22. Okt. 2019

Kultur

Bis zum 12. Mai 2019 verbindet der Zirkus Flic Flac Aktion, Adrenalin und Artistik zu einer gut zweistündigen Vorstellung. Nicht weit entfernt fing vor fast 30 Jahren alles an. Am 5. Oktober 1989 wurde in Oberhausen die allererste Flic Flac-Show gezeigt. Heute ist man mit 700 Tonnen Equipment und 46 LKW-Aufliegern auf Tour – und ist dem Konzept mit gewagter Artistik, rockigen Klängen und schräger Comedy treu geblieben. Davon überzeugten sich bei der Premiere der spektakulären Show „Punxxx“ knapp 1.500 Zuschauer.

Der Abend beginnt mit einer Überraschung: Kaum haben die Zuschauer ihre Plätze eingenommen, ziehen die Artisten in die Manege ein. Doch was ist das? Ein lautes Motorengeräusch kündigt die Mad Flying Bikes an. Freestyle Motocross ist die Passion der Artisten, die mit ihren Motorrädern über die Köpfe des Publikums fliegen und in der Luft gewagte Stunts zeigen. Gewagt sind auch die Auftritte des schwedischen Entertainers David Eriksson. Mit schräger Comedy und einem noch schrägeren Outfit arbeitet er an seinem Ziel „den Unterschied zu machen“. Dafür ist er zu jedem Klamauk bereit. So lässt er sich mit Äpfeln bewerfen, die auf einer in seinem Schritt befestigten Stachelhaube hängen bleiben. Der mit roten Tischtennisschlägern tätowierte Mann jongliert mit dem Mund Tischtennisbälle und hat auch keine Scheu eine Saugglocke zur Abflussreinigung auf den Kopf zu setzen. Da geht schon fast unter, dass zu Beginn des Programms ein humorvoll als Donald Trump verkleideter Darsteller wegen Rassismus aus dem Zelt verwiesen wird.

Die wohl aufregendste Darbietung ist der Trapez-Kunstlauf von Alex Michael. Hoch in Kuppel des Zeltes sind zwei Trapeze befestigt. Die nutzt der Artist für Schwünge und Sprünge ohne Netz und doppelten Boden. Zwischen den beiden Trapezen sind Schlaufen befestigt, durch die er kopfüber von der einen Seite zur anderen läuft und so dafür sorgt, dass den Zuschauern das Blut in den Adern gefriert. Jeder falsche Schritt wäre in dieser Höhe tödlich – doch Alex Michael weiß was er tut und kommt wohlbehalten zur anderen Seite. Ähnlich riskant wirkt nur der Globe of Speed. Die überdimensionale Metallkugel, durch die Motorräder rasen, gehört bei Flic Flac fast schon zum Inventar. Doch bei „Punxxx" rasen nicht nur wagemutige Männer im Kreis, sondern auch eine Motorradbraut. Drei, fünf und schließlich acht Motorräder finden zeitgleich Platz und liefern der Schwerkraft ein heißes Rennen.

Ein echter Hingucker ist die Synchron-Artistik auf und in einer mit Wasser gefüllten Halbkugel. Bei dieser nutzen die beiden Artistinnen den durchsichtigen Pool für eine eindrucksvolle Performance, die man so schnell nicht vergisst. Nass werden auch Julia Galenchyk und ihr Partner Dmytro Turkeev, die ihre Strapatenkunst im strömenden Regen zeigen. Sehr überzeugend ist auch der gemeinsame Auftritt von zehn Artisten der China National Akrobatik Truppe. Diese springen durch sich bewegende Reifen und beweisen dabei absolute Präzision und Kraft. Einer der Artisten kommt aus dem Stand mit einem Sprung auf fast vier Meter Höhe. Zur Melodie von „Purple Rain“ zeigt der Artist Olha eine neue Interpretation des Chinesischen Masts. Bei ihm pendelt der nur an einem Seil befestigte Mast frei umher, was den kraftvollen Auftritt noch anspruchsvoller macht.

Bei so vielen kreativen Auftritten wirken die Antipodenspiele von Romy Meggiolaro fast schon klassisch. Doch auch die italienische Artistin hat sich etwas einfallen lassen. Statt auf einem klassischen Stuhl wirbelt sie ihre Requisiten rücklings auf einem Motorrad liegend durch die Luft.  Rollen, Ringe, Teppiche und E-Gitarren werden mit den Füßen geworfen, gedreht und aufgefangen.  Zum Finale des Auftritts wird Meggiolaro in die Luft gezogen und setzt dabei ihre Antipodenkunst fort. Zdenek Polách interpretiert die Jonglage neu. Zu jazzig-rockigen Klängen jongliert der 22-jährige Tscheche mit Bällen nahezu mühelos, präzise, faszinierend. Bereits seit 18 Jahren frönt er seiner Leidenschaft. Setzt in achter Generation einer Zirkusfamilie unter dem Künstlernamen „Zeejay“ das Erbe seiner Vorfahren fort. Er hält sechs Weltrekorde der Jonglage. Ist Preisträger des Golden Trick of Kobzov und des Israeli International Circus Festivals. Er siegte beim European Youth Festival 2018 in Wiesbaden und gewann Gold in der Altersgruppe 18 bis 25 Jahre.

Der Abend wäre nicht vollständig ohne das Trio „Stars above the world“. Die Artistinnen aus der Ukraine zeigen akrobatische Spitzenleistung. Hand auf Hand, Fuß auf Nacken – das eingespielte Trio fasziniert mit Kraft und Können. Jongleur, Magier, Comedian – die vielen Talente von Coperlin sind schlecht mit einem Begriff einzuordnen. Dustin Nicolodi wuchs im weltberühmten Pariser Moulin Rouge auf – und präsentiert sich auf der Bühne als Sprücheklopfer und Comedyjongleur aus einer anderen Zeit. Seine gespielten Missgeschicke bringen das Publikum immer wieder zum Lachen

(SMC)