30. Nov. 2020

Kultur

Eigentlich ist das Winterprogramm des Düsseldorfer Apollo-Varietés schon Ende Oktober gestartet, doch schon nach wenigen Tagen mussten Charakter-Zauberer Hieronymus und die internationalen Artisten für den Monat November wegen Corona pausieren. Wenn alles gut geht, startet die Show, die bis zum 10. Januar nächsten Jahres laufen soll, wieder am 2. Dezember 2020. Bereits zuvor hatte man mit einer deutlichen Reduzierung der Anzahl der Plätze und anderen Modifikationen ein überzeugendes Hygienekonzept umgesetzt. 

Während vor der Tür herbstliche Hektik herrscht, wird auf der Bühne des Varietés Weihnachtsidylle inszeniert. Geschenke liegen unter dem Weihnachtsbaum. Überdimensionale Weihnachtskugeln dekorieren den Kamin. Phantasievoll gekleidete Tänzerinnen bewegen sich zur Musik. Und die aus „The Voice of Germany“ bekannte Katja Friedenberg, als Hausmädchen ausstaffiert, singt von Weihnachten. Moderator Hieronymus ist weniger begeistert und ruft: „Ich hasse Weihnachten!“ Mit seiner gespielt derben und uncharmanten Art gewinnt er dennoch schnell die Herzen des Publikums. Auch seine Magie hat es in sich: Hieronymus zaubert nicht nur mit Tüchern, Münzen und Bällen, sondern auch mit fliegenden Stäben, Tischen und einer Wunderkubussäule. „Preußisches Entertainment“ nennt er seine Kunst. Auch die Corona-Pandemie lässt er in sein Programm einfließen und wagt sich nur mit Mundschutz und Desinfektionsmittel an den Bühnenrand.

Artistisch beginnt der Abend mit Vivi Paul. Die Tochter des Circus-Direktors Bernhard Paul bringt das Publikum durch ihre Artistik im Luftring zum Staunen. Im schwarz-weißen Kostüm nutzt sie den Ring als Plattform für eine grazile Akrobatik und scheint mit der Schwerkraft zu spielen. Zum Abschluss ihres Auftritts lässt Vivi Paul sich nur von einer um den Nacken gelegten Seilschlinge nach oben ziehen und dreht sich dabei immer schneller bis schließlich ein Regen goldschimmernden Lamettas aus ihrem Kostüm auf die Bühne rieselt.

Auf dem Boden ist Jemile Martinez zuhause. Der im schwarzen Anzug gekleidete Fußballkünstler aus England spielt das runde Leder trickreich mit Händen, Füßen, Kopf und vielen anderen Körperteilen. Dabei nehmen die Bälle eine unglaubliche Geschwindigkeit auf und werden trotzdem mit Präzision wieder aufgefangen. Bis zu fünf Bälle gleichzeitig sind in der Luft unterwegs, wenn Jemile Martinez seine Ballartistik zeigt.

Gleich zweimal ist Elan Espana auf der Bühne zu sehen. Zunächst zeigt der junge Artist sein Können am Cyr. Neben den klassischen Elementen einer Choreografie in dem sich drehenden Ring, hat der Artist einige interessante Varianten entwickelt. So streckt er Arme oder Beine aus dem sich drehenden Reifen hervor. Zum Schluss des Auftritts lassen LEDs den Cyr erleuchten und sorgen durch die schnelle Bewegung für eindrucksvolle Bilder. Sein charmantes Lächeln zeigt Elan Espana auch bei einem zweiten Auftritt mit Diabolos. Mit absoluter Präzision lässt er die Diabolos am Seil und durch die Luft springen. Zwischendurch zeigt er nicht nur einen Rückwärtssalto, sondern auch zahlreiche Drehungen. Selbst in der Dunkelheit gelinge es Elan Espana seine Diabolos zu werfen und sie zielsicher wieder zu fangen.

Mit Lili Paul-Roncalli ist auch die jüngste Tochter des Roncalli-Direktors Bernhard Paul Teil der aktuellen Apollo-Show. Während Katja Friedenberg den Flügel spielt und singt, zeigt Lili Paul-Roncalli auf dem Instrument ihre Kontorsionsakrobatik. Eingehüllt in ein rotes Glitzerkleid bewegt sie ihren  schlanken Körper wie ein Schlangenmensch. Auch Noemi Espana beherrscht die Kontorsion und verbindet diese mit Elementen des Hula Hoops. Mit Leichtigkeit wirbelt sie die silbrig glänzenden Reifen um Arme, Beine und den Körper und zeigt einen Spagat, während die Reifen weiter um ihren Körper schwingen. Bis zu acht Metallreifen sind gleichzeitig in Schwung. Zum Ende des Auftritts lässt sich die Artistin an einem Seil zur Decke ziehen während ihr Körper gleichzeitig vier Reifen in Bewegung hält.

„Acro-Dance“ nennen die Impact Brothers ihre rasante Mischung aus Tanz und Akrobatik. Die Brüder Alex und Marcos haben diese Kunstform aus dem Breakdance, in dem sie zahlreiche Meisterschaften gewannen,  bis zur Perfektion entwickelt. Ein Handstand auf dem Kopf des anderen ist genauso Teil des Programms wie synchrone und gespiegelte Bewegungen der beiden identisch gekleideten Brüder. Auch Humor und Artistik lassen sich verbinden. Der Auftritt von „Professor Wacko“ beginnt mit einem schlafenden und womöglich betrunkenen Weihnachtsmann. In diesem Kostüm steckt der 48jährige Artist, der manchmal mit Charlie Chaplin verglichen wird und durch einen Auftritt in der englischen Talentshow „Britain‘s Got Talent“ über Nacht zum Star wurde. Bei seinem Auftritt in Düsseldorf zeigt der Slapstick-Artist sich in Bestform. Er stürzt, springt, fällt und fliegt vom Trampolin durch die Luft und präsentiert dabei immer neue Varianten des kunstvollen Missgeschicks. Seiner Mission „Ich möchte die Menschen einfach nur zum Lachen bringen“ wird Professor Wacko, der auf absolute Körperbeherrschung und Präzision setzt, in der Weihnachtsshow auf jeden Fall gerecht.

Die Mischung aus stimmungsvoller Weihnachtsshow, erstklassiger Artistik und originellem Humor ist dem Apollo-Varieté mit der Show „Let it snow“ gelungen. Die bunte Mischung aus Zauberei, derbem Humor und süßen Klängen macht die Show zu einem kurzweiligen Programm, das aktuell ohne die sonst übliche Pause gespielt wird. Karten, gültig ab dem Wiederanlaufen der Show am 2. Dezember, gibt es telefonisch (0211/8289090) und über Internet ab 27 Euro. Plätze im Parkett sind ab 45 Euro im Verkauf.

(SMC)