch einmal zurück auf die Bühne. Jason Mc Pherson agiert wie ein Roboter passend zu eingespielten Geräuschen.

Als letzte Künstlerin kommt Martyn Chabry auf die Bühne. Die Französin zeigt eine ausgefallene Version des Quick Change, bei der sie ihre musikalische Ader nutzen kann. Zwischen den sieben Kleidungswechseln in Sekundenbruchteilen spielt sie Saxophon, schlägt von unten beleuchtete Trommeln und bringt mit Wasser gefüllte Flaschen zum Klingen. Karten für „Promi Geschichten – Ein Chauffeur packt aus!“ gibt es telefonisch (0234/13003), an der Varieté-Kasse und über Internet ab 20 Euro. (SMC)