26. Mai. 2022

Kultur

Eigentlich stand „NEO“ schon im letzten Jahr auf dem Spielplan, doch nach zwei Starttermin-Verschiebungen durch den Lockdown fand die Weltpremiere nun am 13. Januar 2022 im GOP-Varieté Essen statt. Regisseur Knut Gminder hat ein vielfältiges Programm aus Musik, Artistik und humorvoller Unterhaltung zusammengestellt, bei dem nicht alles „neu“ ist, aber die Zuschauer doch in jedem der einzelnen Auftritte etwas Neues entdecken. Moderator Martin Quilitz und Musiker Holger Dieffendahl führen bis zum 6. März 2022 durch die unterhaltsame Show.

Der Abend im GOP beginnt mit einem musikalischen Rückblick auf die 80er – und einem ersten Eindruck wie wortgewandt Moderator Martin Quilitz ist. Der bekennende Ostwestfale „alleine ist man in bester Gesellschaft“ ist ein unterhaltsamer Schnellredner, der mit Anekdoten aus der Heimat sowie mit lustigen und manchmal klugen Gedanken durch den Abend führt. Musiker Holger Dieffendahl ist der zweite rote Faden durch den NEO-Abend. Der Komponist, Musiker und Entertainer
spielt sieben Instrumente und kümmert sich als Einmann-Band um die musikalische Begleitung der Show. Dabei singt er auch eine Ode an seine Heimatstadt Köln. Auch artistisch hat das GOP einiges zu bieten. „Varieté ist immer Vielfalt“, wie Martin Quilitz es in seiner Moderation treffend beschreibt.

Kraft und Romantik stehen im Mittelpunkt des Auftritts von „Michael & Julia“. Michael Togni, dunkel gekleidet, und seine Freundin im auffälligen Glitzerdress zeigen ausdrucksstarke Partnerakrobatik. Diese greift Elemente aus der Kraftakrobatik auf und andere aus dem Tanz. Seine Kraft und ihre Grazie verbinden sich zu einem inspirierenden Auftakt der Show.

Dann hat Amélie Bolduc ihren ersten Auftritt. Die in Kanada aufgewachsene Artistin zeigt das in den USA seit den 70er-Jahren als Wettkampfsportart bekannte „Twirling“. Bei der in Deutschland kaum bekannten Stabjonglage wirbelt Amélie die Batons genannten Metallstäbe in einer gelungenen Choreographie um ihren Körper. Anfangs bewegt und dreht sie den Stab langsam, doch dann wird sie immer schneller. Schließlich wirbeln mehrere der Batons durch die Luft – während Amélie im Takt der den Auftritt begleitenden Trommeln in die Luft springt. Später zeigt Amélie Bolduc ihr Können auch am Cyr – und wirbelt im überdimensionalen Ring gekonnt über die Bühne.

Der Auftritt von Erin Skye beginnt unspektakulär. Ein Körper liegt auf der Bühne, umgeben von Seilen. Doch das ändert sich schnell. Zu einer wispernden Stimme aus dem Off wird die Artistin nach oben gezogen. In der Luft zeigt die Artistin eine künstlerische Performance. Licht und Schatten sind dabei Teil der Inszenierung, bei der das dunkle Kostüm oft mit dem Bühnenhintergrund verschwimmt. Sichtbar bleiben Arme, Füße und der Kopf der Artistin, deren Luftakrobatik an den Strapaten das Publikum auf ganz eigene Art fasziniert.  

Auch Sylphie Currien ist zweimal zu sehen. Der erste Auftritt gilt dem Hula Hoop-Reifen. Dieser wirbelt bei der amerikanischen Artistin nicht nur um die Taille, sondern auf unkonventionelle Weise um den ganzen Körper. Beim Reifenschwung im Handstand wechselt dieser scheinbar leicht vom einen auf den anderen Fuß. Und Sylphie Currien kann noch mehr. Sie präsentiert die alte aber selten gezeigte Kunst des „Hair Hanging“. Dabei wird die Artistin an den eigenen Haaren aufgehängt und zeigt ihre Akrobatik.

Moderator Martin Quilitz stellt Shu Takada als 6-fachen Street Dance Weltmeister vor. Auf der Bühne zeigt er, wie variantenreich man mit dem Jo-Jo performen kann. Er tanzt, wirbelt und schwingt gemeinsam mit dem Jo-Jo über die Bühne und ergänzt das Requisit um akrobatische Elemente. So macht er einen Salto während er zwei Jo-Jos kreisen lässt. Geschickt verbindet Shu Takada modern interpretierte japanische Folklore mit der Akrobatik und den Möglichkeiten des Jo-Jos. Zusätzlich steht das „Duo One Line“ mit Diabolos, Comedy und Beatboxing auf dem Programm.

Krönender Abschluss des Abends sind die ikarischen Spiele der Togni Brothers. Dario und Michael Togni haben diese altbekannte und doch jedes Mal auf´s Neue spannende Technik in eine spannende Choreographie verwandelt. Der starke „Untermann“ jongliert seinen Partner mit den Füßen zu den Klängen des Akkordeons. Karten für die rund zweistündige Show gibt es ab 39 Euro telefonisch (0201/2479393) und über Internet.

(SMC)