19. Mai. 2022

Kultur

Rockige Klänge begrüßen das Publikum gleich zu Beginn der Show. Ein röhrender Motor schickt seine Vibrationen bis weit in den Saal. Als sich der Vorhang öffnet entsteigt Max Buskohl, der schon mit Bob Geldorf und Bono auf anderen Bühnen stand, dem Motorrad und beginnt zu singen. Seine vielseitige Stimme zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend und interpretiert bekannte Songs der letzten Jahrzehnte. Hoch über der Bühne hängt ein überdimensionales Motorrad mit sich drehenden Rädern. Darunter tanzt ein fünfköpfiges Ballett passend kostümiert zur Musik. Als erster Artist kommt dann Igor Boutorine auf der Bühne. Der Russe begann im Alter von vier Jahren mit Hula-Hoop. Als einer von nur wenigen Männern ist er dem Reifen treu geblieben. Auf der Bühne zeigt er wie er Saltos, Drehungen und sogar einen Handstand macht, während die Reifen um seinen Körper kreisen. Die drehen sich nicht nur um seine Hüften, sondern auch um Arme, Beine, Hals oder Knie. Interessant zu sehen ist, wie Igor Boutorine zwei Reifen an einem Bein, aber in verschiedene Richtungen schwingen lässt. Gerade durch die hohe Geschwindigkeit und Präzision des Auftritts ist die Choreographie sehenswert. Zwischen den Artisten kommt immer wieder Comedy-Zauberer Hieronymus auf die Bühne. Seine Zauberei hat es in sich, denn er präsentiert sich derbe und abweisend. Doch gerade darin liegt der Charme des mürrischen Zauberers, der sich selbst ironisch den „Käpt´n der guten Laune“ nennt. Zu Beginn zaubert er mit Münzen und verblüfft nicht nur durch seine Art, sondern auch durch Magie und Fingerfertigkeit.


Nach Gesang und Tanz steht der Pole im Mittelpunkt. Anna Melnikova dreht sich um den silbernen Mast, der frei auf der Bühne steht. Dabei zeigt sie nicht nur viel Haut, sondern begeistert auch mit Kraft und Eleganz. Zu den Klängen von „American Woman“ präsentiert die Russin eine gewagte Choreographie. Im Spagat, kopfüber und mit um den Pole gedrehtem Körper begeistert sie das Publikum, das immer wieder zweifelt, ob es Anna Melnikova gelingen wird, sich am Mast zu halten. Doch sie spielt mit dem kalkulierten Risiko und ihrer seit frühster Kindheit trainierten Begabung. Zwischendurch macht sie am Boden einen Handstand und gelangt aus diesem zurück an den Mast. Das Publikum der offiziellen Premieren mit Roncalli-Gründer Bernhard Paul ist begeistert. Hieronymus präsentiert anschließend mehrere Tricks mit Spielkarten und bringt seinen Tisch zum Fliegen. Auch beim nächsten Auftritt geht es in die Luft. Oleg Chudan präsentiert seinen kraftvollen Körper an den Strapaten. Zu den Klängen von „Bed of roses“ zeigt er unter anderem einen Handstand in den von der Decke hängenden Seilen und rollt sich mit ausgestreckten Armen an diesen hoch und wieder herunter. Der kraftvolle Auftritt wirkt dabei leicht und spielerisch.


Adrian Mathias nennt sich auf der Bühne „Mister Wow“. Mit seinen drei knallroten Diabolos beweist er, dass er bei seinem Künstlernamen nicht zu hoch gegriffen hat. Mal drehen diese sich auf der Kante seiner Lederjacke, mal wirbeln sie an einer Schnur um seinen Körper. Und natürlich wirbeln sie auch durch die Luft. Dass das auch bei dunkler Bühne gelingt beweist die Erfahrung und Präzision des Auftritts. Nach dem Auftritt kommt Hieronymus wieder auf die Bühne und verblüfft die Zuschauer mit einem Trick, bei dem sich Gläser und Flaschen und Flaschen und Gläser verwandeln und der Tisch sich wie aus dem Nichts mit immer mehr Flaschen füllt. In der Pause gibt es für das Publikum also viel zu besprechen. Oder man nutzt die über die Sommerpause erweiterte Küche des Varietés, die neben einzelnen Gerichten im Arrangement „Show & Dine“ ein thematisch auf die Show abgestimmtes 3-Gang-Menü anbietet. Nach der Pause steht das Reck von Andrei Sizonenka und Aliaksandr Yurkavets auf der Bühne. Es besteht nicht nur aus einer Stange, sondern aus einem Quader, an dem die beiden Sportgymnasten zeigen was sie können. Die schwingen sich einzeln oder synchron hin und her. Dabei kommen sie mit der anderen Stange erst mit den Füßen in Kontakt und greifen erst Sekundenbruchteile später nach der Stange. Auf der balancieren sie genau wie sie rund um diese schwingen. Richtungswechsel sind genauso Teil der brillanten Recknummer wie Flüge durch die Luft zwischen den Stangen.


Auch Hieronymus hat nach der Pause wieder eine Menge zu bieten. Nach einem ersten Auftritt zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ hat er nun die Holzente Tony mitgebracht. Die „weiße Tigerente“ trägt einen Maulkorb und kann mit dieser passende Karten aus einem Kartenspiel ziehen. „Wer zuletzt lacht, hat es auch zuletzt verstanden“, witzelt Hieronymus. Romantisch wird es beim anschließenden Auftritt von Mr. Wow. Er hat ein Cello mitgebracht und zeigt mit diesem eine gefühlvolle und lustige Liebesballade. Emily Kinch, die auch im Ballett mittanzt, präsentiert anschließend eine von ihr selbst entwickelte Darbietung. Sie macht Luftakrobatik an einem riesigen Kronleuchter. Drehungen und Schwünge zu den Klängen von „Nothing else matters“ verzaubern das Publikum. Weiter geht es mit der Hand-auf-Hand-Akrobatik von Charlotte O´Sullivan und Nocholas Jelmoni. Die beiden präsentieren eine gelungene Paardarbietung, bei der Charlotte nicht nur einen einarmigen Handstand auf dem Körper ihres Bühnenpartners zeigt. Mit Kraft und Eleganz verbinden die beiden Tanz und Akrobatik zu einem Gesamtkunstwerk. Zum großen Finale steht auch die Band „The Mean Machine“ noch einmal im Mittelpunkt. Neben Regisseur und Bernhard-Paul-Sohn Adrian an der Rhythmusgitarre gehören zu dieser eine weitere Gitarre, ein Bass und das Schlagzeug. Karten für die Show gibt es telefonisch (0211/8289090), an der Abendkasse und über Internet ab 19 Euro. (SMC)