17. Sep. 2019

Kultur

Wer auf der Suche nach dem Höhepunkt des aktuellen Programms im Bochumer et cetera Varieté ist, kommt am Ukrainer Daniil nicht vorbei. Der Akrobat zeigt sein Können als „DB-Art“ am Flying Pole, er begeistert mit seiner Partnerin Jenny Kastein bei einer außergewöhnlichen Partnerakrobatik und ist zudem Teil der „Gruppe WILD“, die sich kraftvoller Akrobatik verschrieben hat. Doch auch die anderen Künstler der Show „Klein aber oho“ haben eine Menge zu bieten.

Durch den Abend führt Zauberer und Comedian Erasmus Stein. Mit viel Selbstironie, spitzer Zunge und unterhaltsamen Zaubertricks begleitet er das Publikum durch den Abend. Stein lässt Seile in Stücke zerfallen und sich wieder verbinden. Er entkommt einer eng geschnürten Zwangsjacke und erkennt mit Mentalmagie ein aus dem Publikum gewähltes Tier. Dabei gehört ein Augenzwinkern immer mit dazu. Der kräftige Moderator bekennt freimütig beim Blick auf die trainierten Körper der Artisten, dass man den Unterschied zwischen Schoko-Crossies und Sit-ups eben doch sieht. Er zaubert in Slow Motion, er nimmt Freiwillige mit auf die Bühne und lässt den Text aus einem Buch verschwinden. Kleine Männer haben eben auch eine Menge drauf.

Der Bühnenhintergrund wirkt auf den ersten Blick wie eine Steinmauer. Doch diese hat es in sich. Das merkt das Publikum als die Wand vor der Pause plötzlich auf die Bühne geklappt und zum Schauplatz für die Darbietung des „Duo Ice“ wird. Die akrobatische Liebesgeschichte ist für viele Besucher der Höhepunkt des Abends. Während sich von der Decke ein künstlicher Regen auf die Artisten ergießt, zeigen diese anspruchsvolle Partnerakrobatik. Daniil hebt seine Partnerin Jenny in die Luft. Aber er macht auch Handstand auf ihr. Sie schlägt einen Salto und wird trotz der Nässe mit Perfektion gefangen. Der Auftritt überzeugt – von der Choreografie und setzt auch optisch Maßstäbe.

Daniil ist gleich zu Beginn des Programms schon mit dem Flying Pole zu sehen. Der schwebende Mast hängt freischwebend über der Bühne. Aus dem Bühnennebel tritt Daniil an den Mast heran. Mit freiem Oberkörper zieht er sich mit einer Hand in die Luft. Später klettert er bei seine mit rund vier Minuten eindrucksvoll langem Auftritt weiter hinauf und geht in die Seitenlage. Nur mit den Bauchmuskeln hält er seinen Körper am Pole. Später zeigt er einen ähnlichen Kraftakt mit der Armbeuge. Besonders faszinierend ist der Moment als Daniil den Pole mit einer Hand greift und durch die Luft in Zeitlupe scheinbar um den Mast läuft. Auch seine Bühnenpartnerin Jenny Kastein ist noch einmal einzeln zu sehen. Die 22jährige beginnt mit einer starken Choreografie am Drahtseil. So zeigt sie einen Spagat – sowohl im Stehen auf dem Seil als auch seitlich. Die macht einen Überschlag. Dabei wirft ihr trainierter Körper sehenswerte Schatten auf den Bühnenhintergrund. Bei der Premiere gerät Kastein mehrmals aus der Balance – doch am Ende gelingt ihr der riskante Sprung durch zwei undurchsichtige, über dem Seil aufgespannte Schirme.

Geraldine Philadelphia ergänzt das Programm mit einer gelungenen Jonglage. Die Artistin mit Wurzeln im Circus Roncalli beginnt ihre Choreografie am Boden. Mit der Fußspitze nimmt sie die Reifen auf, sie geht in den Handstand und steht schließlich auf der Bühne. Die vier großen und zwei kleinen Ringe hält die gleichzeitig in Bewegung und in Balance. Einer dreht sich um ihr Knie, einer steht auf dem Kopf und vier werden erst paarweise und dann klassisch jongliert. Auch auf einem Beim gelingt Geraldine Philadelphia eine fehlerfreie Jonglage. Vor dem großen Finale ihres Auftritts kickt sie einen Ring hoch in die Luft, der wie geplant an der Decke hängen bleibt. Dann geht das Licht aus. Sechs weiße Ringe machen die Jonglage im Dunklen dank LED-Lichteffekten zu einem besonderen Erlebnis.

Nicht vergessen sollte man die Zwillinge Roman und Slava. Die beiden zeigen einen gelungenen, synchronen Stepptanz und präsentieren ihr Können zu einem Medley unter anderem aus Schwanensee, Riverdance, Gangnam Style und „We will rock you“. Mit flinken Füßen und viel Humor überzeugen die Tänzer, die auch in den Revuetheatern Moulin Rouge und Crazy Horse zu sehen waren, das Bochumer Publikum. Für das gelungene Finale der Show sorgt das ukrainische Quartett „Wild“. Die vier Artisten zeigen auf der Bühne und im Gang direkt zwischen den Plätzen der Gäste ihre Akrobatik aus Sprüngen, Salti und Hebefiguren. Dabei gehören Kraft und Präzision gleichermaßen zu ihrem Handwerkszeug. Einer der Männer wird als lebendes Seil zum Seilchenspringen umhergeschleudert. Ein anderer steht im Nacken von zwei anderen und balanciert den vierten Artisten auf seinem Kopf. Karten für die Show gibt es telefonisch (0234/13003), über Internet und an der Varietékasse.

(SMC)